Man muss lange suchen, um auf die vorerst letzte Liga-Niederlage der Gommeraner Eintracht-Handballer zu stoßen. Im März und noch zu Verbandsligazeiten erwischte es den SVE letztmalig. Am Sonnabend, beim 25:31 (14:12) in eigener Halle gegen den BSV 93 Magdeburg, gab es nun auch in der Sachsen-Anhalt-Liga eine Premiere, auf die man gern verzichtet hätte.

Gommern l Es ließ sich nur erahnen, wie gern sich Jens Schmidt das Trikot noch einmal übergestreift, den Ball gefordert und vor allem Zeit von der Uhr genommen hätte. "Noch 20 Sekunden. Spielt es aus", rief der Defensivspezialist von der Tribüne aus - alles nur, um das Ergebnis irgendwie erträglich zu halten, vielleicht noch auf vier Treffer Differenz zu verkürzen. So aber entfuhr es nach der Schlusssirene auch seinem Trainer Dirk Heinrichs: "Sechs Tore - das sieht richtig scheiße aus." Denn auch der letzte Eintracht-Angriff im Spiel endete nicht mit einem Treffer, stattdessen liefen die Magdeburger einen Konter und machten den aus Gommeraner Sicht gebrauchten Tag perfekt.

Nicht unerheblich hatte dies mit dem Ausscheiden Schmidts zu tun. Einen eigentlich harmlosen Körperkonktakt ahndeten die am Sonnabend nur selten souveränen Schiedsrichter mit einer Zeitstrafe - Pech nur, dass es die dritte für den Gommeraner war. "Im Paket mit einigen Situationen, die ungünstig für uns liefen, war das nicht ohne Einfluss auf den Ausgang der Partie", bekannte Heinrichs diplomatisch. Die Aufgabe von Schmidt als "Schatten" des BSV-Rückraumshooters Falko Nowak übernahmen zwar auch Stephan Lindner und Alexander Schäde auf effektive Weise. Doch im Umkehrspiel und über die schnelle Mitte war in der Schlussphase ein Bruch zu erkennen.

Trotz allem hatte sich die Heim-Sieben auch selbst wenn nicht um den Sieg, dann zumindest um ein freundlicheres und dem Spielverlauf angemessenes Resultat gebracht. Bis zum 23:24, das der angeschlagene Philipp Eckhardt nach klasse Parade von Julian Hartung mit viel Willenskraft erzielt hatte (52.), blieben den Gastgeber alle Chancen offen. Das Problem: Diese wurden nicht mehr genutzt. Die Fehlabspiele mehrten sich, zudem baute Gommern mit unvorbereiteten Würfen BSV-Torhüter Florian Fredow in einer Phase auf, die ungünstiger nicht hätte liegen können. "In den letzten zehn Minuten haben wir gemerkt, dass wir als junges Team doch noch nicht über die Routine verfügen, die es in der Sachsen-Anhalt-Liga braucht. Das war nicht unsere Halbzeit", bekannte der SVE-Coach.

Der erste Durchgang verlief dafür umso besser. Über das 3:1 (5.) und 8:6 (15.) blieb auch beim Gang in die Kabine ein Zwei-Tore-Plus. Dass die Gäste noch in Schlagdistanz lagen, verdankten sie ihrer Nervenstärke von der Siebenmeterlinie. Unter zwölf BSV-Toren in Durchgang eins waren stolze sechs Strafwürfe.

Dass die kraftraubende Spielweise der Gastgeber ihren Tribut forderte, wurde jedoch nach Wiederbeginn schnell deutlich. In Unterzahl kassierte die Eintracht erst den 14:14-Ausgleich (32.), drei Minuten später verbuchten die Olvenstedter gar ihre erste Führung seit dem 5:4. Auch eine wiederum überzogene Rote Karte gegen Magdeburgs Björn van Stigt (45.) spielte den Gommeranern nicht mehr in die Karten.

Nach der harten Landung auf dem Boden der Oberliga- Realität und dem Ausscheiden im HVSA-Pokal vor einer Woche (22:27 beim Süd-Verbandsligisten USV Halle II) ist das Wort "Krise" zwar längst noch nicht an der Ehle angekommen, dass aber vor allem die Psyche seiner Mannschaft zuletzt häufiger einen Streich gespielt hat, ist auch Coach Heinrichs nicht entgangen: "Als Aufsteiger müssen wir uns unser Selbstvertrauen und unsere Position in der Liga erst noch schaffen. Und Fortuna muss mitspielen."

Gommern: Salm, Hartung - Eckhardt (3), Koch, D. Einwiller (5), Schröder, Schäde, Böttcher (1), Kaffenberger (6), Kaese (3), Herrmann (5), Schmidt (1), Bomke, Lindner (1)

BSV 93: Fredow, Kleineidam - Nowak (7), Auerbach (3), Kamm, Grüneberg (7), Zengerling (4), Theile (3), Heimicke, Bischof (1), Hanke (2), Heigen, van Stigt (3), Ordnung (1)

Siebenmeter: SVE 4/3 - BSV 7/6; Zeitstrafen: SVE 4 - BSV 6; Rot: Jens Schmidt (40., 3x2 Minuten; Gommern), Björn van Stigt (45., Foulspiel; BSV)