Magdeburg. Nach den schweren Turbulenzen der zurückliegenden Wochen versucht der SC Magdeburg gegenwärtig, seine Leitungsstrukturen wieder zu festigen und zum Teil neu zu ordnen. Erstes sichtbares Zeichen : Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre wird künftig dem Aufsichtsrat der Handball-GmbH angehören. Der CDU-Politiker hatte noch vor Wochen darauf verzichtet, für das Präsidentenamt des Gesamtvereins zu kandidieren. Zugleich hatte er damals schon seine Bereitschaft erklärt, in einem der Gremien mitarbeiten zu wollen.

" In den SCM muss jetzt endlich wieder Ruhe reinkommen ", sagte Daehre gestern der Volksstimme. " Ich will alles unternehmen, um den Verein weiterhin als sportlichen Leuchtturm zu erhalten. Was Schalke 04 für den Fußball ist, ist der SCM für den Handball. " Er habe selbst über Jahrzehnte diesen Sport betrieben, erklärte der 64-Jährige. " Da schwingen natürlich Emotionen mit. "

Nach dem überraschenden Rücktritt von Ex-Chef Johannes Kempmann zum 30. April – diesen hatte er mit geharnischter Kritik an Sportdirektor Stefan Kretzschmar verbunden – drohte das Aufsichtsgremium zeitweise personell erheblich auszudünnen.

Denn zuvor hatte bereits der Vorstandsvorsitzende der E.ON Avacon AG, Thomas König, seinen Posten zur Verfügung gestellt. Zuletzt gab auch der geschäftsführende Gesellschafter der communication factory GmbH, Gunter Schneider, sein Amt auf. " Mit dem Weggang von Manager Holger Kaiser und von Kempmann verliert der Magdeburger Handball Leute, die Ahnung vom wirtschaftlichen Geschäft haben ", betonte Schneider. Bei Kretzschmar sehe er das nicht so. " Das ist mir einfach zu heiß geworden. "

Lange Zeit galt auch Heinrich Sonsalla, Geschäftsführer derWohnungsbau-Gesellschaft Magdeburg ( Wobau ), als ein Wackelkandidat. Gestern sagte er dazu der Volksstimme : " In der derzeit schwierigen Lage des Vereins habe ich mich dazu entschlossen, meine Tätigkeit fortzusetzen. Als kommunales Unternehmen werden wir auch weiterhin den Magdeburger Handball unterstützen. "

Interimistisch wird der Aufsichtsrat, der allerdings nur beratend tätig ist, derzeit vom geschäftsführenden Gesellschafter der in Berlin ansässigen Praedia GmbH, Michael Weise, geleitet. Praedia ist einer der größeren Sponsoren des SCM-Handballs.

Unterdessen geht parallel dazu die Suche nach einem neuen SCM-Präsidenten weiter. Interimspräsident René Bethke hatte es im April kategorisch ausgeschlossen, dass er sich auf der ( mangels Kandidaten mehrfach verschobenen ) Wahlversammlung am 18. Juni für das höchste Amt im Klub bewerben werde. Vize Uwe Fabig hatte sogar erklärt, dass er aus seinem Amt ganz ausscheide.

Doch es tut sich etwas. Mittlerweile verdichten sich nämlich die Hinweise darauf, dass nun doch Matthias Gabriel, Geschäftsführer des Chemieparks Bitterfeld, für diese Funktion ernsthaft in Betracht kommt. Bereits vor einigen Wochen war der Ex-Wirtschaftsminister im Gespräch gewesen. Er hatte seinerzeit aber erklärt, wegen beruf icher Belastung " zurzeit " nicht zur Verfügung zu stehen.