Cuiabá - Nach dem blamablen WM-Vorrundenaus hat Japans Fußball-Nationaltrainer Alberto Zaccheroni mit seinem Rücktritt die Konsequenzen gezogen.

Damit war das deprimierende 1:4 (1:1) in Cuiabá gegen Kolumbien zugleich das traurige Ende einer langen Erfolgsgeschichte, nachdem Zaccheroni die "Blauen Samurai" 2010 als Nachfolger des Japaners Takeshi Okada übernommen hatte. Der ehemalige Coach des AC Mailand sollte die Mannschaft eigentlich auf ein neues Niveau heben, doch am Ende scheiterte die Mission bitter.

In japanischen Medien wurde bereits kurz nach der WM-Blamage der Japaner Kolumbiens Coach José Pekerman als möglicher Nachfolger gehandelt. Ein klares Dementi vermied der Argentinier, als er darauf angesprochen wurde. "Ich weiß, dass die Japaner immer meine Karriere verfolgen. Ich war Trainer in Argentinien und wir hatten viele Kontakte. Japan ist ein wundervolles Land. Jetzt kann ich nichts weiter dazu sagen, denn ich bin ganz auf Kolumbien konzentriert", erklärte Pekerman.

Kurz vor seinem Rücktritt war Zaccheroni noch einmal sentimental geworden. "Die vier Jahre in Japan haben mir sehr viel gegeben. Mehr, als ich zurückgeben konnte. Das war eine unglaubliche Erfahrung", sagte der 61-Jährige. Es klang schon nach Abschied.

Shinji Kagawa hatte nach dem Vorrunden-Aus noch voller Scham Abbitte geleistet. "Ich war einfach nicht gut genug, um hier etwas zu erreichen", übte der frühere Dortmunder Kagawa, der weit unter seinen Möglichkeiten blieb, schonungslos Selbstkritik und entschuldigte sich bei den Fans. "Es tut mir leid, sie im Stich gelassen zu haben. Es ist frustrierend, dass die Weltmeisterschaft nun vorbei ist."

Nach nur einem Punkt aus drei Spielen bei der Fußball-WM in Brasilien und dem nicht für möglich gehaltenen Vorrunden-Aus war auch Zaccheroni hart mit sich ins Gericht gegangen. "Das Team hätte sehr, sehr viel mehr erreichen können. Ich habe eine Mannschaft nach Brasilien gebracht, die dazu in der Lage war. Leider haben wir das nicht geschafft. Und dafür übernehme ich als Trainer die Verantwortung", sagte er.

Dabei war Zaccheroni mit einem Coup gestartet. Gleich in seinem ersten Länderspiel als Nippon-Coach hatten seine Männer erstmals den zweimaligen Weltmeister Argentinien geschlagen. Mehr als ein Jahr lang von Oktober 2010 bis November 2011 blieb Zaccheronis Truppe sogar ungeschlagen. Doch insbesondere bei dieser WM fand der Italiener kein passendes taktisches Konzept für Kagawa & Co.

Zaccheronis Spieler hatten zuvor in Reih und Glied am Spielfeldrand Aufstellung genommen und sich tief vor den weit gereisten Fans verneigt. Es wirkte weniger wie ein Dank als vielmehr wie eine Entschuldigung. Japan hatte sich als erste Mannschaft für die WM qualifiziert. Entsprechend ambitioniert trat das Team um Stürmer-Ass Keisuke Honda in Brasilien an. "Ich habe gesagt, dass wir den Titel gewinnen können, und es tut mir so leid, dass wir das nicht sicherstellen konnten", erklärte der Mann vom AC Mailand und ergänzte: "Es ist unfassbar enttäuschend, aber es ist Realität."

40 340 Zuschauer waren im letzten Spiel in der Arena Pantanal Zeugen der höchsten WM-Niederlage Japans. Das Kopfballtor des Mainzer Bundesligaprofis Shinji Okazaki (45.+1) war zu wenig, weil Juan Cuadrado (17./Foulelfmeter), Jackson Martinez (55./82.) und James Rodriguez (89.) für die offensivfreudigen Kolumbianer trafen. Die spielen als Gruppensieger im Achtelfinale am Samstag in Rio de Janeiro gegen Uruguay.

"Ich muss leider sagen, dass wir in diesem Turnier nicht das zeigen konnten, woran wir in der Vorbereitung gearbeitet hatten. Wir hätten mit einem besseren Abschneiden gerechnet", sagte Zaccheroni. "Ich würde nichts anders machen als in den letzten vier Jahren. Ich habe die am meisten befähigten Spieler ausgewählt", meinte er. Doch das alles half nichts. "Ich weiß nicht, ob es ein mentales Problem ist. Wenn man nicht richtig in ein Turnier kommt, gibt es immer mehr als einen Grund dafür", erklärte er ratlos.