Volksstimme: Bei dem Ergenis für die CDU müssen die Sektkorken geknallt haben - fast zwei Prozent mehr als 2009 in Sachsen-Anhalt. Worauf führen Sie das zurück?
Sven Schulze: Wir freuen uns natürlich sehr darüber, dass wir in allen Wahlbereichen zulegen konnten. Das lag zum einen an der höheren Wahlbeteiligung, dadurch sind schon die absoluten Zahlen größer. Und wir haben landesweit einen guten Wahlkampf gemacht. Ich war als Spitzenkandidat täglich unterwegs, habe Tausende Kilometer zurückgelegt. Die Orts- und Kreisverbände haben mich dabei sehr unterstützt.

Im Lande war neben Ihnen Angela Merkel plakatiert, wie sehr hat die Popularität der Kanzlerin geholfen?
Es hat schon geholfen. Wir haben als CDU gesagt, dass wir den Europa-Kurs von Frau Merkel fortsetzen wollen. Die Leute, die Sven Schulze in Sachsen-Anhalt gewählt haben, wissen, dass sie damit indirekt den Kurs von Merkel unterstützt haben.

Warum war der deutsche CDU-Spitzenkandidat David McAllister in Sachsen-Anhalt nicht zu sehen?
Das stimmt nicht ganz - in Wernigerode und Halberstadt habe ich ein paar Plakate gesehen. Ansonsten gibt es eine einfache Begründung dafür: Wir haben CDU-Landeslisten, ich war der Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt und David McAllister war eben der Spitzenkandidat für Niedersachsen...

...und für Deutschland...
...auch für Deutschland, aber er war ja hier nicht zu wählen. Die Landeslisten im Übrigen sind ein gutes Mittel, denn so bleiben alle Stimmen für die CDU in Sachsen-Anhalt.

Sie bringen jugendlichen Schwung mit, Ihr Vorgänger Horst Schnellhardt hatte eine gewisse Bekanntheit. Wie wollen Sie aus diesem Schatten treten?
Ich gebe Ihnen Recht, als Neuling im Parlament muss man sich um Bekanntheit bemühnen. Damit habe ich im Wahlkampf begonnen, und ich werde Mittel und Wege finden, das fortzusetzen. Eines ist ganz klar: Ich werde nicht in Brüssel und Straßburg verharren. Im Gegenteil: Ich werde weiter in Sachsen-Anhalt unterwegs sein und nicht nur ein Büro in Magdeburg haben, sondern auch anderweitig als CDU-Europaabgeordneter Präsenz zeigen.

In welchen Parlamentsausschuss drängt es Sie?
Ich habe als Vertriebsleiter eines Maschinenbauunternehmens einen wirtschaftlichen Hintergrund. Da bietet sich ein Ausschuss an, der in Richtung Wirtschaft geht, möglicherweise Tourismus, Landwirtschaft oder Umwelt. Ob das so umsetzbar ist, muss man sehen. Ich werde nur etwas machen, was letztlich Sachsen-Anhalt hilft. Daher werde ich mich garantiert nicht mit dem Fischereiwesen beschäftigen.

Was wollen Sie als Abgeordneter für Sachsen-Anhalt als Erstes angehen?
Ich fände es verfrüht, dazu jetzt schon etwas zu sagen. Das hängt vom Ausschuss ab, in dem ich mitarbeiten werde. Ich werde in Brüssel das Rad nicht neu erfinden, aber ich möchte, dass ich Spuren hinterlasse und die Menschen in Sachsen-Anhalt sehen: Da ist jemand von der CDU, der ertwas fürs Land macht.

Jean-Claude Juncker hat sich nach der Wahl als neuer EU-Kommissionspräsident herauskristallisiert. Kann es bei dieser Personalie noch Probleme geben?
Ich glaube fest, dass Jean-Claude Juncker Kommissionspräsident wird. Das ist wichtig, aber für die Menschen bei uns ist wichtiger, wenn sie sehen, dass für sie Politik gemacht wird.

Sachsen-Anhalt ist wieder direkt mit zwei Abgeordneten im Europaparlament vertreten. Können Sie sich mit Ihrem SPD-Kollegen gemeinsame Initiativen vorstellen?

Bei allem anderen wären wir dort falsch. Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, aber Arne Lietz und ich werden mit Sicherheit gut zusammenarbeiten. Immerhin stellen CDU und SPD die Koalition auch auf Landesebene und im Bund.

Extreme Rechtsparteien sind besonders durch den Schub aus Großbritannien und Frankreich gestärkt worden. Wie werden Sie mit diesen Abgeordneten umgehen?
Das wird schwierig. Ich bin proeuropäisch, aber es gibt Abgeordnete, die möchten, dass ihr Land aus Europa herausgeht. Das ist ein Riesenwiderspruch, ich kann mir nicht vorstellen, dass es da eine gemeinsame Ebene geben wird.

CDU-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder hat empfohlen, Parteien wie die AfD mit Nichtbeachtung zu strafen. Was sagen Sie dazu?
Ich sehe das nicht ganz so. Das AfD-Ergebnis ist schon beachtenswert. Damit müssen sich die demokratischen Parteien auseinandersetzen. In Sachsen-Anhalt weiß ich aber gar nicht, wer hier die Protagonisten sind, weil sie sich alle Nase lang selbst zerstören. Ich kann mir mittelfristig keine Zusammenarbeit mit AfD-Leuten vorstellen.

Auf der EU-Bühne helfen Sprachkenntnisse. Wie sieht es da bei Ihnen aus?
Ich war als Vertriebsleiter international tätig, da gehört Englisch einfach dazu. Auf Französisch kann ich mich soweit verständigen, dass ich in Frankreich nicht verhungern müsste, aber hier will ich mich noch verbessern.