Noch weit emotionaler als gewohnt präsentierte sich Timo Scheider nach seinem Triumphzug. Tomczyk und Spengler erkannten Scheiders Dominanz neidlos an.

73 lange Rennen war Timo Scheider selbst ein Podestplatz verwehrt geblieben. Doch seitdem dem Abt-Audi-Piloten beim Saisonfinale 2007 der lang ersehnte erste Podestbesuch gelang, präsentiert sich wie entfesselt. "In Hockenheim hatte er ein fast perfektes Wochenende - nun hatte er ein perfektes", konnte auch Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich nur den Hut vor Scheider ziehen, der zurzeit selbst im Kampf gegen den zweifachen DTM-Champion Mattias Ekström die Maßstäbe setzt.

"Ein unglaublicher Tag - aber es hat lange gedauert", zeigte sich Timo Scheider überglücklich - nachdem er insbesondere zwischen 2001 und 2004 oft mit stumpfen Waffen hatte kämpfen müssen, "ich hatte mit Opel eine harte Zeit, aber eines Tages kam Dr. Wolfgang Ullrich und hat mir eine Chance gegeben. Zu Audi zu kommen war schon 2006 ein Traum für mich - und heute stehe ich ganz oben." Mit einer überzeugenden Saison im Audi-Jahreswagen hatte sich Scheider 2006 für den Aufstieg in einen Neuwagen empfohlen, erlebte jedoch bei Abt-Audi eine schwierige erste Saisonhälfte 2007.

Die Emotionen waren dem neuen Meisterschaftsführenden deutlich anzusehen: "Vielen Dank an mein Team und Familie - heute ist der richtige Tag zu danken. Meine Verlobte Jasmin hat all die Jahre zu mir gehalten - und ich war nicht immer ein leichter Partner." Lediglich eine Schrecksekunde erlebte Timo Scheider auf seiner souveränen Fahrt zum Sieg: "Ich war erleichtert, als mir mein Ingenieur sagte, dass Toms Blitzstart ein Frühstart war und ich nicht wieder den Start verloren hatte. Danach konnte ich das Rennen relaxt angehen."

Mit seinen "tollen Jungs bei Audi" kündigt Scheider eine lange Partynach an - von der auch Martin Tomczyk nicht ausgeschlossen sein dürfte. Tomczyk gestand die Übermacht seines Teamkollegen neidlos ein: "Timo sollte diesen Moment genießen. Ich bin glücklich mit meinem Rennen, aber leider konnte Tom nach seinem Frühstart nicht gemeinsam mit uns an der Spitze. Mehr als Platz zwei ist gegen Timo nicht möglich gewesen." Seit dem Testfreitag hatte der letztjährige Meisterschaftsdritte einen stetigen Aufwärtstrend erlebt: "Ich war nicht glücklich mit dem Auto am Freitag, aber dafür hat das Auto gestern und heute noch perfekt funktioniert."

Ebenso wie Timo Scheider ließ sich auch Martin Tomczyk von der Safety-Car-Phase nicht aus der Ruhe bringen. "Die Performance, die wir vor dem Safety-Car gezeigt haben, waren unglaublich schnell - und wir hätten noch schneller sein können. Für uns war das Safety-Car nicht optimal, aber für die Sicherheit war das Richtige", schildert Tomczyk die schwierige letzte Etappe zum Sieg: "Wir waren etwas beunruhigt, aber wir haben uns auf den Restart konzentriert und haben alles richtig gemacht."

Auf beste Schadensbegrenzung war nach einem schwierigen Qualifying Bruno Spengler von Startplatz fünf aus bedacht - und sah sie als gelungen an. "Ich bin glücklich über Platz drei. Es war kein leichtes Rennen, aber das Auto war vor allem auf den ersten Stints sehr gut, ich konnte Martin unter Druck setzen. Im letzten Stint habe ich meine Reifen geschont", resümierte der Kanadier, der den ersten Mercedes-Podestplatz der Saison am Ende nur noch in trockene Tücher bringen wollte: "Ich wollte kein allzu großes Risiko nach der Safety-Car-Phase eingehen; ich wollte die sechs Punkte nicht mehr riskieren. Von Platz fünf ist das Podest ein gutes Ergebnis - danke an mein Team. Gratulation an Timo und Martin."

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