Jahrstedt l Der 33-Jährige ist eine echte Identifikationsfigur und hat – obwohl er früher sicherlich als eines der größten Talente der Region galt – nie für einen anderen Verein gespielt. Bis heute fühlt sich der Allrounder, der auf nahezu jeder Position – sogar im Tor – eingesetzt werden kann, bei den Adlern pudelwohl.

Man merkt Daniel Jahn das Alter mittlerweile an. Konditionell ist er nicht mehr der fitteste, die meisten Abwehrspieler der Herren-Kreisoberliga sind sicherlich schneller als er. Doch Jahn hat noch immer diese besondere Gabe, die einst auch deutsche Stürmergrößen wie Gerd Müller, Horst Hrubesch oder Miroslav Klose auszeichneten – den Willen und den Torinstinkt. „Wenn ich frei vor dem Tor stehe, ist der Ball in 90 Prozent der Fälle drin“, verrät der Routinier. Das kommt allerdings keineswegs überheblich rüber. Der 33-Jährige ist sehr bescheiden und lässt den jüngeren Akteuren in Jahrstedts Männerteam immer mehr den Vortritt. Er selbst konzentriert sich mittlerweile umso mehr auf seine Laufbahn bei den Altherren.

Entscheidung musste her

Als Sechsjähriger hatte Daniel Jahn eine schwere Entscheidung zu treffen: Fußball oder Handball? Zunächst ging die Tendenz sogar eher zum Letztgenannten. „Wir hatten früher in der Schule einen handballverrückten Lehrer und haben es somit im Unterricht oft gespielt. Dazu kam, dass ich selbst recht wurfkräftig war und ziemlich hoch springen konnte“, schildert Jahn. Da aber auch der Fußball sein Interesse weckte und beide Sportarten parallel nicht in Frage kamen, musste eine Lösung her. Der Jahrstedter entschied sich dazu, das Leder lieber am Fuß zu führen.

Harry Bohneberg, der Vater eines guten Kumpels, eröffnete bei den Adlern eine G-Jugend, der sich dann auch Daniel anschloss. „Ich habe mich dazu überreden lassen und es nie bereut“, so der 33-Jährige heute. Im ersten Jahr absolvierte der jüngste TSV-Nachwuchs nur Turniere. Gleich das erste davon gestaltete er sogar siegreich. „Wir hatten auch einige Mädchen wie zum Beispiel Janine Pischel dabei, die teilweise sogar besser als die Jungen waren. Insgesamt waren wir eine buntgemischte Truppe. Nach uns gab es übrigens in Jahrstedt nie wieder eine A-Jugend“, erinnert sich der Westaltmärker zurück. Das Team blieb im gesamten Jugendbereich zusammen.

Zuerst zwischen den Pfosten

Jahn fand seine Heimat zunächst zwischen den Pfosten. Bis zu seinem 13. Lebensjahr war er für die Torhüterposition dank seiner Größe geradezu prädestiniert. Dann wurde allerdings der eine oder andere Platz auf dem Feld frei. Für Daniel Jahn war es der im linken Mittelfeld. Als Linksfuß entwickelte er eine Menge Zug zum Tor. Doch irgendwann stellte der Jahrstedter dann auch seinen Torinstinkt unter Beweis. So spielte er ab der C-Jugend im Angriff. Vor allem über hohe Bälle freute sich Jahn zu dieser Zeit. „Ich war eigentlich ein Kopfballspieler. Der Techniker im Team war eher mein Sturmpartner Sören Bartels“, verrät der 33-Jährige. Wer ihn also als Gegenspieler nach Standards oder Flanken aus den Augen verlor, brauchte sich nicht zu wundern, wenn der Ball im Netz zappelte. In einer Spielzeit markierte der Westaltmärker von insgesamt 22 gleich 14 Tore per Kopf.

Auch der Erfolg stellte sich in Jahrstedt im Laufe der Jahre ein. So wurde das Team unter der Leitung von Trainer Uwe Bartels in der A- und B-Jugend jeweils Kreismeister und feierte dazu in der B-Jugend den Kreispokalsieg. Den Sprung auf Landesebene wagten die jungen Adler aber nicht. „Ich hätte das sicherlich gern mal mitgemacht und dort mal reingeschnuppert“, blickt Daniel zurück. Doch vor allem aufgrund der Fahrtenstrapazen verzichtete das Bartels-Team zweimal auf diesen Sprung.

Trophäe als Torschützenkönig

Mit 17 Jahren wechselten Daniel Jahn und viele weitere Kollegen aus der A-Jugend in die erste Männermannschaft des TSV. Die wurde damals in der 1. Kreisklasse von Jörg Zeiler betreut. „Wir sind in eine recht erfahrene Truppe gestoßen, so dass es sicherlich in der Anfangszeit etwas schwierig war. Doch wir durften recht früh spielen“, verrät der Westaltmärker. Gleich im ersten Jahr schaffte das stark verjüngte Jahrstedter Team den Aufstieg in die Kreisliga. Gemeinsam mit dem ebenfalls aufgerückten Sören Bartels teilte sich Jahn die Trophäe als Torschützenkönig der 1. Kreisklasse, beide Angreifer brachten es auf 20 erzielte Tore. Dazu schaffte es die Zeiler-Elf ins Kreispokal-Halbfinale gegen den damaligen Landesligisten SG Eintracht Mechau, wo man erst nach Verlängerung ausschied.

Die ranghöhere Eintracht signalisierte sofort Interesse an Jahn, doch er blieb seinem Heimatverein treu. „Ich konnte es mir nicht vorstellen, meine Freunde zu verlassen“, erklärt der Offensivmann. Eine Spielzeit später in der Kreisliga setzten die Adler die Hinrunde völlig in den Sand und waren abgeschlagener Letzter, ehe sie in der zweiten Halbserie kein einziges Spiel mehr verloren und am Ende noch starker Sechster wurden. Insgesamt vier Auf- und Abstiege machte Daniel Jahn mit den Adlern durch. Daher kann man das Urgestein durchaus als „Fahrstuhlfahrer“ bezeichnen.

Kreisoberliga genau das Richtige

Vor allem die Zeit mit Uwe Bartels an der Seitenlinie genoss der 33-Jährige. „Er war für mich immer eine Respektsperson. Unter ihm habe ich viele Höhen und Tiefen erlebt, doch es hat immer Spaß gemacht“, blickt Daniel Jahn zurück. Als Unteroffizier bei der Armee in Munster fehlte Jahn nur 2004 und 2008 jeweils vier Monate berufsbedingt, ansonsten stand er bei den Begegnungen immer Gewehr bei Fuß. In der höchsten Spielklasse des Altmarkkreises Salzwedel, die mittlerweile den Namen Kreisoberliga trägt, sieht der nahezu gänzlich verletzungsfreie Allrounder die Jahrstedter Herren um Coach Andreas Kroggel gut aufgehoben. „Wir haben hier eine ungünstige Lage und kommen nur schwer an auswärtige Spieler heran“, weiß der Westaltmärker. Daher freut er sich, dass sich die Adler mit dem TSV 1919 Kusey über viele Jahre hinweg im Nachwuchs zu einer Spielgemeinschaft zusammenschlossen.

„In puncto Jugendarbeit sind wir definitiv auf einem guten Weg“, weiß Jahn. Der sieht es als „reife Leistung“ an, dass sich der Verein bei seinem doch recht kleinen Einzugsbereich noch immer verhältnismäßig erfolgreich im Spielbetrieb hält. Bei den Männern hilft Daniel Jahn mittlerweile nur noch sporadisch aus. Mit Trauer, aber auch ein wenig Ärger reagierte er auf die Trennung von Trainer Uwe Bartels kurz vor der Winterpause der Saison 2014/2015. „Wenn ich gebraucht werde, bin ich aber noch immer dabei. Der Verein ist mir einfach zu wichtig“, gesteht der 33-Jährige, der in den letzten zwei Jahren zumeist das Tor hüten musste.

„Die Stimmung in dieser recht jungen Mannschaft ist gut. Die Truppe sollte auch im Falle eines Abstiegs unbedingt zusammenbleiben, dann kommt sie auch irgendwann zurück“, so der Routinier. Der glaubt, dass mit einem Sieg zum Saisonabschluss gegen Vienau die Rettung, ganz unabhängig von den Ergebnissen gegen Jübar/Bornsen und Potzehne, gelingen könnte.

Gemeinsam mit Sören Bartels

Seit seinem 32. Lebensjahr ist Daniel Jahn mittlerweile für die Altherren der SG Kusey/Immekath/Jahrstedt aktiv. Dort sorgt er im Angriff für die nötigen Treffer und spielt – wie schon in erfolgreichen Nachwuchszeiten – wieder gemeinsam mit Sören Bartels. Das Duo versteht sich nach wie vor prächtig. Zumeist kommt Jahn jedoch über die linke Seite. Konditionell ist der zweifache Familienvater durch das fehlende Training natürlich nicht mehr auf dem Stand früherer Jahre. „Wenn ich am Wochenende wirklich mal zwei Spiele machen muss, merke ich das schon und brauche auch zwei bis drei Tage zur Regeneration“, verrät der Routinier mit einem Grinsen. Bei den Oldies läuft es sportlich ordentlich und auch personell gibt es seit der Einführung des Norweger-Systems nur noch selten Probleme.

In der Kreisliga steht die Spielgemeinschaft ordentlich da und bestreitet zudem in wenigen Tagen das Kreispokalfinale gegen die SG Pretzier/Chüden. Dieses möchten Jahn & Co., in den vergangenen beiden Jahren jeweils Vizemeister, natürlich unbedingt gewinnen. „Wir verstehen uns untereinander sehr gut“, spricht das Urgestein vom guten Klima im Team. Mittlerweile ist auch Daniel Jahn etwas „ruhiger“ geworden, denn früher meckerte er oft wie ein Rohrspatz über die Entscheidungen der Schiedsrichter. „Von vielleicht 100 Gelben Karten habe ich bestimmt 80 nur wegen meiner Meckereien erhalten“, verrät der Jahrstedter schmunzelnd. Nun ist Jahn bei vielen Referees der Region gut bekannt und viele von ihnen drücken auch mal ein Auge zu, bis die Karte gezückt wird. „Bis zu einem Platzverweis habe ich es allerdings auch nur selten kommen lassen“, verrät der Westaltmärker, der noch immer über ein gutes Stellungsspiel verfügt und somit mit Treffern nicht geizt.

Da der Jahrstedter zuletzt viele Jahre in der Kreisoberliga unterwegs war, kann er die Entwicklung dieser Spielklasse auch gut beurteilen. „Die Lücke zwischen oben und unten wird immer größer. Ich denke, dass das in Zukunft noch drastischer kommt“, so der 33-Jährige. Daher sieht er lediglich für die Teams mit hervorragender Nachwuchsarbeit wie beispielsweise den SV Eintracht Salzwedel und den SSV 80 Gardelegen eine rosige Zukunft kommen. Auch in Jahrstedt würde sich Jahn noch mehr Nachwuchs wünschen. „Man muss aber sagen, dass Sektionsleiter Andreas Kroggel den Laden hier super zusammenhält“, verrät der Westaltmärker.

Speziell eine A-Jugend wäre für die Adler („Selbst wenn wir hier durch ein Bündnis mit Kusey jede zweite Jugend hätten, wäre das schon gut“) mal wieder sehr wichtig, damit nicht so viele Akteure wegbrechen, die sich sonst womöglich anderen umliegenden Vereinen anschließen. Solange die Gesundheit mitmacht, wird auch Jahn weiterhin für die TSV-Herren auf Torejagd gehen – wenn auch nur sporadisch. Sein Hauptaugenmerk legt er auf die Altherren. „Ich möchte wieder etwas fitter werden, mehr Tore erzielen und möglichst mal eine Kreismeisterschaft feiern“, hat sich der 33-Jährige noch einige Ziele mit den „Oldies“ gesetzt.

Das Urgestein könnte sich später auch vorstellen, bei seinem Heimatverein gemeinsam mit einem Assistenten eine Traineraufgabe zu übernehmen. „Eine Großfeldmannschaft wäre mir in diesem Fall am liebsten. Mich würde es reizen, sie mit meinem Wissen weiterzuentwickeln“, verrät Jahn. Eine Arbeit im Vorstand oder als Schiedsrichter ist hingegen aktuell nicht vorstellbar. Lieber gibt Daniel Jahn noch einige Jahre als Spieler alles für den TSV Adler Jahrstedt.