Magdeburg l Die Frage, was die SCM-Handballer am Mittwochabend gemacht haben, dürfte sich spätestens beim Blick auf die Ansetzungen des 26. Spieltages in der Bundesliga erübrigt haben - sie schauten fern. Denn während die Magdeburger erst am Sonntag gegen Lübbecke um Punkte kämpfen (17.15 Uhr/Getec-Arena), musste unter anderem die SG Flensburg-Handewitt, hartnäckiger Konkurrent des SCM im Kampf um Platz drei, schon vier Tage vorher ran. Und weil das Spiel gegen FrischAuf Göppingen live bei Sport1 übertragen wurde, haben es sich van Olphen Co. vor dem Fernseher gemütlich gemacht und den Göppingern die Daumen gedrückt.

Die stille Hoffnung, dass Flensburg stauchelt, bekam nur in der ersten Halbzeit Nahrung. Dann starteten der Champions-League-Sieger, der schon mit 9:14 zurücklag, eine Aufholjagd und gewann mit 34:26. Durch den Sieg verdrängte die SG (41:13 Punkte) den SCM (40:14) wieder von Rang drei, der die Qualifikation zur Champions League bedeuten könnte.

Der Konjunktiv ist in diesem Fall kein Versehen, sondern bewusst gewählt. Denn es hat schon eine Tradition, dass sich der Qualifikationsmodus für die Europacup-Wettbewerbe nahezu jede Saison ändert. Und für gewöhnlich werden die Regularien nicht eindeutig, vor allem aber erst sehr spät vom europäischen Verband EHF festgezurrt, was die Planungssicherheit für die Vereine sehr schwierig gestaltet.

Noch vor kurzem hieß es für die aktuelle Saison zum Thema Königsklasse: Die drei Erstplatzierten der Bundesligasaison sind gemäß EHF-Rangliste direkt für die Champions League 2015/16 qualifiziert. Eine Nachfrage der Volksstimme bei der Handball Bundesliga (HBL) ergab, dass dem nicht so ist. Pressesprecher Oliver Lücke erklärte gestern dazu: "Sicher ist nur, dass zwei Teams für die Champions League 2015/16 direkt qualifiziert sind - der Erste und Zweite der Bundesliga."

Zwar habe es die EHF in den vergangenen Jahren in Abstimmung mit dem DHB, der ein "Upgrade" vorgeschlagen hat, immer so gehandhabt, dass auch der Drittplatzierte "automatisch" für die Königsklasse qualifiziert war, aber davon könne diesmal nicht ausgegangen werden. Denn, so Lücke, "es gelten neue und erweiterte Kriterien". Danach könne es sogar so sein, dass der Vierte, statt des Dritten der Rangliste eine der acht Wildcards von der EHF erhalte. Hindergrund: Bei der Auswahl der Clubs, die einen Antrag abgeben, sollen künftig Kriterien wie Wirtschaftlichkeit, organisatorische Rahmenbedingungen oder TV-Relevanz eine stärkere Rolle spielen als bisher. Lücke: "Was das genaue Prozedere betrifft, fischen wir allerdings noch im Trüben."

Aus Sicht von SCM-Manager Marc Schmedt stellt sich die Situation so dar: "Mein Kenntnisstand ist der, dass nur Platz eins und zwei für die Champions League fix sind. Aus rein sportlicher Sicht sind wir also aus dem Rennen - egal ob wir Dritter oder Vierter werden. Und deswegen ist das Ganze auch im Moment kein Thema für uns. Wir konzentrieren uns voll darauf, den fünften Platz abzusichern, der auf jeden Fall für den Europacup reicht."