Gute erste Eindrücke vom neuen Dienstwagen - keine Angst vor Ralf Schumacher: Mattias Ekström im Exklusivgespräch mit der adrivo Sportpresse.

Ist es für die DTM zwingend notwendig, dass als Ersatz für Mika Häkkinen ein weiterer Ex-Formel-1-Fahrer in die DTM kommt?
Mattias Ekström: Viele Ex-Formel-1-Fahrer haben sicherlich Lust auf Erfolge in der DTM, aber dass das für die Serie wirklich nötig ist, glaube ich nicht. Die Serie ist auch ohne große Namen gut genug. Wenn Ralf Schumacher kommt, ist es für die deutschen Fans sicherlich toll, dass so ein großer Sportler wie Ralf vertreten ist. Er braucht nicht in die DTM zu kommen, um der Serie einen Gefallen zu tun. Wenn er kommt, dann bestimmt, weil er ein guter, ehrgeiziger Rennfahrer ist, der für sich gute Ergebnisse einfahren will.

Traust du ihm zu, dass er sein Image in der DTM aufpolieren kann?
Mattias Ekström: Jeder, der in der DTM Erfolge feiert, zeigt sein fahrerisches Talent. Aber auch Ralf würde sicherlich noch Besonderheiten der DTM kennen lernen, die er unterschätzt hat. Jean Alesi, Mika Häkkinen, Heinz-Harald Frentzen - sie alle waren im Jahr bei fünf oder sechs Rennen richtig schnell, dann folgten wieder Tiefen. Die Konstanz wäre sicher auch für Ralf nicht leicht.

Glaubst du, dass genug für die Vermarktung der fahrerischen "Eigengewächse" in der DTM getan wird?
Mattias Ekström: In der DTM können wir sicher automatisch nicht zu so großen Stars gemacht werden wie in der Formel 1, denn die Formel 1 ist nun einmal die Königsklasse des Motorsports. Die Menschen, die sich im Motorsport auskennen, wissen, was die DTM-Fahrer können. Und sie sehen vor allem wie spannend und toll die Rennen sind. Die sprechen für sich.

Wie hast du bisher die Winterpause verbracht?
Mattias Ekström: Ich war in Schweden und für ein paar Tage in Rom, danach habe ich ein paar ruhige Tage zu Hause in der Schweiz verbracht - nun folgt die Fitnesswoche mit meinen Teamkollegen. Ende Februar lade ich meine Teamkollegen zur Feier meines DTM-Titels nach Schweden ein. Alle, die zu dieser Zeit keine Termine haben, haben schon zugesagt - insgesamt sind es sieben.

Inwieweit bist du zurzeit in die Entwicklungsarbeiten involviert?
Mattias Ekström: Man bekommt in jedem Winter einen Teil der Entwicklungsarbeit mit, aber den größten Teil machen die Audi-Ingenieure. Wenn das Design des Autos steht, beginnen wir bei ersten Tests mit der Feinabstimmung - das ist immer wieder aufs Neue interessant.

Welche ersten Eindrücke hast du beim Test im neuen A4 gewonnen?
Mattias Ekström: Mein erster Eindruck vom neuen A4 war gut. Es ist aber immer schwer, die Performance des Wagens einzuschätzen - selbst im Vergleich zu seinem Vorgänger, da ich zwischen dem letzten Rennen in Hockenheim und dem ersten Test mit dem neuen A4 nicht mehr im Auto saß. Aber ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl im neuen Auto. Es gab keine technischen Probleme, alles hat gut funktioniert.

Ist auch für dich die Arbeit mit dem komplett neuen A4 arbeitsintensiver als gewohnt?
Mattias Ekström: Die Arbeit ist in jedem Jahr ungefähr gleich intensiv. Allerdings muss man beim Test in einem komplett neuen Auto noch viel aufmerksamer sein, denn dann gibt es besonders viele Kleinigkeiten, die man als Fahrer verbessern kann. An dem letztjährigen Auto kannte ich hingegen vieles schon vom Vorgänger.

Wo versprichst du dir erste Hinweise auf das Kräfteverhältnis?
Mattias Ekström: Beim ersten Test in Mugello werden wir wohl nur ein Bauchgefühl dafür bekommen, wo wir stehen. Die erste verlässliche Einschätzung kann man erst in Hockenheim abgeben.

Spürst du noch etwas von den Spannungen zwischen Audi und Mercedes?
Mattias Ekström: Ich habe davon seit Hockenheim nichts mehr gespürt, allerdings hatte ich seit Hockenheim auch keinen Kontakt mehr zu den Mercedes-Fahrern. Ich glaube, dass wir alle über den Winter wieder bei Null anfangen und über die kommende Saison nachdenken, anstatt über die Emotionen, die 2007 in bestimmten Situationen hochgekocht sind.

Sollten verbindlichere Regeln eingeführt werden, um Vorfälle wie in Barcelona künftig zu verhindern?
Mattias Ekström: Egal welche Regeln man in welcher Sportart einführt: Letztlich werden die Regeln immer bis zur Grenze ausgereizt, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Und irgendwann kann diese Grenze immer überschritten werden. Das Konzept der DTM war auch in dieser Hinsicht immer schon gut, da braucht man nicht viel zu verbessern.

Glaubst du, dass sich die neue Rennleitung 2007 trotz des Vorfalls in Barcelona gut bewährt hat?
Mattias Ekström: Das ist schwer zu sagen. Egal, welche Rennleitung man hat: Das Wichtigste ist die Disziplin zwischen den Fahrern, denn jeder Fahrer weiß selbst, was eigentlich erlaubt ist oder nicht. Man kann über die Rennleitung schimpfen oder nicht - die Grunddisziplin zwischen den Fahrern muss 2008 wieder vorhanden sein.

Auch 2008 gehst du bei Abt-Audi mit deinen bisherigen Teamkollegen an den Start...
Mattias Ekström: Für das Team ist es immer ein Vorteil, wenn man eine gute Fahrertruppe hat und sie so belassen kann. Ab und zu braucht man zwar auch neue Impulse durch neue Kollegen, die eine andere Herangehensweise ins Team bringen. Aber im letzten Jahr haben wie alle vier gezeigt, dass wir in unserer Performance sehr dicht beieinander liegen. Derjenige, der am konstanten ist, wird auch in der kommenden Saison gewinnen.

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