Was für ein Auftritt: Monica Lierhaus meldet sich nach zwei Jahren Krankheitspause zurück. Ihr Erscheinen überstrahlt alles, was die Verleihung der Goldenen Kamera sonst noch zu bieten hat.

Berlin (dpa). Das Publikum hielt den Atem an: Die frühere "Sportschau"-Moderatorin Monica Lierhaus hat sich nach zwei Jahren Krankheitspause erstmals wieder öffentlich gezeigt. Bei der Goldenen Kamera bekam die 40-Jährige einen Ehrenpreis.

"Das ist ein sehr emotionaler Moment für mich", sagte sie am Samstagabend in Berlin, mit leiserer und flacherer Stimme als früher. Vor Millionen ZDF-Zuschauern machte sie dann ihrem Freund, dem Fernsehproduzenten Rolf Hellgardt, einen Heiratsantrag – er sagte Ja.

Im Schnitt verfolgten 4,35 Millionen Zuschauer die dreistündige Gala zur Goldenen Kamera. Den Heiratsantrag sahen um kurz nach 23 Uhr fast sechs Millionen.

Die Moderatorin hatte nach einer Gehirn-Operation, bei der ein Aneurysma beseitigt werden sollte, Komplikationen erlitten, was ihre Karriere jäh stoppte: Daran erinnerte ihr sichtlich aufgewühlter Laudator Günter Netzer, der sie ein "Kronjuwel der ARD" nannte, und dem die Stimme brach. Noch nie in seinem Leben habe er einen Satz lieber gesagt: "Willkommen zurück, Monica Lierhaus!"

Die Moderatorin trug ein hellblaues Abendkleid und sah hübsch aus, wirkte aber noch gezeichnet – sie hatte etwas Mühe beim Gehen und Sprechen. Monatelang hatte sie in einem künstlichen Koma gelegen und unter anderem mühsam wieder Sprechen erlernen müssen.

Lierhaus dankte ihrer Familie, ihrer Krankenschwester, Freunden und der ARD. "Sehr hart arbeite ich daran, wieder einmal vor der Kamera stehen zu können", sagte sie vor dem völlig gebannten Saal, in dem einige Tränen flossen. Das Wichtigste sei für sie, ihre Eigenständigkeit und ihre Unabhängigkeit wieder zu erlangen. "Dafür kämpfe ich, jeden Tag, sehr hart." Es war ganz klar der große Moment der Fernsehshow.

ARD-Programmdirektor Volker Herres ließ am Samstagabend ausrichten: "Wir freuen uns sehr, dass es Monica Lierhaus mittlerweile wieder gut genug geht, um im Fernsehen auftreten zu können." Mehr zum Thema soll es am morgigen Dienstag um 14.30 Uhr bei einer Pressekonferenz in Köln geben – im Anschluss an die Sitzung der ARD-Intendanten.

Bei der Goldenen Kamera standen die wichtigsten Preisträger schon früh fest: Anna Loos ("Wohin mit Vater?") und der neue "Tatort"-Kommissar Ulrich Tukur ("Wie einst Lilly") wurden von der Fernsehzeitschrift "Hörzu" als beste Schauspieler ausgezeichnet.

Auch Hollywoodstars wie Renée Zellweger, Michael J. Fox und John Travolta konnten sich Trophäen abholen. US-Star Danny DeVito würdigte den seit 20 Jahren an Parkinson erkrankten Fox (49) für sein Lebenswerk. Andere wären bei der Diagnose am Boden zerstört gewesen, sagte er. "Michael nahm es als Herausforderung", so DeVito. Fox ("Zurück in die Zukunft"), der eine Therapiestiftung gegründet hat, schloss seine Dankesrede mit den Worten über seine Frau: "Die größte Herausforderung in ihrem Leben ist nicht, einen Parkinson-Patienten als ihren Ehemann zu haben, sondern mich als Ehemann zu haben."

Grand-Prix-Siegerin Lena Meyer-Landrut ("Satellite") wurde in der Sparte Musik national ausgezeichnet und wirkte überwältigt. "Ich muss immer fast heulen", sagte die 19-Jährige nach dem Einspielfilm mit ihren Erfolgen. Lena ist zurzeit im Dauereinsatz, weil sie Deutschland auch beim Eurovision Song Contest 2011 vertreten soll.

Günther Jauch, der bald ARD-Talkmaster wird, bekam eine Goldene Kamera als bester Fernsehunterhalter. Jan Josef Liefers und Axel Prahl, die das Münsteraner "Tatort"-Team bilden, wurden zum besten Krimiduo gekürt.

Bester TV-Film wurde "Zivilcourage" (WDR) mit Götz George. Disco-Queen Gloria Gaynor ("I Will Survive"), die für ihr Lebenswerk geehrt wurde, brachte den Saal zum Tanzen. Schauspieler Thomas Kretschmann hielt eine flammende Rede auf Bernd Eichinger, der posthum als bester Produzent geehrt wurde. Heute findet die große Trauerfeier für Eichinger in München statt.