Niedergeschlagen und antriebslos fühlen sich viele Menschen bei Nebel, Nieselregen und früh einsetzender Dunkelheit. Nicht immer liegt es am schlechten Dezemberwetter. Über Diagnostik und Behandlung von Depressionen informierten sich gestern zahlreiche Leser in einem Volksstimme-Telefonforum. Uwe Seidenfaden notierte einige Fragen und Antworten.

Frage : Schlechtes Wetter schlägt bei mir immer auf das Gemüt. Ich fühle mich dann lustlos, ohne Tatendrang, kann ständig schlafen und esse mehr als üblich. Ist das noch normal oder schon eine krankhafte Depression ?

Antwort : Das verminderte Tageslicht während der Wintermonate beeinflusst u. a. die Produktion von Botenstoffen im Gehirn. Darauf reagieren manche Menschen stärker mit melancholischen Stimmungsschwankungen, andere weniger stark. Einer saisonal abhängigen Depression ( Winterdepression ) kann mit einfachen Mitteln begegnet werden. Dazu gehört viel Bewegung und Sport an frischer Luft sowie eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung. Wenn sich die Beschwerden nicht innerhalb weniger Wochen bessern, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Soweit erforderlich, kann der Arzt Ihnen zum Beispiel Medikamente oder eine Lichttherapie verordnen.

Die meisten Depressionen sind jedoch unabhängig von der Jahreszeit. Die Betroffenen fühlen sich antriebslos und schlapp. Sie haben ein vermindertes Selbstwertgefühl und können oftmals nicht richtig ein- oder durchschlafen. Stattdessen grübeln sie viel nach – z. B. über den Sinn des Lebens. Oftmals bestehen bei einer Depression auch Störungen des Denkens, der Merk- und Konzentrationsfähigkeit.

Frage. Worin unterscheiden sich Schizophrenien und Depressionen ? Sind sie erblich bedingt ?

Antwort : Schizophrene fühlen sich oft beeinflusst. Sie hören z. B. Stimmen, die ihnen Befehle erteilen oder fühlen sich verfolgt. Bei Menschen mit Depressionen treten diese Symptome so gut wie nie auf. Sie leiden unter Abgeschlagenheit, Schlafl osigkeit und sehen alles in düsteren Farben. Erbfaktoren spielen bei beiden Erkrankungen eine gewisse Rolle.

Frage : Mein Schwager steckt in einer schweren Krise. Er ist schon seit mehr als zwei Jahren arbeitslos. Seine Ehe ist zerrüttet, weil er regelmäßig trinkt. Er ist zutiefst mutlos und sieht keine Zukunft mehr für sich. Zu seiner Frau sagte er, dass er sich das Leben nehmen will, wenn sie ihn verlässt. Wie kann man helfen ?

Antwort : Lebenskrisen können in schwere Depressionen führen, aus denen die Betroffenen mit eigener Kraft nicht entkommen können. Auch Angehörige und Freunde sind oftmals überfordert – besonders dann, wenn bereits Selbstmordgedanken geäußert wurden.

Wenn Sie Ihrem Schwager helfen wollen, dann sollten Sie sich in einer der Suchtberatungsstellen des Landes oder beim sozialpsychiatrischen Dienst der Gesundheitsämter individuellen Rat einholen. Versuchen Sie, offen und ohne Schuldzuweisungen mit ihrem Schwager zu sprechen, so dass er sich in Behandlung begibt. Damit ist der erste und größte Schritt bereits getan, denn viele Betroffene haben ein mangelndes Verständnis für ihre Erkrankung. Durch eine rechtzeitig einsetzende Therapie kann oftmals verhindert werden, dass sich die depressiven Symptome weiter verschlimmern und es unter Umständen sogar zu einem Selbstmordversuch kommt. Wenn Selbstmordgedanken geäußert wurden, sollte unbedingt professionelle Hilfe einbezogen werden. In einer akuten Selbstmordkrise ist der Notarzt zu rufen, der eine Einweisung in eine Klinik veranlassen wird.

Frage : Eigentlich könnte ich sehr zufrieden sein. Ich habe einen guten Job und eine gute Familie. Trotzdem habe ich oft Stimmungsschwankungen. Ich mache mir dann Sorgen über Dinge, die eigentlich belanglos sind. Was kann ich tun ?

Antwort : Sich Sorgen zu machen, ist unter bestimmten Umständen ja durchaus normal. Der Übergang zwischen noch normalen Stimmungsschwankungen zu behandlungsbedürftigen manisch - depressiven Erkrankungen ( bipolaren Störungen ) ist fl ießend. In medizinische Behandlung sollte man sich begeben, wenn Zweifel am Sinn des Lebens bestehen.

Frage : Mein Mann leidet seit Monaten an starken Stimmungsschwankungen. Die meiste Zeit kapselt er sich von der Umwelt ab, geht nicht zur Arbeit und will niemanden sehen. Manchmal wird er mir gegenüber aggressiv. Er weigert sich strikt, Hilfe anzunehmen. Wenn ich ihn verlasse, will er sich umbringen. Wie soll es weitergehen ? Wo kann ich als Angehöriger Hilfe fi nden ?

Antwort : Hilfe bietet beispielsweise der sozialpsychiatrische Dienst der Gesundheitsämter. Es gibt zudem verschiedene Angehörigen-Selbsthilfegruppen. Wenn Sie eine in Ihrer Nähe fi nden wollen, können Sie sich abei der Deutschen Gesellschaft für bipolare Störungen – www. dgbs. de oder Telefon : ( 040 ) 85408883 – informieren. Sie können die Adressen auch in der Ambulanz der Magdeburger Uniklinik für Psychiatrie erfahren : Telefon : ( 0391 ) 6714254 bzw. 6715004.

Frage : Mir geht es schon seit vielen Monaten schlecht. Ich habe fast immer Rücken- und Magenschmerzen, deren Ursache die Ärzte nicht fi nden können. Nachts liege ich wach und grübele, bis der Morgen beginnt. Tagsüber bin ich müde. Nichts macht mehr Freunde. Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch tun kann ...

Antwort : Psychische Probleme können sich auch als körperliche Beschwerden bemerkbar machen. Daran wird der Arzt immer dann denken, wenn eine organische Ursache der Beschwerden ausgeschlossen wurde. Mitunter sind Schmerzen eine Begleiterscheinung bei Depressionen, ohne dass eine Erkrankung dieser Organe vorliegt. Auch die Depression an sich ist eine Krankheit, die mit Hilfe des Arztes behandelt werden muss. Die Behandlung besteht oftmals aus einer Kombination von Psychotherapie und der Einnahme von Medikamenten. In schweren Fällen werden auch Wach- und Elektrokrampftherapie angewandt. Wichtig ist, dass Betroffene die Depression ähnlich wie Diabetes oder Bluthochdruck als eine Krankheit anerkennen und sich behandeln lassen.

Frage : Mein Mann erhält seit gut drei Monaten Medikamente gegen seine Depressionen. Es geht ihm jetzt schon deutlich besser. Wie lange müssen die Tabletten noch eingenommen werden ?

Antwort : Mit den Medikamenten werden nicht nur die akuten Beschwerden behandelt, sondern es wird auch ihr erneutes Auftreten verhindert. Deshalb müssen die Medikamente meist langfristig, oftmals sogar ein Leben lang, eingenommen werden.