Rückenprobleme zählen zu den häufigsten Ursachen von Arbeitsausfällen und Anträgen auf vorzeitigen Ruhestand. Über verschiedene Therapien und Möglichkeiten der Prävention informierten sich viele Leser bei den Orthopäden Dr. Jörg Franke und Ulricke Winkelmann sowie dem Regionalgeschäftsführer der Barmer, Thomas Wagener. Uwe Seidenfaden notierte einige Fragen und Antworten.

Frage : Mein Mann ( 66 Jahre ) hat seit drei Tagen starke Rükkenschmerzen. Er kann kaum gehen. Kann es ein Bandscheibenvorfall sein ?

Antwort : OhneUntersuchung lässt sich das nicht beurteilen. Rückenschmerzen können viele Ursachen haben. Dazu zählen Bandscheibenvorfällen und -vorwölbungen, Muskelverspannungen, Entzündungen an den Wirbelgelenken und manchmal auch ein Tumor. Im höheren Alter sind die Ursache oftmals Verschleißerscheinungen. Die Bandscheiben, die als elastische Pufferkissen zwischen den Wirbelkörpern liegenden werden porös und dünner, so dass die Knochen der Wirbelgelenke aufeinander reiben können. Das kann sehr schmerzhaft sein.

Frage : Ist bei einem Bandscheibenschaden eine Operation ratsam ?

Antwort : Das hängt von Ausmaß des Schadens und der Beschwerden ab. Der Mehrzahl der Menschen mit schmerzhaften Bandscheibenschäden hilft eine konservative Therapie. Dazu zählen u. a. die Stufenlagerung der Beine, Wärmeanwendungen ( Heizkissen, Bäder ), Einreibungen mit Schmerzmitteln und eine krankengymnastische Behandlung zur Stärkung der Muskulatur.

Wenn die Schmerzen sich nach einigen Wochen nicht bessern, sind andere Maßnahmen zu erwägen ( z. B. Injektions-Techniken ). Eine Operation ist ratsam, wenn es durch Bandscheibenschäden zu Lähmungen in den Beinen oder von Darm und Blase kommt.

Frage : Was ist der Unterschied zwischen mikrochirurgischen Behandlungsverfahren und Laserbehandlungen der Bandscheibe ?

Antwort : Es gibt eine Vielzahl von Behandlungsverfahren bei Bandscheibenproblemen. Ihr Einsatz ist u. a. abhängig von Ort und Größe des Bandscheibenschadens. Bei einem mikrochirurgischen Eingriff wird die kranke Bandscheibe unter mikroskopischer Sicht durch den Wirbelkanal hindurch entfernt. Bei Laserverfahren wird ein Teil der Bandscheibe entfernt, ohne dass der Chirurg dabei eine direkte Sicht hat. Somit ist diese Methode nur für kleinere Vorwölbungen zu empfehlen.

Frage : Mein Mann leidet unter Rückenschmerzen. Er kann nur stark nach vorn gebeugt kurze Strecken gehen. Sein Arzt diagnostizierte eine Spondylarthrose. Er rät zur Versteifung der den Schmerz verursachenden Wirbelkörper. Wird dadurch seine Beweglichkeit eingeschränkt ?

Antwort : Bei einer Spondylarthrose handelt es sich um eine Erkrankung der kleinen Wirbelgelenke, die im Alter sehr häufig ist. Auf Grund der Abnutzung bilden sich Randzacken und Spangen, die zu schmerzhaften Nervenreizungen führen können. In diesen Fällen kann eine Überbrükkung des geschwächten Wirbelsäulensegments durch ein starres Gestänge aus Titan gegen die Schmerzen helfen. Zwar geht die Flexibilität in diesem Abschnitt verloren, doch die vorher durch ihre Beschwerden schwer beeinträchtigten Patienten können sich wieder einigermaßen bewegen. Die Wirbelsäule erhält wieder ihre Stabilität. Der Verlust der Gesamtbeweglichkeit bei Versteifung nur eines Wirbelgelenkes ist sehr gering.

Frage : Was ist von künstlichen Bandscheiben zu halten ?

Antwort : Durch eine künstliche Bandscheibe kann die Mobilität der Wirbelsäule erhalten werden. Allerdings profitieren nicht alle Patienten davon. Bei älteren Patienten mit schlechter Knochengrundsubstanz ( z. B. Osteoporose ) wird diese Behandlungsmethode nicht empfohlen. Auch Patienten, bei denen Teile der Wirbelsäule, zum Beispiel die kleinen Wirbelgelenke, schon stark abgenutzt sind, profitieren nicht von künstlichen Bandscheiben. Bei diesen Patienten ist eine Versteifung sinnvoller.

Frage : Was ist vorbeugend gegen Rückenschmerzen zu tun ?

Antwort : Als Folge des aufrechten Gangs ist die menschliche Wirbelsäule höheren Belastungen ausgesetzt, als die eines Vierbeiners. Mit zunehmendem Alter des Menschen werden wahrscheinlich immer Rückenschmerzen auftreten.

Ganz generell ist eine gleichmäßige Stärkung der Rückenmuskulatur beginnend im Jugendalter zu empfehlen. Dazu gehören sportliche Betätigungen wie Schwimmen, Wandern und gymnastische Dehnungsübungen. So genanntes dynamische Sitzen, d. h. regelmäßiges Wechseln der Sitzposition am Arbeitsplatz, trägt ebenfalls zur Entlastung der Bandscheiben bei.

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten seit einigen Jahren Rückenschulen an. Dort kann man wirbelsäulenfreundliches Verhalten lernen.

Wer bereits ein Rückenproblem hat, sollte mit dem Arzt besprechen, ob er an so einem Kurs teilnehmen darf. Im Einzelfall kann eine krankengymnastische Behandlung sinnvoller sein.

Frage : Durch einem Arbeitsunfall ist meine Lendenwirbelsäule geschädigt. Ich muss Schmerzmedikamente nehmen, die bei mir Übelkeit hervorrufen. Gibt es Alternativen ?

Antwort : Nebenwirkungen wie Schwindel und Übelkeit können bei der Einnahme starker Schmerzmittel auftreten. Die Nebenwirkungen können allerdings durch Einnahme von Medikamenten gelindert werden, die Ihr Arzt Ihnen verschreiben kann.

Frage : Wie groß ist das Risiko, dass man nach einem chirurgischen Eingriff an der Wirbelsäule nur noch im Rollstuhl sitzen kann ?

Antwort : Das Risiko einer Querschnittslähmung nach einer Operation an der Wirbelsäule ist sehr gering. Es kann jedoch zu Gefühlsstörungen und leichteren Lähmungen zum Beispiel in den Beinen kommen, die meist wieder verschwinden.

Frage : Kann das Schlafen auf einem Schaffell Rückenbeschwerden durch Bandscheibenschäden lindern ?

Antwort : Es gibt einzelne Berichte, dass das Schlafen auf einem Schaffell entzündlich bedingte Rückenschmerzen lindern kann. Ernsthafte wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es nicht. Bei einem größeren Bandscheibenvorfall hilft diese Therapie wahrscheinlich nicht.