Auskunft zu den Auswirkungen der Finanzkrise auf Verbraucher gaben gestern am Volksstimme-Telefon Sven Kretzschmar von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, Jean Reboné, Wertpapierspezialist der Commerzbank Magdeburg und Anlageberater Arthur Papke, Mitinhaber des Magdeburger Finanzdienstleisters Tübke, Papke & Partner. Anja Hintze notierte Fragen und Antworten.

Frage: Wie ist mein Geld auf der Bank abgesichert?

Antwort: Der sogenannte Einlagensicherungsfonds sichert 90 Prozent der Einlagen eines Sparers pro Bank, höchstens aber 20 000 Euro. Darüber hinaus gibt es die freiwilligen Sicherungsmittel der Institute, die dem Anleger im Notfall den Teil des Geldes ersetzen, der vom Einlagensicherungsfonds nicht gedeckt ist. Damit sind alle Anlagen der Normalsparer gesichert.

Frage: Ich bin Kunde einer Privatbank. Wo erfahre ich, wie hoch mein Geld dort geschützt ist?

Antwort: Wie hoch Ihre Einlagen bei einer privaten Bank geschützt sind, können Sie im Internet unter www.bankenverband.de/einlagensicherung abfragen oder postalisch beim Bundesverband deutscher Banken, Einlagensicherung, Postfach 0400307, 10062 Berlin.

Frage: Welche Einlagen schützt der Einlagensicherungsfonds?

Antwort: Der Einlagensicherungsfonds schützt alle "Nichtbankeneinlagen", also die Guthaben von Privatpersonen, Unternehmen und öffentlichen Stellen. Geschützt werden die Sicht-, Termin- und Spareinlagen sowie auf Namen lautende Sparbriefe. Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat, wie Inhaberschuldverschreibungen, werden nicht erfasst.

Frage: Soll man jetzt Aktien kaufen?

Antwort: Niemand weiß, wie lange die Unsicherheit an den Finanzmärkten anhält. Wer jetzt Aktien kauft, kann zwar langfristig davon profi tieren, denn unsichere Zeiten waren in der Vergangenheit oft günstige Einstiegsmöglichkeiten. Aber es gibt natürlich keine Garantie dafür, und Sie brauchen Geduld. Legen Sie nur solches Geld in Aktien an, das Sie in den nächsten fünf Jahren nicht brauchen. Achten Sie auf die Qualität der Aktien. Neben dieser langfristigen Anlage sollten Sie Ihr Vermögen aufteilen in kurzfristige Anlageformen wie Termingeld und mittelfristige Anlagen wie festverzinsliche Wertpapiere oder Immobilienfonds. Frei nach dem US-Ö konom und Nobelpreisträger Harry Markowitz : Legen Sie niemals alle Eier in einen Korb.

Frage: Mein Geld liegt bei einer schwedischen Bank in Deutschland. Sind ausländische Geldinstitute dem Sicherungssystem angeschlossen?

Antwort: Ausländische Banken mit Filialen in Deutschland sind dem Sicherungssystem angeschlossen.

Frage: Ich habe einen Kredit bei der Fortisbank. Muss ich im Rahmen der Verstaatlichung mit Änderungen rechnen?

Antwort : Die Fortisbank, ein niederländisch-belgisches

Bankhaus, wurde aufgrund von Liquiditätsproblemen verstaatlicht. An Ihrem Kreditvertrag ändert das nichts.

Frage: Soll ich in Anbetracht der Bankenkrise meinen Aktienfonds verkaufen?

Antwort: Wenn Sie das Geld innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre nicht benötigen, raten wir Ihnen, den Fonds zu behalten, bis die Kurse sich erholt haben.

Frage: Was geschieht mit meinem Fonds, wenn die Fondsgesellschaft pleite geht?

Antwort: Aktien und Investmentfonds gehören nicht zur Konkursmasse einer Bank. Sie werden nur von der Bank verwaltet, bleiben aber als so genanntes Sondervermögen Eigentum des Kunden. Im Insolvenzfall können Sie die Wertpapiere schriftlich von Ihrer Bank einfordern oder Ihr Depot auf ein anderes Institut übertragen lassen.

Frage: Ich habe sämtliche Ersparnisse bei einer Bank. Ist das sinnvoll?

Antwort: Sofern Sie Ihr Geld breit gestreut, also in kurz-, mittel- und langfristige Anlageformen angelegt haben, können Sie beruhigt bei einem Geldinstitut bleiben.

Frage: Wie sicher sind Zertifikate?

Antwort: Geht die Bank, die das Zertifikat ausgegeben hat, pleite, ist das Geld der Anleger Teil der Konkursmasse und womöglich für immer verloren. Deshalb sollte man beim Zertifikatekauf wie auch bei den Zertifikaten im eigenen Wertpapierdepot die Bonität des Emittenten genau prüfen. Der Deutsche Derivate Verband will im Internet künftig besser über die Bonität der Zertifikate informieren (www.derivativesgroup.com).

Frage: Ich habe Bundeswertpapiere gekauft. Die galten bisher als hundertprozentig sicher. Gilt das auch in Hinblick auf die internationale Finanzkrise?

Antwort: Wer Bundeswertpapiere kauft, leiht dem Staat Geld und bekommt dafür feste Zinsen. Die Papiere gelten deshalb als hundertprozentig sicher, schließlich kann der Staat nicht pleite gehen. Es gibt deshalb für Bundeswertpapiere auch keine Einlagensicherung.

Frage: Werden Inhaberschuldverschreibungen durch den Sicherungsfonds geschützt?

Antwort: Inhaberschuldverschreibungen werden nicht geschützt. Hingegen unterliegen Schuldscheine, die von einer deutschen Bank emittiert werden, als Schuldscheindarlehen grundsätzlich dem Schutzumfang des Einlagensicherungsfonds, sofern sie auf den Namen eines Kunden lauten.

Frage: Sollte ich in Anbetracht der Finanzkrise mein Portfolio durchforsten?

Antwort: Unabhängig von Finanzkrisen, sondern in Abhängigkeit von Ihrer persönlichen Situation und Ihren Zielen, sollten Sie Ihre Vermögenswerte wie zum Beispiel Geldanlagen, Immobilien, Wertpapiere, Renten- und Kapitallebensversicherungen, Beteiligungen sowie Riskikoabsicherungen überprüfen. Auf veränderte Lebensverhältnisse können Sie so am besten reagieren. Grundsätzlich sollten Sie nur Anlagen abschließen, die Sie auch verstehen.

Frage: Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf Lebens- und Rentenversicherungen?

Antwort: Man unterscheidet zwischen herkömmlichen und fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen.

Bei den herkömmlichen Lebensversicherungen spielt die Finanzkrise nur eine sehr geringe Rolle. Es könnte passieren, dass die Rendite bei Ablauf dieser Versicherung etwas geringer ist. Alle Versicherungen sind zwar mit einem Garantiezins ausgestattet, Überschüsse variieren aber bei den einzelnen Gesellschaften.

Bei fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen wird das Kapital in Fonds und Aktienanlagen angelegt. Die Fondsanlagen unterliegen natürlich den Marktschwankungen. Somit kann es jetzt ratsam sein, die Laufzeit der jetzt auslaufenden Versicherungen zu verlängern, bis die Börse sich erholt hat.