Es war ein Handball-Leckerbissen ganz nach dem Geschmack der zuletzt oft darbenden SCM-Fans. Das Einzige, was den verdienten 30:28-Erfolg gegen den TV Großwallstadt am Donnerstagabend trübte, war die enttäuschende Kulisse in der Bördelandhalle von nur 4020 Zuschauern. Dabei war der Tenor auf den Rängen klar: "Dieses Spiel muss man gesehen haben!"

Magdeburg. Michael Biegler redete nach der Niederlage seines TVG nicht lange um den heißen Brei herum: "Wir haben verdientermaßen verloren, denn wir haben Attribute wie bedingungsloser Fight und Einsatzwillen, keinen Ball verloren zu geben, nicht an den Tag gelegt."

Der 49-Jährige haderte aber auch mit sich selbst. "Ich weiß ja, wozu der SCM in der Lage ist – gerade auch wenn es personelle Engpässe gibt – und habe versucht, das meiner Mannschaft begreiflich zu machen", so Biegler, der konstatieren musste, dass seine Warnungen auf taube Ohren gestoßen waren: "Wir haben uns nicht zu einer aggressiven Deckung aufraffen können und vorne wurden zu viele Bälle einfach weggeworfen." Wie‘s geht, habe der Gastgeber gezeigt: "Magdeburg hat aus seinen Möglichkeiten das Optimale gemacht. Sie haben Nadelstiche verteil, eiskalt zugeschlagen und die Angriffe geduldig ausgespielt."

Bei so viel Lob konnte und wollte Sven Liesegang nicht widersprechen: "Das war eine engagierte Leistung aller über volle 60 Minuten. Der Grundstein zum Erfolg wurde in der ersten Halbzeit durch eine aggressive Deckung und den Zug nach vorn gelegt." Zudem sei es gelungen, beide Torhüter "rauszuschießen", sodass das Bieglers Wechselspiel erfolglos verpuffte. "Dafür hat bei uns Jürgen Müller stark gehalten", lobte der Interimscoach den Keeper, der den verletzten Gerrie Eijlers ersetzen musste.

Angesichts des Sieges konnte es Liesegang dann auch verschmerzen, dass "der Zug in der zweiten Halbzeit etwas zu stottern begann". Biegler hatte die Deckung offensiver agieren lassen, der Gast kam so noch einmal auf zwei Tore heran. "Aber nachdem es zuletzt dreimal nicht geklappt hat, sind wir diesmal belohnt worden und haben den Vorsprung ins Ziel gerettet", freute sich "Liese" über sein Meisterstück.

Zu den Gewinnern der Partie durfte sich auch Bennet Wiegert zählen, der seine Allrounder-Qualitäten im rechten Rückraum unter Beweis stellte. Fünf Tore, so viele wie schon lange nicht mehr, gingen auf das Konto SCM-Urgesteins. "Ich versuche immer da zu helfen, wo ich gebraucht werde. ", kommentierte er seine Anteil am Sieg bescheiden. Dass die Mannschaft und auch er persönlich sich zu der Top-Leistung gepusht haben, weil es explizit gegen den Ex-Trainer ging, verneinte "Benno": Das war kein Hassduell oder so. Es war ein Spiel gegen den TV Großwallstadt und nicht gegen Michel Biegler." Es sei ja auch nicht alles schlecht unter ihm gewesen und schließlich habe man viele Punkte aus der Hinrunde auch ihm zu verdanken. "Viel wichtiger finde ich, dass wir heute gezeigt haben, dass wir noch immer Handball spielen können."