Hatte Mercedes bislang sämtliche zu vergebende Pole Positions abgeräumt, so mussten die Stuttgarter die ersten fünf Startplätze der Konkurrenz überlassen...

Selten kommt Mercedes in den zweifelhaften Genuss jener Stimmung, wie sie bei Audi allzu oft nach Rennen in Hockenheim oder Nürnberg herrscht: Belegten die Stuttgarter am Norisring in der Startaufstellung noch die ersten vier Plätze, so kam mit Bruno Spengler der beste Mercedes-Pilot nicht über Rang sechs hinaus. Den Grund für jenes Wechselbad der Gefühle konnte man sich im Mercedes-Lager nur schwerlich erklären: "Im Moment sind wir einfach zu langsam", stellte Sportchef Norbert Haug ernüchtert fest.

Die zehn Kilogramm Gewichtsnachteil sowie den Erfahrungsvorsprung der Ingolstädter lässt Haug als Begründung nicht gelten. Zu dramatisch waren gerade jene Rückstände von weit mehr als einer Sekunde, die Bernd Schneider und Mika Häkkinen auf die Ränge elf und 15 beförderten. "Wir hatten das ganze Wochenende über Probleme, die richtige Abstimmung für diese anspruchsvolle Strecke zu finden", gestand der Finne, der während der ersten Session von Lucas Luhr aus den rettenden Top 14 gedrängt worden war. Auch Schneider fand nicht den Weg hinaus aus dem Setup-Labyrith: "Wir haben nach dem ersten Teil des Qualifyings etwas am Auto geändert, doch das hat leider nicht die erhofften Verbesserungen gebracht."

Lediglich Qualifying-Speerspitze Bruno Spengler verzeichnete seit gestern deutliche Fortschritte - und betrieb mit Platz sechs bestmögliche Schadensbegrenzung: "Das ganze Paket hat sich stark stark verbessert und auch ich habe meinen Fahrstil an den Kurs angepasst." Während der Kanadier noch Resthoffnungen auf einen Podestplatz behalten darf, gab es zumindest teamintern weitere Gewinner: So verschaffte sich Jamie Green, nachdem er in Brands Hatch und Nürnberg kaum mit dem restlichen HWA-Quartett hatte mithalten können, mit Rang sieben einen kleinen mentalen Befreiungsschlag - und auch bei Mücke und Persson gab es jeweils ein halbwegs zufriedenes Gesicht:

Mit den Startplätzen zehn und zwölf distanzierten in Mugello ausgerechnet jene beiden Piloten ihre Teamkollegen deutlich, die sich gemäß ihren familiären Wurzeln noch am ehesten als Lokalmatadoren bezeichnen können. "Ich bin als Zehnter drittbester Mercedes-Pilot, das kann sich doch sehen lassen", bilanzierte Daniel La Rosa, während Paul Di Resta urteilte: "Immerhin bin ich unter den Mercedes-Fahrern vorne mit dabei, obwohl mir ein paar Fahrfehler unterlaufen sind." Ob sich bei den Stuttgartern die Balance-Probleme sämtlicher drei Jahrgänge bis morgen noch gänzlich ausräumen lassen werden, erscheint zwar zweifelhaft - Alexandros Margaritis zeigt sich dennoch zuversichtlich:

"Ich glaube, dass wir die Reifen über die Distanz besser nutzen können als andere Teams. Nach zehn bis fünfzehn Runden kann der Reifen um bis zu drei Sekunden abbauen. Vom Verschleiß her sind wir sehr gut", kündigt der nur auf Rang 19 platzierte Grieche an - und nennt in Form der Dunlop-Pneus jenes Fragezeichen, das Audi auf dem Weg zum beinahe sicheren Sieg am meisten Sorgen bereitet. Zweckoptimismus herrscht auch bei Norbert Haug: "Das Ergebnis sieht uns eigentlich nicht ähnlich. Deshalb denke ich, dass uns schon noch etwas einfällt..."

Copyright: adrivo Sportpresse GmbH