Schätzungsweise rund 15 Millionen Menschen in Deutschland haben Probleme mit der Schilddrüse. Jährlich werden rund 120 000 Patienten operiert, weil die Schilddrüse krankhaft vergrößert ist oder weil sich darin " Knoten " gebildet haben. Immer öfter geschieht das minimal-invasiv – unter Nutzung der Schlüssellochchirurgie.

Von Uwe Seidenfaden

Magdeburg. Leichte Reizbarkeit, innere Unruhe oder Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, überhöhte Cholesterinwerte und Herzrasen. All das und vieles mehr kann Folge von Funktionsstörungen der Schilddrüse sein. Vor allem Jodmangel in der Nahrung ist der Grund dafür, dass sie bei manchen Menschen deutlich vergrößert ist oder kleine Gewebsveränderungen – sogenannte Knoten – aufweist.

Es gibt prinzipiell drei Möglichkeiten, eine kranke Schilddrüse zu behandeln :

. Medikamente : Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse werden Hormone und Jodid eingenommen. Bei einer Überfunktion kommen Hormonhemmer, sogenannte Thyreostatika, zum Einsatz.

. Radiojodtherapie : ( bei Überfunktion oder als Nachbehandlung nach Krebsoperation ) : Der Patient schluckt eine Kapsel, die radioaktives Jod enthält. Es sammelt sich in der Drüse und zerstört das überaktive Gewebe oder das restliche Krebsgewebe.

. Operation : In früheren Jahren wurde ausschließlich ein offener, über viele Zentimeter langer Schnitt am Hals durchgeführt. Die Folge ist eine unübersehbare Narbe am Hals. " Manchmal lässt sich das auch heute nicht vermeiden ", sagt Dr. Roger Kuhn, Oberarzt an der Chirurgischen Uniklinik. Notwendig ist ein großer offener Schnitt zum Beispiel bei bösartigen Veränderungen des Schilddrüsengewebes ( Tumor ). " Bei einer leicht vergrößerten Schilddrüse oder einzelnen kalten oder heißen Knoten wird heute fast immer mikrochirurgisch gearbeitet ", so Dr. Kuhn. An der Chirurgischen Uniklinik Magdeburg operieren die Ärzte mit Hilfe einer Mini-Kamera, die etwa so groß wie der kleine Fingernagel ist. Sie orientieren sich am Kamerabild, das vergrößert auf einen Computerbildschirm übertragen wird. Das zu entfernende Gewebe wird über einen etwa zwei Zentimeter kleinen Schnitt im unteren Halsbereich geborgen.

Ohne einen Schnitt am Hals kommt eine minimal-invasive Technik aus, bei der sich die Chirurgen den Zugang zur Schilddrüse am Rand der Brustwarzen oder unter der Achselhöhle verschaffen. " Diese Technik wird insbesondere bei Frauen angewendet, die mehr Brustgewebe als Männer haben ", so Privatdozent Dr. Karsten Ridwelski, Chefarzt an der Klinik für Allgemeinund Viszeralchirurgie des Klinikums Magdeburg. Eine generelle Altersbeschränkung für die minimal-invasiven Schilddrüsen-Operationen gibt es nicht. Entscheidend sind die individuellen gesundheitlichen Voraussetzungen des Patienten und die Größe des Schilddrüsenbefundes.

Um Stimmbandverletzungen zu vermeiden, wird das sogenannte intraoperative Neuromonitoring angewendet. Dazu wird während der OP die elektrische Aktivität des Nerven abgeleitet und die Funktion so sicher geprüft. Heutzutage wird das intraoperative Monitoring in vielen Kliniken standardmäßig durchgeführt.

" Je nach Lage der Schilddrüsenknoten ist durchaus auch eine Operation in lokaler Narkose möglich ", so Dr. Kuhn. Das ist jedoch immer im Einzellfall zu entscheiden.

Eine vorübergehende Heiserkeit ist auch mit den schonendsten Verfahren nicht immer zu vermeiden. Der Statistik zufolge betrifft das etwa ein bis drei Prozent der Operierten – völlig unabhängig von der Art des Operationsverfahrens. Im Regelfall lässt die Heiserkeit spätestens fünf Wochen nach dem Eingriff nach. Sprachtherapeutische ( Logopädische ) Behandlungen sollten unterstützend dann erfolgen.