Seit fast 50 Jahren ist Lothar Maruhn aus dem Sport nicht mehr wegzudenken. Heute ab 11 Uhr betritt der 65-Jährige beim 1. Sportsymposium das letzte Mal als Geschäftsführer des Kreissportbunds ein Hallenparkett in offiziellem Rahmen. Am 1. Juni geht der gebürtige Westeregelner in Rente. Nachfolger wird einer der bisherigen Stellvertreter, Thomas Gruschka.

Borne/Staßfurt l Würde man Lothar Marhun nach dem Höhepunkt in seiner sportlichen Karriere fragen, würde er nicht unbedingt zuerst von den drei Titeln auf Bezirks- und Landesebene mit dem Staßfurter Handballern als Trainer sprechen. Und auch nicht unbedingt vom Gewinn der Norddeutschen Meisterschaft. Vielmehr würde er mit einem Lächeln folgende Geschichte erzählen: "Ich habe mal mit einem kneteähnlichen Klumpen auf ein Wasserrohr geworfen. Gleich beim ersten Mal blieb er kleben. Mein Kollege hat gesagt, dass ich das nicht nochmal schaffe. Also habe ich nochmal probiert und der Klumpen ist wieder kleben geblieben. Daraufhin versammelte sich die ganze Belegschaft und forderte, ich sollte es noch einmal versuchen. Also warf ich noch einmal - ich traf, der Klumpen blieb kleben und alle gröhlten. Dann habe ich aufgehört." In den folgenden Tagen hatte es Maruhn noch viele Male probiert, doch "ich habe nicht ein einziges Mal wieder getroffen".

Erfolge im Sport feierte Maruhn, der heute in Borne wohnt, vor allem als Trainer. Zwar wechselte er in seiner aktiven Zeit auch zum SC Magdeburg, doch frühzeitig erkannte er sein Organisationstalent und seinen Faible für das Amt an der Seitenlinie, er wurde bereits im Alter von 18 Jahren Übungsleiter. Als Sportlehrer an der Uhlandschule trainierte er die Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse, später auch die A-Jugend der SG Dynamo/Motor Staßfurt mit dem "goldenen Jahrgang" 1981/82, dem beispielsweise Carsten Kommoß, Tobias Rindert oder Martin Wartmann entsprangen. Maruhns Markenzeichen: Hochgekrempelte Hosenbeine. "Das war unbewusst, aber das Erkennungszeichen für den Erfolg", erklärt der ehemalige Sportlehrer, der an der Seitenlinie nicht gerade für seine ruhige Art bekannt war.

Er absolvierte insgesamt 44 Jahre in hauptamtlicher Tätigkeit in verschiedenen Organisationen, zuletzt 20 Jahre als Geschäftsführer im Kreissportbund (KSB). Dabei erlebte er neben der Zusammenlegung der Sportbünde Aschersleben und Staßfurt (1994) auch die Fusion zum Salzlandkreis (2007). Nun verabschiedet Maruhn, der immer einen lockeren Spruch parat hat, sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Den Bürokram und die Umstellung auf die neuen Computerprogramme werde ich nicht vermissen. Ich bin nicht für den Schreibtisch geboren", betont er schmunzelnd. Lieber mischte er sich unter die Sportler, wirbelte aktiv vor Ort und organisierte.

Die Kollegen und Sportfreunde hingegen "werden mir schon etwas fehlen". Kennengelernt hat er nämlich viele, zum Beispiel bei Sparta- kiaden oder Sportfesten. Zudem war er durchaus von freitags bis sonntags bei acht Veranstaltungen in den Hallen und auf den Plätzen des Kreises zu finden - von Fußball über Handball, Karate, Reiten und Volleyball. "Ich komme zwar aus dem Handball, aber ich mag jede Sportart." Das wird in Zukunft ähnlich der Fall sein, nur der Stress wird weniger. Jetzt kann sich Lothar Maruhn die Veranstaltungen nämlich aussuchen. "Ich bin froh, dass ich Beruf und Hobby verbinden konnte."

Der 65-Jährige wird jetzt etwas ruhiger treten und sich ein paar Träume erfüllen, beispielsweise eine lange Reise mit seiner Frau Brigitte, die heute Geburtstag hat, in Richtung Westküste der Vereinigten Staaten und Hawaii. "Ich habe bisher noch nicht im Stillen Ozean gebadet."

Danach aber, darauf darf man sich verlassen, wird Lothar Maruhn nach wie vor in Hallen und auf Plätzen zu finden sein. "Ich werde mir natürlich weiterhin Spiele anschauen." Und wenn sich der KSB darauf einlässt, wird er auch in den kommenden zwei Jahren noch die Kreis-Kinder- und Jugendspiele betreuen. Er ist eben nicht wegzudenken aus dem Sport des Salzlandkreises.