Nicht nur die Zuschauer auf den Naturtribünen waren von Sand umgeben. Auch die Strecke glich aus Sicht der Piloten einem einzigen Sandkasten...

Vom Regen blieb die DTM-Welt in Zandvoort zwar heute noch verschont. Der Grip auf dem Asphalt glich zeitweise dennoch dem einer feuchten Rutschbahn: Skurrile Fahrfehler und eine umso geringere Aussagekraft der Rundenzeiten prägten den Testfreitag im niederländischen Nordseebad - trotz aller Tendenzen zu Gunsten Audis.

Auf den Sandbänken

Für gewöhnlich werden Sandbänke zwar von Wasser umspült - in Zandvoort umgibt sie hingegen in abgewandelter Form eine Asphaltbahn. So macht es sich ein Großteil der Zandvoorter Zuschauer auf den Naturtribünen bequem, die auf ihren sandigen Dünenplätzen schon heute einige Kreativität walten ließen. "Alex Margaritis - unser Rennfahrergott", tönten die Transparente, "Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein - es ist Jamie Green!" Mit Blick auf die heutigen Ergebnislisten war nur eines der Mercedes-Plakate halbwegs zutreffend: "Und am achten Tag erschuf Gott Bruno Spengler..."

Sand im Getriebe

So konnte aus HWA-Reihen lediglich Spengler mit der Performance der Audi-Neuwagen halbwegs Schritt halten - und wurde bei aller Freude über gelungene Long Runs dennoch sowohl am Vor- als auch am Nachmittag um rund sechs Zehntselsekunden distanziert. Mit Blick auf ihre Positionen verzeichneten Bernd Schneider, Mika Häkkinen und Jamie Green gar zum Nachmittag hin eher weitere Rückschritte, die allerdings Konzentration und Zuversicht im Mercedes-Lager nicht beeinträchtigten. "Mal schauen, was die anderen noch auspacken - aber auch wir haben noch etwas auszupacken...", fasste Daniel La Rosa stellvertretend zusammen, der zuvor die Performance der Mercedes-Jahreswagen angedeutet hatte:

Trotz des maximalen Gewichtsnachteils von 25 Kilogramm eroberte der Mücke-Pilot in seiner 2006er-C-Klasse, die im vergangenen Jahr immerhin für die Pole Position und Platz zwei im Rennen gut war, beim zweiten Test einen ordentlichen siebten Rang. "Der Long Run war auch auf Grund von Verkehr etwas durchwachsen. Ansonsten hätte es vielleicht für Platz drei gereicht", bedauerte er - und bekam so schon heute die Überholfeindlichkeit des Kurses zu spüren, die morgen während des Qualifyings traditionell für so manche Diskussion um angebliche Blockaden führen dürfte.

Doch ebenso wie so mancher Mercedes-Pilot verzeichnete auch das Abt-Audi-Duo aus Mattias Ekström und Martin Tomczyk Sand im Getriebe. Während Timo Scheider jeweils souverän gefolgt von Tom Kristensen die Bestzeit einfuhr, kamen ausgerechnet die beiden Titelanwärter des Audi-Lagers nicht über mittelmäßige Zeiten hinaus. "Wir sind schon recht zufrieden, müssen aber jetzt erst einmal alle gesammelten Daten ganz genau analysieren, denn Raum für weitere Verbesserungen ist definitiv vorhanden", gesteht Ekström, während Tomczyk mit den auch bei der Abstimmungsarbeit wenig hilfreichen Wetterbedingungen haderte.

Vom Winde versandet

Erst nach einiger Wartezeit trauten sich die 20 DTM-Boliden am Morgen erstmals auf die Strecke - hatten die stürmischen Wetterverhältnisse im niederländischen Nordseebad doch Unmengen des gefürchteten Sands auf die Strecke gewirbelt. "Der Wind bringt unheimlich viel Sand auf die Strecke, insbesondere in der ersten Kurve. Doch das kann sich von Runde zu Runde ändern", beschreibt Spengler die Unwägbarkeiten für die Piloten, "es ist schwer, den richtigen Bremspunkt zu treffen. Ich hatte am selben Punkt wie auf der vorherigen Runde gebremst, und trotzdem bin ich abgeflogen."

Der Wind selbst macht sich hingegen zumindest aus Sicht Gary Paffetts nur mäßig bemerkbar: "Der Wind stört die Balance des Autos bislang nicht allzu sehr, außer vielleicht in der schnellen letzten Kurve. Dort kann es ein Problem werden, wenn das Auto zu sehr versetzt." Die freitags ohnehin beschränkte Vergleichbarkeit von Rundenzeiten wird allerdings weiter eingeschränkt: "Auf den Kuppen bemerkt man den Wind - unser Topspeed ist höher als in den letzten Jahren."

Die Front in den Sand gesteckt

Und während Spengler zunächst auf dem Sand ausrutschte, nach Rückkehr auf den Kurs mehrere Lufteinlassladungen voll Kies auf die Strecke schüttete, um darauf ein weiteres Mal auszurutschen, traf es Vanina Ickx noch schlimmer. Auch die Belgierin hatte die Auswirkungen des Sands in der Tarzanbocht weit unterschätzt - und fand sich in den Reifenstapeln wieder. Zwar steckte die leidgeprüfte Audi-Piloten deshalb noch nicht den Kopf in den Sand. Doch nachdem bei eher ungeschickten Bergungsarbeiten die Front ihres A4 DTM abgerissen, im Sand-/Kies-Gemisch stecken geblieben war und für den Rest des Tages erneuert werden musste, hätte kaum noch etwas dagegen gesprochen...

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