Chronischer Mundgeruch ist mehr als schlechter Atem. Bei rund 90 Prozent aller Fälle sind Bakterien in der Mundhöhle die Ursache, nur in seltenen Fällen liegt es am Magen. Oft lässt sich schon mit einfachen Mitteln Abhilfe schaffen.

Berlin (dpa) l Den fauligen Geruch aus seinem Mund hat Peter Tiedt* nicht selbst bemerkt. "Auch in meinem Umfeld hat keiner seltsam reagiert oder sich von mir abgewendet", sagt er. "Zumindest ist mir das nicht aufgefallen." Erst seine Freundin wies den damals 40-Jährigen vorsichtig auf seinen ständigen Mundgeruch hin. Tiedt putzte sich seine Zähne nun noch intensiver, als er es ohnehin schon getan hatte. Doch der stechende Geruch blieb. Schätzungen zufolge hat etwa jeder dritte Bundesbürger mehr oder weniger chronischen Mundgeruch, medizinisch Halitosis genannt. Vielen ist er peinlich.

Bei etwa 90 Prozent der Patienten liegt die Ursache in der Mundhöhle. "Vor allem auf der großen rauen Oberfläche der Zunge mit ihren zahlreichen Vertiefungen setzen sich Bakterien fest, die keinen Sauerstoff zum Leben brauchen", erklärt Kai Worch von der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGParo) in Regensburg. "Im Rahmen ihres Stoffwechsels produzieren sie flüchtige Schwefelverbindungen, die dann zu dem unangenehmen Geruch führen." Auch in den Zahnzwischenräumen und unter schlecht sitzenden Kronen finden die Bakterien ihre Nischen. "Oft sitzen sie auch in Zahnfleischtaschen, die infolge von Entzündungen des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates entstehen und beim normalen Zähneputzen nicht mitgereinigt werden können."

Ob man Mundgeruch hat, kann man kaum selbst feststellen. Deshalb sollten vertraute Familienmitglieder und Freunde Betroffene auf ihren Mundgeruch ansprechen, auch wenn ihnen das unangenehm ist. Entscheidend ist ein sensibles Vorgehen.

Bundesweit gibt es rund 30 spezialisierte Mundgeruchssprechstunden. In diesen untersucht der Zahnarzt die gesamte Mundhöhle, insbesondere Zunge und Zahnfleisch, und führt gegebenenfalls eine professionelle Zahn- und Zungenreinigung durch.

Damit die Zunge wieder rötlich oder rosa schimmert und nicht von einem weißen, gelben oder braunen Belag bedeckt ist, sollte man sie auch selbst täglich reinigen. Zahnärztin Aviva Grinfeld aus Berlin empfiehlt folgende Technik: "Die Zunge herausstrecken und vorne an der Spitze breitflächig herunterziehen, auf die genoppte Seite des Zungenreinigers ein neutralisierendes Zink-Gel für Mundgeruch auftragen und dieses langsam vom höchsten Punkt der Zunge, den man sehen kann, nach vorne verteilen." Anschließend ziehe man das Gel mit der anderen Seite des Zungenreinigers ab. Da Zahnbürsten häufig einen Würgereiz auslösen, sollte man spezielle Zungenreiniger mit flachen Borsten verwenden.

Während eine tägliche Zungenreinigung unabdingbar ist, sollte die Verwendung von Mundspüllösungen mit dem Zahnarzt abgesprochen und auf maximal zwei Wochen beschränkt sein. "Lösungen mit Chlorhexidin beispielsweise können bei Daueranwendung je nach Konzentration zu Allergien, einer Verschlechterung der Mundflora oder zeitweisen Verfärbungen an den Zähnen führen", warnt Sebastian Michaelis von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Kaugummis versprechen nur scheinbar eine schnelle Lösung. "Sie können zwar die Speichelproduktion anregen, was besonders bei Mundtrockenheit wichtig ist, aber eben nicht die Bakterien eliminieren", sagt Grinfeld. Permanentes Kaugummi-Kauen verschlimmere das Problem vielmehr. Der pH-Wert im Mund erhöhe sich so weit, dass die Entstehung der Schwefelverbindungen begünstigt wird.