Wiesbaden - Die Ausbreitung eingewanderter Tiere und Pflanzen bereitet heimischen Gewässern nach Experten-Ansicht immer mehr Schwierigkeiten.

Bislang seien rund 150 solcher Arten in deutschen Gewässern bekannt, jedes Jahr kämen zwei neue hinzu, sagte Tanja Pottgiesser von der Wiesbadener Stiftung Living Rivers, die sich für Gewässerschutz stark macht. Noch vor 100 Jahren sei alle zwei Dekaden im Schnitt lediglich eine Art eingewandert.

Die neuen Arten können die heimischen Tiere und Pflanzen in Gewässern unter Umständen verdrängen. Auf das Problem weisen auch andere Naturschutz-Organisationen und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn hin. Dem Bundesamt zufolge können etwa zehn Prozent der etablierten gebietsfremden Arten Naturschutz-Probleme oder wirtschaftliche Schäden verursachen. Eingeschleppt werden die Neuankömmlinge etwa über die Schifffahrt.

Die Naturschützer von Living Rivers warnen nicht nur vor ökologischen, sondern auch vor wirtschaftlichen Folgen. Die erstmals 2006 im Rhein nachgewiesene Quagga-Muschel überwachse etwa Anlagen wie Wasser- und Rohrleitungen, Schleusenkammern und Rechen. Sie setze sich an Bauwerken wie Betonwänden und Hafenanlagen fest und könne die Funktion von Schleusentoren behindern.

Auch die Wollhandkrabben sind aus Asien eingeschleppt. Inzwischen sind sie so weit verbreitet, dass sie etwa für Flussfischer ein Problem sein können: Mit ihren Scheren machen sie Netze kaputt. Manchmal fressen sie auch Fische aus dem Netz.

Um heimische Arten zu erhalten, sollten Kommunen und Länder verstärkt Renaturierungsmaßnahmen durchführen, empfiehlt die Stiftung. Vor allem in stark verbauten Gewässern seien gebietsfremde Arten durchsetzungsfähig. "Sie verdrängen die heimischen Tier- und Pflanzenarten, da sie als Generalisten meist sehr konkurrenzstark sind", sagte Pottgiesser.