Loyalität hin – Professionalität her – man kann es drehen wie man will, die heutige Bundesliga-Partie des SC Magdeburg beim TV Großwallstadt ( 19. 45 Uhr / live DSF ) ist kein " normales " Punktspiel. Die Brisanz liegt darin, dass Magdeburgs Noch-Trainer Michael Biegler beim Aufeinandertreffen mit seinem zukünftigen Verein und Arbeitgeber zwischen den Stühlen sitzt : Wie das Spiel auch immer ausgehen mag, der 48-Jährige wird es nicht beiden gleichzeitig recht machen können.

Magdeburg. Ein doppelter Punktgewinn der Magdeburger würde Bieglers eigene Ausgangsposition für die Rückrunde beim TVG schwächen, jeder Punkt im Kampf um einen EC-Platz zählt. Eine Niederlage könnte ihm aus Sicht des SCM hingegen als Charakterlosigkeit vorgeworfen werden. Im Klartext : Biegler selbst kann im Duell gegen Großwallstadt eigentlich nur verlieren – zumal sich beide Teams auch noch auf Augenhöhe begegnen. Der Gastgeber, bei dem nur Holmgeirsson ( Knieverletzung ) fehlen wird, rangiert mit 12 : 10 Punkten auf Platz acht. Der in Bestbesetzung auflaufende SCM ( lediglich Krause hat aufgrund von Ausbildungs-VerpflichtungenTrainingsrückstand und trat deswegen gestern die Reise nicht mit an ) nimmt mit 10 : 12 Punkten Rang elf ein.

Wäre es nach TVG-Chef Georg Ballmann gegangen, dann hätte es den Showdown nicht gegeben. Seine Prophezeiung war es gewesen, dass " beide Parteien " – also der SCM und Biegler – " das bis zum Jahreswechsel nicht durchhalten werden ". Doch Ballmann wurde, zumindest bis zum heutigen Tage, eines Besseren belehrt.

Wie auch immer, zumindest in einem ist sich der TVG- " Macher " sicher : " Michael Biegler ist Profi und seriös genug, er wird sich und die Mannschaft professionell auf das Spiel vorbereiten und alles geben, es zu gewinnen. Ebenso werden wir natürlich alles versuchen, das zu verhindern. "

Welche Einstellung die Spieler des SCM zum Thema Trainerwechsel haben, war an den Auftritten der letzten Wochen abzulesen : Auch wenn die Botschaft vom vorzeitigen Abgang Bieglers zum 1. Januar Enttäuschung auslöste, ließen van Olphen & Co mit beherztem Spiel, unbändigem Kampfgeist und einer gesunden Mischung aus Aggressivität und Spielwitz keine Zweifel am Zusammenhalt aufkommen. " Wir zerreißen uns in den verbleibenden Spielen bis zur letzten Minute, das sind wir dem Trainer einfach schuldig. Erst recht, wenn wir gegen Großwallstadt spielen, damit gar keine bösen Gedanken aufkommen ", sichert der Kapitän dem Trainer die Gefolgschaft zu.

Wesentlich einfacher gestaltet sich die Aufgabe aus Sicht der Großwallstädter. Peter David, der sein Amt als Interimstrainer am 1. Januar an Biegler abgibt und künftig als " Bindeglied zwischen dem Bundesliga-Team und der AJugend " fungieren wird, geht betont gelassen in die Partie : " Viele denken, es ist für uns - und insbesondere mich - ein Prestigespiel. Ich sehe das aber wie jede andere Bundesligapartie. Es ist sehr wichtig, dass wir die Punkte zu Hause behalten. Unsere Mannschaft ist sehr gut vorbereitet und wird, wie zuletzt, mit der Unterstützung des Publikums nur schwer zu schlagen sein. "

Und wie sieht nun der im Blickpunkt stehende Biegler das Ganze ? Anscheinend völlig emotionsund humorlos : " Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Aus meinem derzeitigen Blickwinkel ist das ein völlig normales Spiel. Ich bin durchaus in der Lage, klar zu differenzieren und den Fokus auf den Gegner und die bevorstehende Aufgabe zu richten. Das bedeutet, mit meiner jetzigen Mannschaft das Maximum herauszuholen. Wenn man fünf Tage am Stück konzentriert auf eine Sache hinarbeitet, dann möchte man doch auch, dass diese Arbeit von Erfolg gekrönt ist, oder ?"