Sydney/Manila (dpa). Aus Angst vor Plünderern harren die Einwohner der überschwemmten Küstenstadt Rockhampton in Australien in ihren Häusern aus. Obwohl in vielen Straßen das Wasser mehr als einen Meter hoch steht, hätten nur rund 500 der 75 000 Einwohner ihre Häuser verlassen und seien vorübergehend zu Freunden gezogen, sagte Bürgermeister Brad Carter gestern. Das Hochwasser im Fluss Fitzroy, der durch die Stadt führt, stieg gestern weiter an. Erst morgen sollte der Höchststand erreicht werden.

Nur ein paar Dutzend Rockhamptoner sind in die bereitgestellten Notunterkünfte gegangen. "Ich bewege mich keinen Schritt", sagte Geoff Sanderson, bis zur Brust im Wasser, vor seinem Haus zu Reportern. "Ich habe das schon öfter erlebt." Der Fitzroy ist seit 1978 fünfmal über die Ufer getreten, allerdings waren die Überschwemmungen nie so schlimm wie dieses Mal. Die Polizei warnte, dass sie auch zwangsweise evakuiere, wenn die Sicherheit der Menschen nicht gewährleistet werden kann.

Die Küstenstadt ist nach den verheerendsten Überschwemmungen in Australien seit 50 Jahren weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Manche Messstationen meldeten Pegelstände von 9,2 Metern. An der einzigen noch passierbaren Straße stand das Wasser nur noch knapp Zentimeter unter der Fahrbahn, sagte Polizeichef Ian Stewart. "Wenn der Pegel wie erwartet 9,4 Meter erreicht, wird die Straße unter Wasser stehen", sagte er.

Im Fitzroy sammelt sich das Wasser aus einem Gebiet so groß wie England. Das Flussbett hatte den Wassermassen schon im Hinterland nicht standgehalten und riesige Gebiete überschwemmt. Bei Rockhampton fließt der Fitzroy in den Pazifik. Nicht nur der Fitzroy, auch alle anderen wichtigen Flüsse in Queensland traten über die Ufer, als es nach wochenlangem Regen Weihnachten weitere Unwetter gab. Bauern- und Bergwerksverbände sprechen von Milliardenschäden. Australien ist größter Kohleexporteur der Welt, aber ein Drittel seiner Exportkapazität ist von den Überschwemmungen lahmgelegt.

Meteorologen warnten vor weiteren Sturmtiefs, die überfluteten Regionen weiter südlich im Laufe der Woche neue Niederschläge bringen könnten.

Auf den Philippinen haben erhebliche Regenfälle indes Erdrutsche und Überschwemmungen ausgelöst. Mindestens 18 Menschen kamen ums Leben. Besonders betroffen sind die östlichen und südlichen Provinzen des Inselstaates, berichtete der Katastrophenschutz. In den betroffenen Regionen leben 350 000 Menschen.