Quedlinburg/Berlin (dpa) l Mit einer Qualitätsoffensive wollen Bund und Länder die Kindertagesbetreuung deutlich verbessern und den Erzieherberuf aufwerten. Geld müsse nicht für einen Zuwachs an Krippen- und Kita-Plätzen ausgegeben werden, sondern auch für "mehr Fachkräfte, die Gebührenfreiheit, starke Kita-Leitungen oder eine weiterentwickelte Kindertagespflege", erklärte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) am Freitag in Berlin.

Jedes Bundesland könne aus einer Palette von Qualitätsmaßnahmen "die für sich geeigneten auswählen, die mit Bundesmittel finanziert werden sollen". Dazu schließe der Bund mit allen Ländern individuelle Zielvereinbarungen. Die Bundesmittel müssten zusätzlich eingesetzt werden, sie dürften also Landesmittel nicht ersetzen, betonte Schwesig. Um Vereinbarungen und Gesetz wirksam zu machen, seien Berichtspflichten der Länder und ein Qualitäts-Monitoring vorgesehen.

Die Jugend- und Familienminister der 16 Bundesländer wollen künftig offensiver und einheitlicher als bisher um Fachkräfte für den Erzieherberuf werben. Darauf einigten sich die Ressortchefs am Freitag bei ihrer Jahreskonferenz in Quedlinburg im Harz. Eine Arbeitsgruppe solle die aktuelle Situation analysieren und ermitteln, wie viele Fachkräfte für Kinderkrippen und -tagesstätten künftig gebraucht werden, sagte Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) als Vorsitzende der Familienministerkonferenz. Ziel sei außerdem, die Ausbildungskriterien der Länder anzugleichen. Neue Arbeitszeitmodelle könnten zur Attraktivität des Berufs beitragen.

Schwesig spricht von großem Erfolg

Schwesig nannte den Bund-Länder-Beschluss "einen großen Erfolg". Der Bund habe "in dieser Wahlperiode das finanzielle Engagement des Bundes für den Ausbau der Kindertagesbetreuung bereits gesteigert", sagte sie. "Aber die Zahlen zu noch fehlenden Kita-Plätzen zeigen, dass wir mehr investieren müssen. Das gilt auch für die Qualität. Hier muss sich der Bund stärker beteiligen als bisher."

Seit einigen Jahren greift der Bund den Ländern beim Ausbau der Krippen- und Kindergartenplätze finanziell unter die Arme. Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder ab einem Jahr. Trotz des milliardenschweren Kraftakts beim Kita-Ausbau fehlen nach einem Datenreport des Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) noch rund 293.000 Krippenplätze. Bei den älteren Kita-Kindern liegt die Betreuungsquote inzwischen hingegen bei gut 93 Prozent. Ende April wurde ein Bundesprogramm mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Euro beschlossen, dass in den kommenden drei Jahren für 100.000 weitere Kita-Plätze sorgen soll.

Zeitplan nach Quedlinburg-Beschluss offen

Trotz des Bund-Länder-Beschlusses von Quedlinburg ist der Zeitplan noch offen. "Ich bin zuversichtlich, dass der Weg unabhängig vom Wahlausgang in Berlin fortgeschritten wird", sagte Grimm-Benne. "Es geht eben schon lange nicht mehr darum, dass Eltern nur einen Betreuungsplatz für ihre Kinder ergattern, sondern um Bildungschancen von kleinauf."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte den Beschluss. Für die Umsetzung eines Qualitätsentwicklungsgesetzes müssten in den nächsten Jahren rund fünf Milliarden Euro bereitgestellt werden, sagte Vorstandsmitglied Björn Köhler. Die vorgeschlagenen Verbesserungen seien ein wesentlicher Schritt, um die Arbeitsbedingungen in den Kitas attraktiver zu gestalten.