Das 42:42-Unentschieden zwischen Lok Schönebeck und dem USV Halle gestern Abend rief unterschiedliche Gefühle hervor. Während die Gäste diesen Punktgewinn in der Handball-Verbandsliga wie einen Sieg feierten, kam er bei den Schönebeckern einer Niederlage gleich. Schließlich schenkten sie einen 25:15-Vorsprung zur Pause noch her.

Schönebeck l Würde man es positiv ausdrücken, würde man sagen, so eine gefühlte Pleite gehört zum Lernprozess. Da Lok jedoch nach der 39:40-Niederlage gegen Weißenfels gewarnt war, als das Team ebenfalls einen großen Vorsprung zur Pause noch verlor, gab es nach der Partie ratlose Gesichter anstelle von aufbauenden Worten. Und so musste auch Rückkehrer Christian Schuster, der sein erstes Heimspiel für Schönebeck nach seinem Wechsel vom SV Eiche Biederitz bestritt, hinnehmen, dass in dieser Saison bei Lok immer etwas los ist.

Dabei hätte bereits die erste Hälfte Warnung genug sein dürfen. Sie wurde zwar mit einer deutlichen Führung abgeschlossen, doch "in dieser Halbzeit haben sich unsere Schwächen bereits angedeutet", betonte Roy Schlemmermeyer, der den aus beruflichen Gründen fehlenden Henning Stapf an der Seitenlinie vertrat. Seine Schützlinge verschoben also in der 6-0-Deckung zu langsam, traten zuweilen viel zu spät oder gar nicht hinaus, schalteten bei der Schnellen Mitte des Gegners zu langsam und ließen viele Anspiele an den Kreis zu, weil die Beine oder die Gedanken einfach nicht schnell genug waren. "Sonst hätten es auch nur zehn Gegentreffer sein können."

Schönebeck durfte sich vor allem bei den Hallensern bedanken, dass der Vorsprung derart groß war. Mit 13 vergebenen Angriffen spielte die gegnerische Offensive der Lok in die Karten. Diese tat sich in der Offensive schwer, wenngleich Jan Bauer und Toni Warschkau oftmals praktisch ohne Gegenwehr abschließen durften. Zudem löste der Gastgeber die 5-0-1-Deckung der Hallenser gegen Martin Schröder solide. Doch dank Simon Pern und Hendrik Hesse im Kasten des USV, die zusammen zehn Bälle hielten, blieb es bei einem Zehn-Tore-Rückstand der Gäste.

Nach dem Wechsel nahm das Unheil seinen Lauf. Halle stellte erst auf eine 4-0-2-Abwehr um, so dass auch Jan Bauer Sonderbewachung bekam, und nahm schließlich in einer 3-0-3 auch Warschkau mit auf. Schönebeck tat sich zunehmend schwerer, gute Wurfpositionen herauszuarbeiten. "Wir sind dann in viele Einzelaktionen verfallen", haderte Schlemmermeyer. Hinzu kamen verworfene Freie oder vergebene klare Chancen.

In der Defensive blieb Lok unaufmerksam, einen Abpraller beispielsweise sicherten sich zwei Hallenser, von einem Schönebecker war auf fünf Meter niemand zu sehen. Zudem bekamen die Torhüter bei Würfen von außen nur selten eine Hand an den Ball. "Und dann kam eins ins andere." Der USV verkürzte zum 23:30, er erzielte das 32:36, und er ging zur offenen Manndeckung über. "Damit sind wir gar nicht klargekommen. Wir wurden viel zu hektisch. Da müssen wir ansetzen", sagte Schlemmermeyer. Insgesamt produzierten seine Schützlinge in der zweiten Hälfte zwölf Ballverluste und sieben Fehlwürfe - zu viel, um den Vorsprung über die Zeit zu bringen.

Nach guter Einzelleistung gelang Warschkau zwar noch die 42:39-Führung, doch wenig später produzierte er ein Offensivfoul, Halle markierte das 41:42. Dann warf auch noch Bauer daneben und die Gäste glichen durch Geburtstagskind Chris Tannhäuser per Siebenmeter aus. Mario Meißner hatte noch die Chance zum Siegtreffer, doch auch er verwarf. Dann war die Zeit abgelaufen.

In der Woche gilt es, die Fehler aufzuarbeiten. Denn am kommenden Sonnabend ist der Dritte HC Burgenland II ab 17.30 Uhr zu Gast. "Dann sollte uns das nicht passieren. Das ist ein ganz anderes Kaliber", warnte Schlemmermeyer.

Lok Schönebeck: Schuster, Knörich, Niemann - Schulz (3), Bauer (5), Warschkau (10), Kazmierowski (5), Sauerzweig (4/4), Meißner (1), Tomm (3), Schröder (5), Krause (6), Meyer, Herrmann (1)

USV Halle: Pern, Hesse - Schmidt (4), Oevermann (1), Traineau (2), Schockow (4), Deckwerth (7), Grellmann (3), Tannhäuser (17/8), Michalke (4), Scholz

Siebenmeter: Schönebeck 6/4 - Halle 9/8; Zeitstrafen: Schönebeck 4 - Halle 7; Rot: Marcus Scholz (3x2 Minuten, 43:09) -Halle-

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