Salvador - Zum bitteren Abschied von der WM-Bühne zollte Irans Trainer Carlos Queiroz seinen Spielern größtes Lob, und auch für Gegner Bosnien-Herzegowina fand er nur höchst anerkennende Worte. Sein Blick auf das große Ganze fiel indes nüchtern aus.

Auch im vierten Anlauf nach 1978, 1998 und 2006 gelang dem Iran nicht der Sprung in die K.o.-Runde, was den Coach nicht überraschte. "Ich war immer realistisch, auch wenn viele \'Experten\' etwas anderes geglaubt hatten", erläuterte Queiroz nach dem 1:3 (0:1) in Salvador. "Irans Spieler sind auch sehr talentiert, aber sie haben einfach nicht die Möglichkeiten wie andere Nationen. Unsere Gegner spielen alle in großen europäischen Ligen, haben mehr Erfahrung und dort ganz andere Bedingungen und Voraussetzungen."

In der Trainerbranche genießt der 61 Jahre alte Queiroz höchste Wertschätzung, Irans Fans fordern den beliebten Coach im Netz vehement zum Weitermachen auf. Auch der Fußball-Verband IFF verstärkte Anfang der Woche das öffentliche Werben um den Trainer trotz dessen schon angekündigten Abschieds nochmals. IFF-Präsident Ali Kafaschian forderte sogar Unterstützung durch die Regierung.

"Wir hatten uns mit Queiroz mindestens bis zur Asienmeisterschaft 2015 geeinigt, aber er hat zwei große Forderungen, die der IFF nicht allein stemmen kann", so Kafaschian. Queiroz äußerte finanzielle und professionelle Ansprüche, die der Verband nicht erfüllen konnte. So ist die Trennung für den in Mosambik geborenen Portugiesen die logische Folge. Er geht aber mit "Stolz" und ohne Groll. "Wir haben unseren Job gemacht. Es ist nun auch nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Wir zeigen nicht mit dem Finger auf andere", bilanzierte Queiroz, dessen Team zu keinem weiteren Kraftakt mehr in der Lage war.

Ein Sieg mit zwei Toren Unterschied wäre wegen des gleichzeitigen 3:2 von Argentinien gegen Nigeria fürs Achtelfinale erforderlich gewesen. "Meine Spieler haben nie aufgegeben, alles versucht. Aber sie waren jetzt am Limit, sowohl mental als auch körperlich. Wir haben uns vor aller Welt den Respekt verdient. Deshalb können alle erhobenen Hauptes in die Heimat zurückkehren", sagte Queiroz. Er schloss voller Pathos: "Ich habe mich in Land und Leute verliebt. Doch für eine Ehe reicht es nicht, wenn ein Partner heiraten will."

Auch für WM-Debütant Bosnien-Herzegowina ist das Brasilien-Abenteuer beendet. Und ebenso unglücklich verlaufen wie für Iran. Am Ende blieb dem kleinen Balkan-Land zumindest der erste Sieg auf der Fußball-Weltbühne. Der frühere Wolfsburger Edin Dzeko (23.), Miralem Pjanic (59.) und Avdija Vrsajevic (83.) stellten den historischen Erfolg bei einem Gegentreffer von Reza Ghoochannejad (82.) sicher. "Ich freue mich über mein Tor", sagte Pjanic. "Aber wir haben nicht das erreicht, was wir wollten. Mit ein bisschen mehr Glück hätten wir ins Achtelfinale kommen können. Deswegen sind wir enttäuscht, aber auch größere Mannschaften als wir sind schon ausgeschieden."

Wie Queiroz wird auch Trainer Safet Susic nach viereinhalb Jahren eine neue Herausforderung annehmen, obwohl der Abschied noch nicht offiziell ist. "Es war mein letztes WM-Spiel. Mehr kann ich jetzt nicht sagen. Ich werde auf jeden Fall traurig sein, wenn ich der Mannschaft auf Wiedersehen sagen muss", kündigte der 59-Jährige an.