Düsseldorf/Berlin (dpa) l Wer sich für einen neuen Fernseher interessiert, kommt am Smart-TV nicht mehr vorbei. Solche Fernseher gehen entweder per WLAN oder Netzwerkkabel ins Internet und können dort zum Beispiel Mediatheken, Spiele, soziale Netzwerke und andere Apps abrufen. Eine Seltenheit sind sie nicht mehr: Nach Angaben des IT-Verbandes Bitkom generieren die schlauen Geräte inzwischen drei Viertel des Umsatzes in der TV-Branche.

Der Zugriff des TV-Geräts aufs weltweite Netz ist allerdings auch mit Gefahren verbunden. Anfang 2014 fand die Zeitschrift "c`t" zum Beispiel heraus, dass Fernseher von Herstellern wie LG, Panasonic, Philips, Samsung und Toshiba die TV-Sender informieren, wenn der Benutzer den Kanal wechselt. Und LG ging damals sogar so weit, USB-Festplatten am Fernseher zu durchsuchen .

Die Schnüffelei passiert dabei ganz unauffällig: "Zuschauer können nicht mehr erkennen, ob sie sich nur eine TV-Sendung ansehen oder ob sie bereits im Internet unterwegs sind", sagt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Durch die Verbindung mit dem heimischen Netzwerk ist das Smart-TV-Gerät immer online und verschickt fleißig Informationen über seine Nutzer."

Viele internetfähige Fernseher sind dem Experten zufolge ab Werk so eingestellt, dass das TV-Gerät bereits beim ersten Anschalten zum Sender wird und Daten des Zuschauers an den Gerätehersteller, die Sendeanstalten und weitere Dienste wie Google Analytics weiterleitet. Auf diese Weise lasse sich künftig nicht nur das Fernseh- und Internetverhalten der Nutzer ausforschen, so Schuldzicki. Es könnten auch umfangreiche Profile über Tagesabläufe, Nutzungsgewohnheiten und persönliche Interessen entstehen.

Was der Fernseher genau über ihn weiß und was mit den Daten passiert, erfahre der Nutzer dabei nicht - von einer Einwilligung ganz zu schweigen. Für Schuldzinski ein untragbarer Zustand: "Verbraucher müssen selbst entscheiden können, was sie von sich preisgeben", kritisiert er.

Jürgen Sewczyk, Mitglied des Vorstands der Deutschen TV-Plattform, hält dagegen: Für die Nutzung bestimmter Dienste und die Optimierung der Angebote sei es notwendig, bestimmte Daten zu erfassen - allerdings anonymisiert. "Es handelt sich dabei stets nur um gerätebezogene, nicht um personenbezogene Daten", so Sewczyk. Von einer speziellen Form des Ausspionierens könne beim Smart-TV keine Rede sein.

Misstrauische Nutzer können ihren Smart-TV aber auch so einstellen, dass gar keine Daten mehr gesammelt werden können. Darauf weisen die Experten der Computerzeitschrift "c`t" (Ausgabe 5/2014) hin. Am simpelsten und radikalsten ist die Lösung, dem Fernseher lediglich Zugriff auf Filme, Musik und Bilder aus dem heimischen Netzwerk zu erlauben, ihn nach außen hin aber komplett abzuschotten.

YouTube, Spotify und Co. sind damit aber nicht mehr erreichbar, dem Smart-TV fehlt also eine praktische Zusatzfunktion. Mit ein wenig Fachwissen ist es jedoch auch möglich, am Router nur bestimmte Aktivitäten zu blockieren und Ausnahmen einzurichten. Ausgewählte Apps funktionieren dann noch - die Spionage wird aber unterbunden.