Frankfurt/Main - Ohne André Schürrle hat der VfL Wolfsburg nur vier Tage nach seiner Gala gegen den Tabellenführer aus München zwei Punkte liegen gelassen. Der Tabellenzweite der Fußball-Bundesliga kam nach einer enttäuschenden Vorstellung bei Eintracht Frankfurt nur zu einem 1:1 (0:0).

Kevin de Bruyne verhinderte in der 88. Minute zumindest noch die 100. Bundesliga-Niederlage von Trainer Dieter Hecking. Vor der Saison-Minuskulisse von 34 400 Zuschauern erzielte Stefan Aigner in der 58. Minute den Führungstreffer für die Eintracht, die den ersten Heimsieg gegen die Niedersachsen seit über vier Jahren verpasste.

"Wir waren nicht so konzentriert, haben viele Fehler im Aufbau gemacht. Der letzte Pass war nicht so genau", sagte VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs selbstkritisch, bilanzierte aber: "Mund abputzen, weitermachen! Wir lassen uns von unserem Weg sowieso nicht abbringen." Auch Hecking fand deutliche Worte. "Wir haben nicht klar genug gespielt, um hier zu gewinnen. Am Ende können wir sehr zufrieden sein, denn wenn man in der 88. Minute den Ausgleich erzielt, ist das natürlich glücklich", sagte der VfL-Trainer.

Während der am Montagabend vom FC Chelsea verpflichtete Schürrle in Wolfsburg erste Laufeinheiten absolvierte und am Mittwoch offiziell vorgestellt wird, mühten sich seine neuen Kollegen in Frankfurt vergeblich um ein passendes Willkommensgeschenk für den Weltmeister. Vom viel gelobten Esprit beim 4:1 gegen die Bayern war lange nichts zu sehen, so dass es die rund 200 mitgereisten VfL-Fans bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch mehr fröstelte.

Die Eintracht, bei der Abwehrchef Carlos Zambrano nach viermonatiger Verletzungspause sein Bundesliga-Comeback gab, überzeugte mit Leidenschaft und Wille. "Wir haben sehr kompakt und geschlossen gespielt. Wir können mit diesem Spiel sehr, sehr gut leben", lobte Eintracht-Trainer Thomas Schaaf.

Zambrano, der sein bislang letztes Spiel am 4. Oktober 2014 beim 3:2 gegen den 1. FC Köln absolviert und sich wenige Tage später in einem Länderspiel mit Peru einen Außenbandriss im Knie zugezogen hatte, rückte für Bamba Anderson in die Startelf und machte seine Sache genauso gut wie David Kinsombi. Der 19-Jährige ersetzte den gesperrten Timothy Chandler rechts in der Viererkette.

Der Frankfurter Defensive, die zum Rückrundenauftakt beim 1:4 in Freiburg erhebliche Schwächen offenbart hatte, taten die Personalwechsel gut. Allerdings wurde sie von den Gästen auch kaum gefordert. Torhüter Kevin Trapp, der seinen Vertrag vor der Partie bis 2019 verlängerte, blieb weitgehend beschäftigungslos. Lediglich bei zwei Halb-Chancen für Bast Dost (21.) und Ivan Perisic (24.) drohte etwas Gefahr.

Auf der anderen Seite musste VfL-Keeper Diego Benaglio nach einer knappen halben Stunde gegen Alexander Meier sein ganzes Können aufbieten, um einen Schuss des Frankfurter Top-Torjägers zu parieren. Es blieb jedoch die einzige Möglichkeit der Hessen in einem langweiligen ersten Durchgang.

Wolfsburg-Coach Hecking reagierte auf die schwache Offensivvorstellung seines Teams und brachte nach der Pause Aaron Hunt für Perisic. Wirklich besser wurde es damit aber nicht. Im Gegenteil: Nach knapp einer Stunde gerieten die "Wölfe" sogar in Rückstand. Takashi Inui bediente Aigner, und der Mittelfeldspieler schob den Ball aus etwa zwölf Metern zu seinem fünften Saisontor ins lange Eck.

Nur sechs Minuten später lag die Entscheidung in der Luft, als Frankfurts Innenverteidiger Marco Russ nach feinem Doppelpass mit Haris Seferovic den Ball über Benaglio lupfte. Ricardo Rodriguez rettete jedoch kurz vor der Linie für seinen geschlagenen Schlussmann. Erst spät ließ de Bruyne die Gäste doch noch jubeln.

Spieldaten:


Ballbesitz in %: 44,6 - 55,4

Torschüsse: 12 - 9

gew. Zweikämpfe in %: 47,9 - 52,1

Fouls: 20 - 16

Ecken: 1 - 6

Quelle: Optasport