Sowohl für den SV Förderstedt als auch für den Schönebecker SV war es mehr als ein Derby, es war ein "Sechs-Punkte-Spiel" in der Fußball-Landesliga. Nach durchwachsenen 90 Minuten sicherte sich der SSV die "Bigpoints" und nahm dem SVF damit die Gelegenheit, Boden unter den Füßen zu erlangen.

Förderstedt l "Wir haben uns viel vorgenommen, davon aber fast nichts umgesetzt", so lautete das ernüchternde Fazit des SVF-Trainers Jens Liensdorf. Die Gastgeber waren bemüht, das Geschehen an sich zu reißen, aber es fehlte die letzte Konsequenz. Auf der anderen Seite war dies anders, denn der SSV "nutzte seine Chancen zwingender", wie Schönebecks Trainer Michael Steffen erklärte.

Beide Teams kamen etwa gleich oft in den gegnerischen Strafraum, doch die Gäste schlugen daraus im Gegensatz zum SVF Kapital. So verwertete Sebastian Jakobs einen Freistoß, der nicht geklärt werden konnte, zur Führung. Eine Viertelstunde später grätschte Steven Gondeck den Ball unter Förderstedts Keeper Maik Binnebößel zum 2:0. Hinzu kamen noch zwei Aluminium-Treffer. "Wir hatten noch Glück, zur Pause nicht 0:3 oder 0:4 hinten zu liegen", sagte Liensdorf.

Steffen fühlte sich trotz der Zwei-Tore-Führung nicht sicher. "Ich habe mich noch nicht zurückgelehnt." Damit war er auch gut beraten, denn die Gastgeber reagierten auf die schwache erste Hälfte und schöpften ihr Wechselkontingent in der Pause aus. Dies zeigte sich jedoch nur "im Willen und Auftreten", wie Liensdorf es nannte. Zwingende Aktionen blieben weiterhin aus, einige Kopfbälle und Fernschüsse verpassten zwar nur knapp, doch die Schönebecker Defensive löste ihre Aufgabe stark. "Unsere Viererkette stand richtig gut", lobte der SSV-Coach.

Erst mit Denis Neumanns Treffer zum 3:0 in der 62. Minute kehrte endgültig Ruhe ein. Er behielt nach einem Diagonalball die Ruhe im Eins-gegen-Eins mit Binnebößel. "Das war wie eine Erlösung", blickte Steffen zurück. Umso unverständlicher war dann die Gelb-Rote Karte von SSV-Kapitän David Kühn wegen Meckerns. "Ein bitterer Beigeschmack", so Steffen. Damit nicht genug, Sebastian Jakobs sah seine fünfte Gelbe. Schiedsrichter Franz Unger pfiff zwar souverän, zog nach Steffens Geschmack aber die ein oder andere Karte zu viel. "Wenn nicht einmal mehr der Kapitän etwas sagen darf, können wir die Binde auch abschaffen."

In der Folge suchte der SSV sein Heil in der Defensive, stand tief und lauerte auf Konter. Förderstedt hatte deutlich mehr Ballbesitz, schlug daraus aber kein Kapital und haderte schließlich mit der eigenen Leistung. "Es war ein Sechs-Punkte-Spiel, mit dem wir einen Satz in der Tabelle hätten machen können. Umso ärgerlicher ist die Niederlage", so Liensdorf. Auch wenn die Anzeigetafel nach 90 Minuten noch 0:1 anzeigte, stand das bittere 0:3 fest.

Auf der anderen Seite herrschte logischerweise Zufriedenheit. "Der Einsatzwille hat gestimmt. Es war eine mannschaftlich geschlossene Leistung." Trotz der Freude über den Derbysieg schaut Steffen bereits voraus. "Die Punkte tun gut, aber wir wiegen uns noch lange nicht in Sicherheit."

SV Förderstedt: Binnebößel - Conrad, Siebert, Müller, Abram, Dübecke, Burdack, Buschke, Herrler, Bolze, Marco Janich

Schönebecker SV: Both - Braunert, Kellermann, Kauczor (85. R. Bittkau), Kühn, Bruchmüller (24. Kasper), Neumann, Gondeck, Dudziak, Wagner, Jakobs (85. G. Bittkau)

Tore: 0:1 Sebastian Jakobs (17.), 0:2 Steven Gondeck (32.), 0:3 Denis Neumann (62.); ZS: 129; SR: F. Unger (Zörbig); Gelb-Rot: David Kühn (64.) -Schönebeck-

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