Wer schlecht sehen kann, lebt gefährlich. Jedes Jahr sind zahlreiche Unfälle im Haushalt, im Beruf und im Straßenverkehr auf Fehlsichtigkeiten zurückzuführen. Über verschiedene Sehstörungen und deren Behandlungsmöglichkeiten informierten Augenärzte gestern auf dem Medizinischen Sonntag.

Magdeburg. Irgendwann betrifft es jeden. Der Arm kann gar nicht lang genug sein, um die kleinen Buchstaben in der Zeitung zu erkennen. Der häufigste Grund : Altersweitsichtigkeit. Sie entsteht, wenn die Krümmungsfähigkeit der Augenlinse nachlässt. " Dadurch werden die einfallenden Lichtstrahlen beim Nahsehen nicht mehr exakt auf die Netzhaut gebündelt", so Dr. Christian Vorwerk, Oberarzt an der Universitätsaugenklinik. Beim Betrachten naher Gegenstände entsteht ein unscharfes Bild.

Altersweitsichtigkeit ist genauso wie die Schrumpelfalten der Haut genetisch vorprogrammiert. Manchmal sind jedoch auch jüngere Menschen schon weitsichtig. Dann liegt es meist daran, dass der Augapfel zu kurz ist. In beiden Fällen lässt sich die Fehlsichtigkeit einfach mit einer Leseoder Lupenbrille oder mit einer Kontaktlinse korrigieren.

Brillen und Kontaktlinsen können ebenso bei einer Staboder Kurzsichtigkeit helfen. Die Stabsichtigkeit ist Folge einer fehlerhaften Form der Hornhaut, wie Dr. Vorwerk mit Hilfe eines Handballs und eine Rugbyballs eindrücklich demonstrierte.

Von Kurzsichtigkeit betroffenen Menschen sehen weiter entfernte Gegenstände nur noch unscharf. Sie erkennen die Nummer des ankommenden Busses erst dann, wenn er bereits vor ihnen steht.

" Bevor der Optiker die richtige Brille anpassen kann, sollte ein Arzt einen Blick in die Augen werfen ", rät Dr. Vorwerk. Fehlsichtigkeiten können nämlich auch andere Ursachen haben, zum Beispiel eine Schädigung des Sehnerven ( Grüner Star ), das Absterben der Sehzellen in der äußeren Netzhaut ( Retinitis pigmentosa ), Schädigungen an der Stelle des schärfsten Sehens ( Maculadegeneration ) oder Folge einer Zuckerkrankheit ( diabetische Retinopathie ) sein.

Über verschiedene Formen und Ursachen des Schielens informierte Dr. Synke Meltendorf. Bei Kindern ist ein frühzeitiger Ausgleich dieses Sehfehlers wichtig. Wenn ein Kind schielt oder wenn die Brechkraft beider Augen sehr unterschiedlich ist, wird sich nämlich das Gehirn, das die Seheindrücke verarbeitet, daran gewöhnen. Es droht dann eine einseitige Sehschwäche, die in späteren Lebensjahren nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Wer erst im Jugend- oder Erwachsenenalter zu schielen beginnt bzw. unerwartet Doppelbilder sieht, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Hinter den Symptomen können ernsthafte Erkrankungen stehen.

Neben Brille, Kontaktlinse und elektronischen Vorlesehilfen gibt es auch operative Möglichkeiten, die Kurz- und Weitsichtigkeiten zu korrigieren. Bei geringen Kurzsichtigkeiten kommt z. B. die " photorefraktive Keratektomie " ( PRK ) in Betracht. Dabei wird die dünne Hornhaut mikrochirurgisch etwas abgeflacht. Zur Behandlung stärkerer Kurzsichtigkeiten eignen sich Laser-Methoden. Alternativ gibt es für Menschen mit starker Kurzsichtigkeit die Möglichkeit, sich eine künstliche Linse ins Auge einsetzen zu lassen. Auf diese Weise lassen sich auch starke Kurzsichtigkeiten korrigieren. " Ein Vorteil der implantierbaren Linsen gegenüber den Laser-Therapien ist, dass sich die Veränderung wieder rückgängig machen lässt ", so der Augenarzt. Demgegenüber steht ein erhöhtes Operationsrisiko, weil für den Einsatz der Linse das Auge operativ eröffnet werden muss.

Besucher des " Medizinischen Sonntags " die gehofft hatten, Tipps zur Vorbeugung von Kurz- oder Weitsichtigkeit von den Ärzten zu erfahren, wurden leider enttäuscht. Weder für die Weitsichtigkeit noch für die Stab- und Kurzsichtigkeit sind Wege zur Vorbeugung bekannt.