Die wichtigsten Regeln zur Vermeidung des Plötzlichen Kindstods:
- Säuglinge sollten nicht in der Bauchlage schlafen gelegt werden
- Schwangere und Mütter sollten nicht oder möglichst wenig rauchen
- die Schlafumgebung des Babys sollte rauchfrei sein
- das Baby sollte in einem altersgerechten Schlafsack ohne Decke oder Kissen schlafen, damit es nicht überhitzen oder darunterrutschen kann
- die Matratze darf nicht zu weich sein und sollte nicht mit warmen Decken oder Fellen ausgelegt werden
- das Baby sollte beim Schlafen kein Mützchen tragen
- die Raumtemperatur beim Schlafen sollte etwa16 bis 18 Grad betragen
- ideal ist es, wenn das Baby in einem Beistellbett neben dem Elternbett schläft
- wenn möglich, sollte es bis zum sechsten Monat ausschließlich gestillt werden.

Quelle: BZgA

Magdeburg l Als junger Medizinstudent in Marburg wurde Professor Gerhard Jorch in die Nachbarwohnung im Studentenwohnheim gerufen: ein Baby lag leblos in seinem Bett, es war an Plötzlichem Kindstod gestorben. "Es lag auf dem Bauch", erinnert sich heute der 63-jährige Klinikdirektor der Universitätskinderklinik Magdeburg. Es sollte nicht seine letzte Begegnung sein mit dem bis heute nicht ganz geklärten Phänomen, dass Säuglinge einfach aufhören zu atmen und nicht mehr aufwachen. Die Ursachen sind vielfältig. Doch die wichtigsten Risikofaktoren sind klar: das Schlafen auf dem Bauch sowie das Rauchen.

Gerhard Jorch wollte es zunächst selbst nicht glauben, dass es so eine einfache Erklärung für ein Phänomen geben konnte, an dem die Wissenschaft seit 100 Jahren forschte. Doch als er 1990 im Auftrag des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums untersuchte, warum in dem Bundesland 500 Kinder im Jahr an Plötzlichem Kindstod starben, stellte sich heraus, dass 85 Prozent der gestorbenen Säuglinge auf dem Bauch gelegen hatten. "Das Risiko des plötzlichen Kindstods ist in Bauchlage zehnmal höher", sagt der Kinderarzt. Als er die Ergebnisse 1991 im Ärzteblatt publizierte, erntete er zunächst nur Hohn und Spott aus der Fachwelt. Trotzdem sorgte die Verbreitung über Massenmedien dafür, dass innerhalb weniger Monate nur noch halb so viel Kinder am plötzlichen Kindstod starben.

Warum die Bauchlage so gefährlich ist, ist noch nicht vollständig geklärt. "Es ist eine Zwangslage", erklärt der Mediziner. Gerade drei Monate alte Babys, die am häufigsten daran sterben, könnten sich noch nicht alleine zurückdrehen. "Nach der Geburt steigt das Risiko des plötzlichen Kindstods bis zum 100. Lebenstag an, dann sinkt es wieder kontiniuierlich ab", sagt Jorch.

Der Trend zum Schlafen auf dem Bauch sei Ende der 60er Jahre aus den USA gekommen, als man meinte, Säuglinge motorisch fördern zu müssen. "Dafür gab es aber keine wissenschaftlichen Belege", berichtet er. Trotzdem setzte sich die Auffassung in Westdeutschland schnell durch, auch unter Medizinern und Hebammen, selbst Jorch lernte es so noch im Studium.

Ab 1971 habe es diese Anweisung auch in der DDR gegeben, so Jorch. Doch nachdem vier tote Kinder in einer Krippe gefunden worden seien, habe es schnell eine Verordnung aus Potsdam gegeben, dass Babys nicht mehr ohne Beobachtung auf den Bauch gelegt werden sollten und das Bettzeug nicht zu warm sein dürfte. "Danach gab es keine Todesfälle dieser Art mehr in der DDR", sagt Jorch.

Einen zweiten wesentlichen Risikofaktor hat er jedoch in seinen Studien ausgemacht: das Rauchen, insbesondere dann, wenn die Mütter starke Raucher waren. Ab zehn Zigaretten pro Tag, die bereits während der Schwangerschaft geraucht wurden, sei das Risiko signifikant gestiegen. Die Auswirkungen des Passivrauchens auf die Sterblichkeit von Säuglingen sei noch nicht ausreichend erforscht.

Die dritte wesentliche Gefahr hat Jorch in der Überhitzung von Säuglingen feststellen können. So starben in den Wintermonaten mehr Babys am plötzlichen Kindstod als im Sommer. "Die Kinder werden im Winter oft zu warm angezogen, die Heizung trocknet die Luft aus, da fällt das Atmen schwerer, gerade bei Infekten", so Jorch. Teure Geräte zur Überwachung von Säuglingen, zum Beispiel elektronische Matten, die Alarm schlagen, wenn sich das Baby 20 Sekunden lag nicht bewegt hat, hält er für unnötig, wenn die wichtigsten Regeln beachtet werden. Wenn ein Kind ein erhöhtes Risiko wegen Vorerkrankung oder genetischer Veranlagung trage, sei eine Sauerstoffüberwachung sinnvoller.

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