Oldenburg (dpa) l Oma roch nach Flieder. Und die Pflanze gehörte selbstverständlich in den Bauerngarten. Viele Hobbygärtner entdecken das Gewächs jetzt wieder für ihr Grundstück. Sein Duft ist unverkennbar. Seine Blütenpracht weithin sichtbar, und unzählige Schmetterlinge tummeln sich darin: Der Flieder ist eines der prägnantesten und auffälligsten Gehölze, die im Frühling im Garten blühen.

"Ursprünglich stammt der Flieder aus der Balkanregion", erklärt die Diplom-Biologin Elke Haase aus Oldenburg. "Bereits im 16. Jahrhundert wurde dieses Blütengehölz am Hof von Suleiman, genannt der Prächtige, kultiviert." Von dort aus gelangte der Flieder durch die Politik nach Europa. Der römisch-deutsche König Ferdinand I. (1503-1564) schickte seinen Gesandten Ogier Ghislain de Busbecq (1522-1592) nach Konstantinopel. Er führte Friedensverhandlungen mit dem Herrscher des Osmanischen Reiches. Auf dem Rückweg hatte er Tulpen, Hyazinthen und eben Flieder im Gepäck.

In Europa wurde er schnell beliebt und blühte nicht nur in den Botanischen Gärten. "Der Flieder war schon immer etwas Besonderes", sagt Haase. Er wuchs in Königs- und Zarengärten auf dem ganzen Kontinent. Im Volksmund war die Gattung Syringa daher auch als Spanischer oder Türkischer Holunder bekannt.

Nach und nach gelangte der Flieder auch in die Bauerngärten, und im 19. Jahrhundert verbesserten Züchter in England, Frankreich, Russland und auch Deutschland Blütenreichtum und -größe, Farbintensität und Füllung der Einzelblüten. Mit Erfolg: "In den 1920er Jahren des 20. Jahrhunderts war der Flieder die Luxuspflanze überhaupt", erklärt Haase.

Die Art, die sich am häufigsten in den Gärten findet, ist der Edelflieder (Syringa vulgaris). "Er ist ein absolutes Sonnenkind und verträgt keine Beschattung", erklärt Robert Markley, Geschäftsführer des Verbandes der Gartenbaumschulen. Der Edelflieder wächst optimalerweise in einem nährstoffreichen und kalkhaltigen Boden, ist anpassungsfähig und verträgt Hitze sehr gut. "Letztendlich ist der Edel-Flieder ein anspruchsloser, dankbarer Großstrauch für den Einzelstand und für gemischte Blütenhecken", so Markley.

Vor allem die alten französischen und russischen Sorten erlebten zuletzt ein Comeback. Eine der schönsten Sorten des Edelflieders ist für Haase "Beauty of Moscow" aus dem Jahr 1947. "Die hellrosa Blüten erinnern mit ihrem irisierenden Glanz an Porzellan", schwärmt die Diplom-Biologin von dieser Hybride. Sie empfiehlt daneben die reinweiße und kräftig duftende Sorte "Pamjat o Kolesnikowe". "Die Knospen sitzen wie Perlen an den Rispen", so die Diplom-Biologin. Auch die lilablauen Blüten der Sorte "Blue Skies" und die hellblauen Rispen von "President Lincoln" sind Blickfänger.

Der buschige Königsflieder (Syringa x chinensis "Saugeana") eignet sich besonders gut als Heckenpflanze. Man braucht ihn nur alle zwei bis drei Jahre zu schneiden. In kleine Gärten passt der Zwergflieder Syringa microphylla "Superba". Er ist auch als Herbstflieder bekannt, weil er nach der Hauptblüte im Mai immer wieder neue Blütenknospen treibt.

Der Flieder verträgt einen Schnitt. "Man muss lediglich beachten, dass die Blütenanlagen für das Folgejahr bereits in der Zeit zwischen Ende Juli und Anfang August fertiggestellt sind", sagt Haase. Sie rät davon ab, danach die Triebe einzukürzen. Markley empfiehlt, das Gehölz direkt nach der Blüte zu schneiden, das erhält seine Form.