Auskunft zum Dioxin gaben gestern am Volksstimme-Telefon Dr. Ute Teichmann vom Fachbereich Lebensmittelsicherheit beim Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt und Christa Bergmann vom Referat Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Anja Gildemeister notierte einige Fragen und Antworten.

Frage : Was sind Dioxine und wie gefährlich sind sie ?

Antwort : " Dioxine " ist der Sammelbegriff für eine Gruppe chlor-organischer Verbindungen mit unterschiedlichem Anteil an Chlor. Sie besitzen ähnliche chemische, physikalische und toxikologische Eigenschaften. 17 dieser Verbindungen sind besonders giftig und werden zur Berechnung der Gesamtbelastung eines Dioxin-Gemisches berücksichtigt. Ihre jeweilige Toxizität wird auf das giftigste Dioxin (" Seveso-Dioxin ") bezogen und als Toxizitäts-Equivalent ( TEQ ) angegeben. Dioxine zählen zu den Umweltschadstoffen, die chemisch sehr stabil und gut fettlöslich sind, in der Natur werden sie nur äußerst langsam abgebaut. Das Gefährdungspotential von Dioxinen resultiert vorrangig aus chronischen Wirkungen wie Störung der Reproduktionsfunktion, des Immunsystems, des Nervensystems und des Hormonhaushaltes.

Frage : Wie gelangen Dioxine in die Nahrungskette ?

Antwort : Dioxine wurden außer für analytische Zwecke im Labormaßstab nie gezielt hergestellt, sondern entstehen als unerwünschte Nebenprodukte unter geeigneten Reaktionsbedingungen bei bestimmten industriellen Prozessen ( Metallgewinnung und –verarbeitung ) sowie bei Verbrennungsprozessen, zum Beispiel von Hausund Sondermüll. Landwirtschaftliche Nutztiere nehmen Dioxine vor allem mit Bodenpartikeln oder über am Futter haftende Bodenpartikel auf. Hauptaufnahmequelle für den Menschen sind die Nahrungsmittel, wobei fettreiche Lebensmittel tierischen Ursprungs wie Milch, Fleisch, Eier und Fisch den größten Beitrag liefern.

Frage : Wie konnten Dioxine im aktuellen Fall in Eier und Fleisch gelangen ?

Antwort : Bei eigenbetrieblichen Kontrollen eines Herstellers von Futterfetten in Schleswig-Holstein wurde eine Verunreinigung von pflanzlichem Futterfett mit Dioxinen festgestellt. Technische Fettsäuren mit hohen Dioxingehalten wurden für die Herstellung von Mischfuttermitteln verwendet. Verschiedene Geflügel- und Schweinemastbetriebe, Legehennen-Betriebe sowie Milcherzeugerbetriebe haben diese Futtermittel bezogen und verfüttert.

Frage : Ab welcher Konzentration von Dioxin in Lebensmitteln muss ich mir Sorgen machen ?

Antwort : Für die einzelnen Lebensmittel sind europaweit einheitliche Höchtsgehalte festgelegt, die in sogenannten Toxizitätsäquivalenten angegeben werden ( in Picogramm pro Gramm Fett ). 1 Picogramm ( pg ) ist der billionste Teil eines Grammes – ungefähr wie ein Stück Würfelzucker im Bodensee. Durch die Höchstgehalte soll sichergestellt werden, dass unter Berücksichtigung der Verzehrsmengen die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge von 14 pg pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschritten wird. Die Gehalte an Dioxin-TEQ betragen zum Beispiel für :

• Rindfleisch 3, 0 pg / g Fett,

• Geflügelfleisch 2, 0 pg / g Fett,

• Schweinefleisch 1, 0 pg / g Fett,

• Hühnereier 3, 0 pg / g Fett,

• Milch und Milcherzeugnisse 3, 0 pg / g Fett.

Frage : Welche Symptome treten nach dem Verzehr Dioxin-belasteter Lebensmittel auf ?

Antwort : Von den im aktuellen Fall ermittelten Gehalten an Dioxin sind keine akuten Auswirkungen wie zum Beispiel Durchfall, Erbrechen oder sonstige wahrzunehmende Beeinträchtigungen zu befürchten.

Dioxine sind sehr langlebige Verbindungen. Sie reichern sich im Fettgewebe an und werden so gut wie nicht abgebaut. Als chronische Wirkungen von Dioxinen wurden bei Tierversuchen Störungen der Reproduktionsfunktion, des Immunsystems, des Nervensystems und des Hormonhaushaltes beobachtet. Bei einigen Dioxinen geht man davon aus, dass sie das Risiko, an Krebs zu erkranken, erhöhen können.

Frage : Werden in Sachsen-Anhalt Lebensmittel regelmäßig auf Dioxine untersucht ?

Antwort : Es werden jährlich zirka 70 Lebensmittelproben auf Dioxin untersucht. Im Vordergrund steht dabei die Untersuchung einheimischer Produkte vorrangig aus landwirtschaftlichen Betrieben mit bewirtschafteten Flächen in den Flussauen von Elbe und Mulde. Die Auswahl der Betriebe erfolgt dabei gezielt, wobei möglichst eine parallele Untersuchung von Futtermitteln und Lebensmitteln durchgeführt wird.

Detaillierte Ergebnisse zu den untersuchten Lebensmitteln finden Sie in den Berichten, veröffentlicht unter www.sachsen-anhalt.de/LPSA/index.php?id=dioxin.

Frage : Was wurde im aktuellen Dioxin-Fall in Sachsen-Anhalt unternommen ?

Antwort : Zunächst wurden die Vertriebswege ermittelt. Sämtliche betroffene Futtermittelbetriebe sowie die möglicherweise mit belastetem Futter belieferten landwirtschaftichen Betriebe wurden gesperrt, Lebensmittel- und Futtermittelproben wurden untersucht. Erst nach negativem Untersuchungsergebnis wurden die Betriebe wieder freigegeben.

Frage : Kann man die Dioxinkonzentration seiner Lebensmittel messen lassen ?

Antwort : Die amtliche Lebensmittelüberwachung erfolgt risikobasiert, das heißt, es werden Proben aus genau den Betrieben entnommen, an die möglicherweise dioxinhaltiges Futter geliefert wurde und damit das Risiko einer Dioxinbelastung vermutet wird. Die Laborkapazitäten des Landes zur Untersuchung auf Dioxine werden derzeit auf diese amtlich entnommenen Proben aus den möglicherweise betroffenen Betrieben fokussiert. Aufwand und Kosten für diese Untersuchungen sind sehr hoch. Deswegen ist es derzeit nicht realisierbar, zusätzlich Proben von Verbrauchern in einem angemessenen Zeitrahmen in einem größeren Umfange amtlich zu untersuchen. Eine Reihe von privaten Untersuchungslaboren bietet diese Analysen an, die Kosten liegen bei zirka 500 Euro.

Frage : Wurden in Sachsen-Anhalt kontaminierte Eier in den Verkehr gebracht ?

Antwort : Nach bisherigen Erkenntnissen wurden in Sachsen-Anhalt keine Legehennenbetriebe, die Konsumeier für den Lebensmitteleinzelhandel produzieren, mit den belasteten Futtermitteln beliefert. Es wurden nach derzeitigem Erkenntnisstand auch keine belasteten Eier aus anderen Bundesländern nach Sachsen-Anhalt geliefert.

Frage : Welche Eier sind nicht vom Dioxinskandal betroffen ?

Antwort : Nach heutigem Kenntnisstand wurden nur in Eiern aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erhöhte Dioxin-Werte festgestellt.

Frage : Sind Bio-Eier im Augenblick die bessere Wahl ?

Antwort : Für Bio-Eier gelten die gleichen Grenzwerte wie für Eier aus konventionellen Haltungsformen. Da es sich bei dem gegenwärtigen Geschehen um Futter für konventionelle Hühner- und Schweinehaltungen handelt, sind ökologisch wirtschaftende Betriebe nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht betroffen.

Frage : Kann ich jetzt überhaupt noch bedenkenlos Fleisch und Eier essen ?

Antwort : In Hinblick auf den derzeitigen Dioxin-Skandal gibt es keinen Grund, vollständig auf Fleisch und Eier zu verzichten. Denn die belasteten Lebensmittel wurden zum größten Teil aus dem Verkehr gezogen. Wir raten Ihnen grundsätzlich zu einer abwechslungsreichen Ernährung. Vielleicht nehmen Sie den derzeitigen Lebensmittelskandal zum Anlass, die Herkunft von Eiern und Fleisch zu hinterfragen und sich mehr von Lebensmitteln aus einheimischer Produktion zu ernähren.

Frage : Möglicherweise habe ich Eier mit erhöhten Dioxin-Werten gegessen. Muss ich Gesundheitsschäden befürchten ?

Antwort : Der Verzehr von belasteten Lebensmitteln in diesem Umfang hat nur geringe Auswirkungen auf die bereits bestehende Grundbelastung mit Dioxinen. Erst wesentlich höhere Konzentrationen und wesentlich längere Verzehrszeiträume könnten zu deutlich höheren Belastungen führen. Vor 20 Jahren war die allgemeine Belastung mit Dioxinen etwa dreimal so hoch wie heute. Es gibt keine Hinweise darauf, dass das zu gesundheitlichen Auswirkungen geführt hat.

Frage : Ist Fisch derzeit eine Alternative zu Eiern, Hühnerund Schweinefleisch ?

Antwort : In Hinblick auf Dioxin ist Fisch nicht unbedingt eine Alternative, denn je nach Herkunft, Fettgehalt und Position in der Nahrungskette enthalten auch Fische Dioxin, die Grenzwerte sind sogar höher. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt zum Beispiel, " Dorschleber-in-Öl " -Konserven in der üblichen Portionsgröße von 150 Gramm höchstens etwa alle zwei Monate zu verzehren. Auch wildlebende Flussfische wie Aal können überaus stark mit Dioxinen belastet sein. Auch hier gilt : Alles in Maßen und die Mischung macht ‘ s.

Frage : Ich füttere meine zehn Hühner mit Mischfutter. Muss ich befürchten, dass in dem Futter erhöhte Dioxin-Mengen enthalten sind ?

Antwort : Das ist nicht ganz auszuschließen, erkundigen Sie sich bei Ihrer Bezugsquelle nach Herkunft und Zusammensetzung des Futters.