Sachsen-Anhalt ist das Land der Frühaufsteher. Doch jeden vierten Bürger plagen Schlafstörungen, so eine aktuelle Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts. Über die Ursachen, die Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen informierten gestern Ärzte beim Medizinischen Sonntag – einer Gemeinschaftsveranstaltung des Universitätsklinikums Magdeburg, der Urania und der Volksstimme.

Magdeburg. Schlaf ist überlebenswichtig. Ein zu kurzer oder gestörter Nachtschlaf kann die Leistungsfähigkeit am darauffolgenden Tag einschränken und die Unfallgefahr erhöhen. Es gibt sogar ernstzunehmende medizinische Hinweise darauf, dass Schlafstörungen zahlreiche Krankheiten ungünstig beeinflussen und vielleicht sogar mitverursachen – dazu zählen beispielsweise Herz-Kreislauf-Leiden, Übergewicht und Depressionen. Über vier Wochen anhaltende Schlafstörungen sollten daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sollten so diagnostiziert und entsprechend behandelt werden, mahnte Dr. Gerald Bauer, leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie und Schlafmedizin am SALUS-Fachklinikum Uchtspringe.

Nicht selten ist es der berufliche und familiäre Stress, der Menschen den Schlaf raubt. Intensive körperliche oder geistige Tätigkeit unmittelbar vor dem Schlafengehen kann die Phase des Einschlafens deutlich verzögern. Ebenso störend wirkt sich eine schwere Abendmahlzeit, verbunden mit viel Alkohol, Kaffee und Rauchen auf die Nachtruhe aus. Schmerzen oder nächtliche Toilettengänge wegen Blasenfunktions- oder Prostataveränderungen sind insbesondere bei älteren Menschen häufig.

" Die üblichen Schlaftabletten aus der Apotheke sollten nur eine vorübergehende Lösung sein ", rät Dr. Bauer. Andernfalls gewöhnt sich der Körper daran und benötigt sie in immer höherer Dosierung, um Wirkung zu erzielen. Das gilt insbesondere für Schlafmedikamente, deren Wirkung auf sogenannten Benzodiazepinen basieren. Die Mediziner raten, lieber mit dem Arzt über Schlafprobleme zu sprechen.

Manchmal erfordert die Ermittlung der Ursache einer Schlafstörung eine Untersuchung im Schlaflabor. Dabei werden während der Nachtruhe eine Reihe von Körperfunktionen aufgezeichnet, die für die Qualität des Schlafes aussagekräftig sind. Zu den überwachten Körperfunktionen zählen beispielsweise Hirnströme, die Sauerstoffsättigung des Blutes, die Herztätigkeit, Augenbewegungen, die Aktivität der Beinmuskeln und Geräusche bei Schnarchern.

Eine vor allem bei übergewichtigen Männern häufige Ursache von Schlafstörungen ist die sogenannte Schlafapnoe. " Dabei handelt es sich um zeitweilige, nächtliche Atemaussetzer, die mit einem erhöhten Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Schlaganfall einhergehen ", so Dr. Lukas Hundack, Oberarzt im Fachbereich Pneumologie des Uniklinikums Magdeburg. Bis zu acht Millionen Menschen in Deutschland sind schätzungsweise an der Schlafapnoe erkrankt – viele davon wissen es nicht. Sie fühlen sich jedoch tagsüber unausgeschlafen. Begünstigt wird die Erkrankung durch Übergewicht und anatomische Veränderungen im Rachenraum. Dr. Hundack informierte ausführlich über die Behandlungsmöglichkeiten dieser Schlafstörung.

Viele Schlafstörungen werden auch durch unwillkürliche Beinbewegungen im Bett ausgelöst. Die Mediziner sprechen dann von ruhelosen Beinen – dem sogenannten Restless-Legs-Syndrom. Typisch dafür ist ein ausgeprägtes Gefühl der Unruhe vom Knie abwärts, das vor allem abends und in der Nacht auftritt. Die Betroffenen können sich meist nur dadurch helfen, dass sie aus dem Bett aufstehen und ein paar Schritte laufen. Die Ursachen sind wissenschaftlich noch nicht ausreichend geklärt, so Dr. Gerald Bauer. Eine wichtige Rolle spielt offenbar ein gestörter Stoffwechsel des Botenstoffs Dopamin. Daran setzen seit wenigen Jahren medikamentöse Therapien an. " Eine langfristig stabile Behandlung ist meist mit einer niedrigen Dosis zu erreichen ", so Dr. Bauer. Die Medikamente bekämpfen jedoch nur die Symptome und nicht die Krankheit.

Generell sind auch ein Entspannungstraining ( zum Beispiel progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training ) einem gesunden Schlaf förderlich. Niedrig dosierte Antidepressiva oder sogenannte Melatonin-Agonisten können sich ebenso schlaffördernd auswirken und machten zudem nicht abhängig.

Günstig auf eine gesunde Nachtruhe, so die Referenten, wirken sich zudem eine regelmäßige Bettzeit, Entspannung in den Abendstunden und günstige Schlafbedingungen – ein gut gelüfteter Raum sowie Matratzen, die ein entspanntes Liegen ermöglichen.