Aachen - Krank ist nicht gleich krank, das macht sich im Alltag immer wieder bemerkbar. Einer gestürzten Person mit gebrochenem Arm wird meist von allen Seiten zur Hilfe geeilt. Um einen Trauernden, dem die Tränen fließen, machen viele Menschen dagegen einen großen Bogen.

" Seelische Leiden stoßen häufig auf Unverständnis oder gar Ablehnung ", sagt Frank Bergmann, Psychiater in Aachen und Vorsitzender des Berufsverbands der Deutschen Nervenärzte. Dies hat zur Folge, dass viele Betroffene sich scheuen, mit psychischen Problemen einen Arzt aufzusuchen – obwohl man weiß, dass das Gehirn ebenso krank werden kann wie das Herz oder die Nieren. " Die Betroffenen fühlen sich stigmatisiert ", beklagt Bergmann. Seelischer Kummer gilt als Zeichen von Schwäche und wird lieber verschwiegen. Doch unbehandelt können sich beispielsweise Depressionen chronifizieren und die Lebensqualität des Betroffenen immer weiter einschränken.

" Psychische Probleme haben nichts mit Verrücktsein zu tun ", betont Bergmann. Sie können sogar organisch bedingt sein, wie etwa endogene Depressionen, die auf Stoffwechselstörungen basieren. Entzündungen, ein Tumor oder Stress im Beruf können das Nervensystem ebenfalls negativ beeinfl ussen.

Auch die Angst, möglicherweise in eine Nervenheilanstalt zu kommen, hält Bergmann für unbegründet und ein Relikt aus früheren Zeiten. " Das sind Klischees der Vergangenheit ", betont der Mediziner. 90 Prozent der Patienten in psychiatrischer Behandlung würden heute ambulant betreut und nicht etwa in geschlossenen Stationen. Möglich machen dies unter anderem moderne Behandlungskonzepte und Medikamente, die Menschen ein weitgehend normales Leben trotz ihres psychischen Leidens ermöglichen.

" Man sollte deshalb nicht zögern, bei einem seelischen Problem einen Psychiater aufzusuchen ", rät Bergmann. Dabei muss nicht jede Verstimmung krankhaft sein. " Man sollte immer dann zum Arzt, wenn man unter seinem Problem spürbar leidet ", fügt Bergmann hinzu. Einen guten Arzt erkenne man daran, dass er sich Zeit nimmt, gut zuhört und seinen Patienten in den Behandlungsplan einbezieht, also mit ihm beispielsweise über den Einsatz von Medikamenten oder den Beginn einer eventuellen Psychotherapie berät. Weitere Informationen im Internet.

www.neurologen-undpsychiater-im-netz.de.