Der letzte Funke Hoffnung auf den Verbleib in der Mitteldeutschen Handball-Oberliga war für die TSG Calbe schnell verglüht. Meister HG 85 Köthen ließ nichts anbrennen, führte frühzeitig und gewann am Ende verdient mit 29:24 (17:9). Damit steht der Abstieg der Saalestädter fest.

Calbe l Spekulationen, dass die Gäste als designierter Meister vielleicht die Zügel schleifen lassen könnten, ließen sie schnell verstummen. Mit der Routine und Selbstverständlichkeit eines Tabellenführers spulten die Köthener ihr Programm ab. In der 6-0-Defensive traten sie frühzeitig auf den Rückraum hinaus, schlossen die scheinbar kaum vorhandenen Lücken rechtzeitig und erleichterten somit die Arbeit von Keeper Sebastian Loske, der mit acht Paraden in der ersten Hälfte den Calbensern von Beginn an den Nerv raubte.

Doch nicht nur die Abwehr der HG 85 war gut, vielmehr war die Offensivleistung der TSG schlecht. Bereits in der gesamten Saison war die Chancenverwertung das große Manko. Sinnbildlich brach diese Calbe auch im letzten Saisonspiel das Genick, weil beispielsweise Sören Lange nach einem Konter frei an Loske scheiterte (5.) und auch Lucas Marschall im Tempo-Gegenstoß ohne Bedrängnis nur die Querlatte traf (30.). Durch zehn Fehlversuche und neun Ballverluste brachte Calbe in Hälfte eins insgesamt 19 Angriffe nicht zuende. Ein Wert, "mit dem man gegen Köthen nichts bestellen kann", konstatierte Trainer Peter Weiß.

Somit lief Calbe schon nach sechs Minuten einem 1:3-Rückstand hinterher. Aufgrund von neun Technik-Regel-Fehlern in Halbzeit eins enteilten die Gäste immer weiter - und mit ihnen auch die Chancen, das kleine Wunder vom Ligaverbleib noch zu realisieren. "Das war eine der schlechtesten Leistungen, die ich gesehen habe", haderte Weiß. "Es waren alle von der Rolle, der Kopf war nicht frei."

Viel zu variabel präsentierten sich die Köthener im Angriff, sodass die 6-0- und später die 5-1-Abwehr der Saalestädter kein probates Mittel fand. Zudem hatte die HG 85 auf kurze Geniestreiche oder 2:0-Läufe der Gastgeber, als zum Beispiel mit Mathias Walter und René Hulha zwei schnelle Aufbauspieler im Rückraum aufliefen, weil Ron Barby und Ronny Krause nicht die erhoffte Durchschlagskraft hatten, immer wieder die passende Antwort parat. Bereits zur Pause geriet die TSG somit aussichtslos zum 9:17 ins Hintertreffen. "Ich musste etwas probieren, aber das zeigte immer nur phasenweise Wirkung. Köthen hatte immer einen Gegenzug parat oder zog nochmal an, wenn es notwendig war."

Als die HG 85 nach dem Wechsel mit einem Fehlwurf startete, hätte es vielleicht der Auftakt zu einer Aufholjagd sein können, doch Krause warf im Anschluss freistehend direkt auf die Brust von Loske. In der Folge verhinderten unter anderem sieben Fehlwürfe, dass die Saalestädter den Rückstand verkürzten, der Zehn-Tore-Rückstand beim 18:28 (52.) kam einem K.o. gleich.

Lediglich in den letzten Minuten, als Köthen sich einige Fehlwürfe leistete und die Unparteiischen ihre nicht immer nachvollziehbare Linie auf die Gäste ausweiteten, gelang noch etwas Ergebniskosmetik. Die Niederlage, den Abstieg und die Enttäuschung konnte dies aber nicht mehr verhindern.

Den Zuschauern schien das weit weniger auszumachen. Sie bejubelten die TSG für ihre Leistung in der gesamten Saison. "Davor muss man den Hut ziehen. Unsere Fans haben bis zum Ende hinter uns gestanden", freute sich Weiß.

TSG Calbe: Bertram, Wiederhold - Walter (1), Hulha (4), Sowa (10/8), Lange, Kaiser (4), Marschall (1), Barby (1), Krause (2), Hübner (2)

HG 85 Köthen: Loske, Döhler - Kreller (2), Uelsmann (2), Friedl (3), Kairis (6), Lampe (1), Lux (3), Ziemann (1), Just (1), Otto (3), Feuchtmann, Perez (7/5)

Siebenmeter: Calbe 8/8 - Köthen 5/5; Zeitstrafen: Calbe 5 - Köthen 5