Vom Einserkandidaten zum Sitzenbleiber - und umgekehrt: Verglichen mit dem fünften Saisonlauf setzte sich das Kontrastprogramm in Mugello auch am Samstag fort.

Der Freitag der 13. geriet für Audi zum Glückstag, der Tag darauf wird in die Audi-Geschichte eingehen: Noch nie errangen die Ingolstädter ein so gutes Qualifying-Ergebnis wie heute. Eine wirkliche Überraschung war dies bereits nach dem freien Training nicht mehr:

Zweiklassengesellschaft

Die Zweiklassengesellschaft von Italien hatte sich schon am Freitag hinreichend angedeutet, am Samstagvormittag fand sie ihren Höhepunkt: Während die A4-Klasse gleich acht Top-Ten-Plätze besetzte, blieb für die C-Klasse meist nur die zweite Hälfte der Zeitentabelle. Entgegen sonstigen Gewohnheiten präsentierte sich der Audi-Neuwagen im Qualifying-Trimm noch überzeugender als auf den Longruns. Auch mit Blick auf die Nutzung des weitläufigen Mugello-Areals bestätigte sich die Rangordnung: Während die Audi-Piloten fast durchweg brav auf dem Asphalt blieben, testeten mit Bruno Spengler, Mika Häkkinen und Susie Stoddart auffallend viele Mercedes-Piloten die Offroad-Qualitäten ihrer nur mäßig ausbalancierten C-Klasse - und verschenkten insbesondere im Fall Stoddart wertvolle Abstimmungszeit...

Einserkandidaten

26 Jahre war Mattias Ekström alt, als er vor 27 Monate Monaten seine bislang letzte Pole Position errang. Zum 29. Geburtstag befreite sich der Schwede von seinem persönlichen Qualifying-Fluch. "Der Audi A4 ist hier einfach traumhaft zu fahren", bilanzierte Mattias Ekström kurz, aber unmissverständlich. Und während auch Martin Tomczyk und Tom Kristensen das nötige Pole-Potenzial aufwiesen, war es lediglich Timo Scheider, der mit seinem Dienstwagen haderte: "Auf Grund der gestiegenen Asphalttemperatur war die Balance im Qualifying leider nicht mehr ganz so gut wie im freien Training."

Auch in Phoenix- und Rosberg-Reihen fanden sich strahlende Gesichter. Während der Pechvogel des ersten Saisondrittels, Alexandre Prémat, wie beinahe schon gewohnt in Abt-Audi-Regionen mitmischte, setzte sich die Pechsträhne Lucas Luhrs weiter fort. Auch diesmal hatte der Koblenzer gewohntermaßen mit Teamkollege Mike Rockenfeller Schritt halten können - und wird in der Startaufstellung sechs Ränge hinter ihm stehen. Eine defekte Servolenkung, eigentlich eine Stuttgarter Spezialität, war nicht nur das Aus für Luhr in der zweiten Session, sondern auch einer der wenigen Fehler, die sich Mercedes heute nicht vorwerfen lassen musste...

Fünf, setzen

Mangelhaft - eine Benotung, der mit Blick auf die Ergebnisse seiner Schützlinge wohl auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug zugestimmt hätte. Nach zuletzt fünf Poles in Folge platzierten sich gleich fünf A4 DTM vor dem schnellsten Mercedes-Piloten, bereits in der ersten Session hatten fünf C-Klasse-Fahrer ihren Arbeitstag beenden müssen. Nachdem die Hoffnungen der Stuttgarter auf die Pole Position bereits zunichte gemacht waren, bevor das Zeitfahren überhaupt begonnen hatte, zeigte sich Qualifying-Speerspitze Bruno Spengler mit Rang sechs noch zufrieden: "Mein Team hat sehr schnell und gut reagiert. Sie haben einen super Job gemacht und das ganze Paket stark verbessert. Auch ich habe meinen Fahrstil an den Kurs angepasst."

Derweil haderte Mika Häkkinen mit Platz 15: Seine für sich konkurrenzfähigen Sektorzeiten hatte der Finne nicht in ein und derselben Runde unterbringen können. Letztlich fehlte Häkkinen wie vielen seiner Markenkollegen das Vertrauen in die C-Klasse. Gary Paffett nannte die Schwächen seines Jahreswagens beim Namen: "Die Audi sind im Laufe des Wochenendes immer schneller geworden; wir hingegen hatten viel Untersteuern, und auf den Highspeed-Passagen fühlte sich das Auto nicht gut an." Wenig gelungen auch das Timing von Bernd Schneiders letzter fliegender Runde:

"In meiner schnellen Runde hatte ich Daniel La Rosa in der ersten Kurve vor mir, auch Paul Di Resta musste mich vorbeilassen. Allerdings musste ich dabei auf die dreckige Linie kurz vor der Schikane - damit war die Runde dahin", seufzte Bernd Schneider. Die Nachteile der Mercedes-Mannschaft bei Fahrzeuggewicht und Streckenerfahrung wollte Norbert Haug nicht als alleinige Erklärung für das heutige Debakel gelten lassen - und erwartet auch für morgen keine Wunder: "Die Strategie hilft nichts, wenn der Speed nicht da ist. Erst braucht man den richtigen Speed und dann die richtige Strategie."

Die entscheidenden 2,5 Sekunden

2,5 Sekunden beträgt jener Wert, den in Mugello ein neuer Reifen von einem abgenutzten Pneu trennt. Hochsommerliche Hitze, die besondere Belastung durch zahlreiche Highspeedkurven sowie ein rauer Asphaltbelag machen die ansonsten so konstanten Dunlop-Reifen morgen zu einem entscheidenden Faktor. Die starke Reifenabnutzung engt die taktischen Möglichkeiten entgegen sonstigen Gewohnheiten stark ein - und ist jene Variable, die sich morgen insbesondere Mercedes zu Nutze machen will. "Ich glaube, dass wir die Reifen über die Distanz besser nutzen können als andere Teams. Das Rennen entscheidet sich morgen, wenn die Reifen abbauen", kündigt ein zuversichtlicher Alexandros Margaritis auf Rang 19 an...

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