São Paulo - Arturo Vidal ist sich sicher: Diesmal muss Brasilien dran glauben. Dreimal hatte sein Heimatland Chile bei einer Fußball-WM bisher die Gruppenphase überstanden - dreimal folgte das Aus gegen die Seleção. Damit soll jetzt Schluss sein.

"Brasilien ist ein Alptraum für Chile gewesen, aber die Dinge haben sich geändert", erklärte der ehemalige Leverkusener vor dem vierten Duell der beiden südamerikanischen Mannschaften in der K.o.-Phase einer WM. Am Samstag treffen sie in Belo Horizonte im Achtelfinale aufeinander.

Die schwarze Serie der Chilenen gegen Brasilien begann vor 52 Jahren bei der WM 1962 im eigenen Land. Damals kam das Aus im Halbfinale. Brasilien gewann in Santiago de Chile 4:2, zog ins Endspiel ein und feierte den zweiten WM-Triumph nach 1958. Chile wurde Dritter.

1998 trafen sich beide wieder in einem K.o.-Spiel, diesmal bereits im Achtelfinale. Das Ergebnis war eindeutig: Brasilien siegte 4:1. Diesmal setzte es für den Sieger im Finale aber ein 0:3 gegen Gastgeber Frankreich. Zum bisher letzten Mal traf Chile vor vier Jahren auf den Rekordweltmeister - abermals im Achtelfinale. In Südafrika hieß es 0:3. Brasilien scheiterte danach in der Runde der besten Acht am späteren WM-Zweiten Niederlande.

Acht Spieler, die 2010 gegen die Seleção auf dem Rasen standen, zählen auch heute noch zum Kader der "La Roja", darunter Juve-Profi Vidal und Jorge Valdivia. "Geschichte gehört ins Museum oder in Bücher", sagte der Mittelfeldspieler von Sociedade Esportiva Palmeiras kurz und knapp über die miese Bilanz. Kurios: Auch die höchste Niederlage seiner Geschichte kassierte Chile gegen Brasilien. 1959 gab es ein 0:7.

Obwohl der letzte Sieg gegen den fünfmaligen WM-Champion schon fast 14 Jahre zurückliegt, sind die Außenseiter nach der überzeugenden Vorrunde selbstbewusst. "Wenn wir den Weltmeister besiegen können, warum sollten wir nicht auch Brasilien schlagen", spielte Vidal auf das 2:0 gegen Spanien an. Beim 0:2 im letzten Vorrundenspiel gegen die Niederländer wurde der mit einer gelben Karte vorbelastete Mittelfeldstar geschont. Partie und Ergebnis waren schnell abgehakt. Der Fokus richtete sich sofort auf den nächsten Gegner Brasilien.

Schom im Vorfeld machte Vidal seinem Spitznamen "Kleiner Kämpfer" alle Ehre. "Wir wollten nicht gegen Brasilien spielen. Es ist der schwerste aller möglichen Gegner", so der Mann aus Santiago de Chile, der von 2007 bis 2011 für die Werkself kickte. "Aber Brasilien wollte noch viel weniger gegen uns spielen. Weil wir eine Mannschaft sind wie ein Selbstmord-Kommando. Wir geben unser Leben für diese WM."

Brasiliens Coach Luiz Felipe Scolari beschäftigte sich nach dem Gruppenfinale ebenfalls sofort mit der Herausforderung Chile. "Ich wollte Chile nicht, denn ich kenne Chile und die Schwierigkeiten, die meine Mannschaft mit ihnen hatte", gab er zu. Auch der Heimvorteil wird sich in diesem Duell nicht besonders auswirken. Die Chilenen werden von über Zehntausend leidenschaftlichen und lautstarken Fans begleitet.

"Wenn wir gegen Spanien gewinnen können, den Weltmeister, warum nicht gegen Brasilien?", fragte Vidal und versprach: "Wir werden unser Spiel für Brasilien nicht ändern." In den ersten beiden Partien gegen Spanien (2:0) und Australien (3:1) hatte er wegen den Folgen einer Knieoperation ausgewechselt werden müssen. Doch eins ist für ihn klar: "Das Spiel gegen Brasilien werde ich um Nichts in der Welt verpassen."