• Landesweit veranstalten die Zahnärzte derzeit eine Parodontitis-Vorsorgewoche. Heute von 15 bis 17 Uhr besteht die Möglichkeit, das individuelle Parodontitis-Risiko im Reichenbach institut der Zahnärztekammer in Magdeburg ermitteln zu lassen ( Große Diesdorfer Straße 162, am Westfriedhof ).

  • Diese Untersuchung ist grundsätzlich in jeder Zahnarztpraxis möglich, wird von den gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre bezahlt, es fällt keine Krankenkassengebühr an.

  • Um die Volkskrankheiten Gingivitis und Parodontitis, an denen Untersuchungen zufolge jeder zweite erwachsene Bundesbürger leidet, ging es gestern beim Telefonforum. Die Zahnärzte Dr. Dirk Wagner aus Magdeburg und Maik Pietsch aus Wittenberg beantworteten Fragen der Leser zu Entstehung, Therapien und möglichen Vorbeugemaßnahmen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

    Frage : Deutet ein geringes Bluten beim Zähneputzen schon auf eine Parodontitis hin ?

    Antwort : Entzündungen an Zahnfleisch und Zahnhalteapparat verlaufen für den Patienten anfangs meist schmerzlos. Darum werden häufig erste Warnzeichen wie Zahnfleischbluten oder Schwellungen des Zahnf eisches kaum beachtet, wodurch es unbemerkt zu Zahnfleischtaschen und Abbau des Kieferknochens kommen kann. Tritt die von Bakterien, die am Zahnfeischrand oder in den Zahnzwischenräumen einen Biofilm bilden, verursachte Erkrankung in ihrer leichten Form und nur oberflächlich auf, sprechen wir Zahnärzte von einer Gingivitis. Sie ist erkennbar an gerötetem Zahnfleisch, sichtbarer Schwellung und rascher Blutungsneigung beim Kauen oder Zähneputzen. Sie sollten also auch bei nur gelegentlichem Zahnfleischbluten die Ursache abklären lassen. Denn wenn die Entzündung bis zum Kieferknochen vordringt, handelt es sich um Parodontitis. Unbehandelt wird dadurch viel Gewebe rund um die Zähne zerstört, sie haben dann keinen Halt mehr und fallen aus.

    Frage : Ich bin Diabetikerin. Wegen dieser Krankheit wurde mir empfohlen, beim Zahnarzt mein Parodontitisrisiko testen zu lassen. Was hat das eine mit dem anderen zu tun ?

    Antwort : Sie müssen sich vorstellen, dass eine chronische Entzündung des ganzen Zahnfleischs einer offenen Wunde in der Größe einer Handfläche entspricht. Dadurch können unzählige Erreger und Krankheitskeime in den Blutkreislauf und damit in den ganzen Körper gelangen. Eine unbehandelte Parodontitis bedeutet also immer auch eine gesundheitliche Gefahr für den ganzen Organismus. Bei Diabetes kann die Entzündung im Mund Studien zufolge die Einstellung des Blutzuckerspiegels erschweren. Heute weiß man auch, dass Parodontitis Arteriosklerose verschlimmern, das Risiko für koronare Herzerkrankungen erhöhen und bei Schwangeren zu Fehlgeburten führen kann.

    Frage : Mein Vater hat schon mit jungen Jahren etliche Zähne durch Parodontitis verloren. Ist das vererbbar ?

    Antwort : Ausschließlich erblich bedingt ist eine Erkrankung an Parodontitis sicher nicht. Allerdings lassen sich genetische Funktionsstörungen hinsichtlich der individuellen körperlichen Abwehrkräfte nicht ausschließen, was Schwere und Verlauf der Erkrankungen des Zahnhalteapparates negativ beeinflussen kann. Die genetisch vorgegebene Abwehrkraft lässt sich derzeit noch nicht nachhaltig verbessern. Durch eine intensive und gründliche Mundhygiene und die regelmäßige Betreuung durch das zahnärztliche Praxisteam aber können das Erkrankungsrisiko verringert und die Folgen einer bereits dia gnostizierten Parodontitis eingedämmt werden. Auch Rauchen bedeutet ein erhöhtes Risiko für Parodontalerkrankungen.

    Frage : Lässt sich diese Mundkrankheit vermeiden ?

    Antwort : Grundsätzlich gilt : Die tägliche und gründliche häusliche Mundhygiene mit Zahnbürste und mit Zahnseide und Interdentalbürstchen für die Zahnzwischenräume ist ein wichtiger Faktor der Parodontitisprophylaxe. Das reicht allein aber nicht aus. Der Zahnarzt erkennt Entzündungszeichen am Zahnfleisch und Zahnhalteapparat schon im Frühstadium. Darum sollte auch ohne Beschwerden nicht auf den halbjährlichen Kontrollbesuch in der Praxis verzichtet werden, denn je früher Gingivitis oder Parodontitis diagnostiziert werden, um so effektiver lässt sich dagegen vorgehen.

    Frage : Ich habe gehört, dass Parodontitis nicht heilbar ist. Stimmt das ?

    Antwort : Eine völlige Heilung ist tatsächlich nicht möglich, denn Parodontitis verläuft chronisch. Doch gibt es Möglichkeiten, die Krankheit einzudämmen und damit möglichst viele Zähne zu erhalten. Dafür ist jedoch eine lebenslange Betreuung nötig.

    Frage : Wie kann man eine Entzündung des Zahnhalteapparates nachweisen ?

    Antwort : Dafür bedient sich der Zahnarzt des sogenannten Parodontalen Screening Indexes PSI. Dabei wird mit einer speziellen Sonde das Risiko einer parodontalen Erkrankung ermittelt. Diese völlig schmerzfreie Früherkennungs-Untersuchung ist eine Vorsorgeleistung, deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre übernommen werden. Besteht Behandlungsbedarf, wird nach einer Vorbehandlung der eigentliche Parodontalbefund durch Messen der Taschentiefen erhoben. Zusätzlich lassen sich durch mikrobiologische Bestimmung der Taschenbakterien aggressive Verlaufsformen besser diagnostizieren.

    Frage : Wie wird eine Entzündung des Zahnfleisches behandelt ?

    Antwort : Bei der Behandlung von Parodontitis geht es in erster Linie um einen entzündungsfreien Zustand des Gewebes rund um die Zahnwurzel, damit der Abbau von Zahnfeisch und Knochen gebremst wird. Eine professionelle Zahnreinigung, die jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, sollte jeder Parodontitistherapie vorangehen. Dadurch kann der Entzündungsgrad meist schon deutlich reduziert werden. Eine Intensivreinigung der Zahnfleischtaschen unter lokaler Betäubung wäre der nächste Behandlungsschritt. Bei Zähnen mit stark fortgeschrittener Parodontitis oder sehr tiefen Taschen ist ein chirurgisches Vorgehen sinnvoll, wobei das erkrankte Gewebe entfernt wird. In einigen Fällen kann eine antibakterielle Behandlung notwendig sein.

    Frage : Mein Mann soll nach einer Paro-Behandlung mehrmals im Jahr zur Nachsorge in der Zahnarztpraxis erscheinen. Das kostet uns jedes Mal Geld. Ist das wirklich nötig ?

    Antwort : Neben der individuellen Mundhygiene ist tatsächlich die regelmäßige Nachbehandlung nötig, um einen Behandlungserfolg langfristig zu sichern und möglichst vielen Zähnen im Mund weiter Halt zu bieten. Im Rahmen der Nachsorge werden Zähne und Zahnf eisch kontrolliert, Problemstellen frühzeitig erkannt und durch professionelle Zahnreinigung ein weiteres Fortschreiten der Entzündung gehemmt. Abhängig vom Erkrankungsrisiko, können zwei bis vier Termine im Jahr notwendig sein, um langfristig die Mundgesundheit zu erhalten. Diese Erhaltungstherapie wird nicht von allen gesetzlichen Krankenkassen in vollem Umfang bezahlt, häufig müssen Patienten für die Kosten allein aufkommen.

    Frage : Ich habe unter meiner Prothese häufig Druckstellen. Wie können solche Entzündungen behandelt werden ?

    Antwort : Um Parodontitis kann es sich bei Trägern einer Vollprothese nicht handeln, denn Entzündungen am Zahnhalteapparat setzen immer das Vorhandensein von Zähnen voraus. In Ihrem Fall sollten Sie beim Zahnarzt die Ursachen der Druckstellen abklären lassen. In den meisten Fällen hilft eine geringfügige Korrektur der Prothese.