An dieser Mannschaft kam man in der Hinrunde der Handball-Bezirksliga nicht vorbei: Die weibliche D I-Jugend des HC Salzland 06 marschierte souverän und ohne Punktverlust auf den ersten Platz. Dabei trafen die jungen Salzländerinnen ganze 188-mal und kassierten nur 47 Gegentore. "Es kommt derzeit viel Gutes zusammen", fasste Trainer Stefan Rähm zusammen.

Staßfurt l "Die Mannschaft steht im Vordergrund", betonte der Coach. "Wir haben unsere Individualisten, die mit Schnelligkeit oder gutem Überblick überzeugen, aber letztlich wirken alle nur zusammen. Das macht unsere Stärke aus."

Der HCS lebt diese Philosophie auch abseits der Platte. Als sich Spielerin Gina Berninger (halb rechts) bei einer Schulmeisterschaft das Kreuzband riss und nun für einige Wochen an Krücken gefesselt ist, bastelte die Mannschaft ihr eine Genesungskarte. Diese schickte sie der Kameradin aber nicht etwa ins Krankenhaus, sondern ließ sie im Generalanzeiger abdrucken. Zusätzlich gestaltete das Team noch ein Banner und hielt es solidarisch im Heimspiel gegen Gernrode hoch.

Gina kommt im Gegenzug, auch wenn sie nicht selbst mittrainieren kann, zu den Trainingseinheiten.Seit viereinhalb Jahren spielt die Zwölfjährige schon Handball beim HCS. "Eine Freundin hat mich einfach mal zu einem Training mitgenommen. Es hat mir so sehr gefallen, dass ich dabei geblieben bin." Inzwischen hat sie sich zu einer der torgefährlichsten Spielerinnen der Mannschaft entwickelt. Überheblich wird sie aber nicht. "Wir müssen ja noch die Rückrunde bestreiten und wir wollen die Spiele dort ernst nehmen und versuchen, noch besser zu werden."

Immerhin geht es um den Meistertitel. "Wir wollen ihn in diesem Jahr auch gewinnen", erklärt Torhüterin Anna Schütze. Anna überzeugte in der Hinrunde mit vielen Paraden und leistete einen entscheidenden Beitrag für das gute Torverhältnis. Wie Gina kam auch sie über eine Freundin zum Handball. "Ich war zuerst auch auf der Platte. Aber dann habe ich meinen Trainer gefragt, ob ich mich mal im Tor versuchen kann." Und Anna versuchte es nicht nur, sie blieb auf dieser Position. "Eigentlich wollte ich gern ins Tor, weil ich von dort aus einen besseren Überblick über das Spiel habe und meiner Mannschaft auch Tipps geben kann."

Patrick Tuchen dient als großes Vorbild

Ihre Leidenschaft für das Tor kommt von einem ihrer Vorbilder. "Ich finde Patrick Tuchen gut", sagt Anna. "Von ihm schaue ich mir einige Tricks ab, vor allem, wenn er Siebenmeter hält." Mit dem Keeper des HV Rot-Weiss Staßfurt ist die Zwölfjährige auch befreundet. Mit vier Jahren Handball-Erfahrung gehört Anna auch schon zu einem der "alten Hasen" in der noch jungen Mannschaft.

Anders ist das dagegen bei Jenny Beglau. Die Elfjährige spielt erst seit eineinhalb Jahren und agiert beim HCS auf Linksaußen. "Ich renne viel, deshalb wurde ich vom Trainer auf dieser Position eingesetzt." Zum Handball kam sie über ihren Vater. "Er ist mit mir zu einem Probetraining des HC Salzland gegangen." Inzwischen ist Jenny ein fester Bestandteil des Teams. "Wir sind gut aufeinander abgestimmt und haben sowohl ein starkes Angriffsspiel als auch eine stabile Deckung", schätzte die Elfjährige ein.

Taktische Spielzüge werden so früh wie möglich geübt

So ein eingespieltes System braucht seine Zeit. Aber Rähm hat eine ganz klare Philosophie. "`Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr´. Ich fange jetzt schon an, mit den Mädchen verschiedene Kombinationen am Kreis zu üben. Diese werden sie nicht sofort im Spiel umsetzen können, aber nach und nach greifen sie dann auf diese Varianten zurück."

Und so besteht das Training nach einer Erwärmung vor allem aus taktischen Übungen. Der Coach erklärt seinen Spielerinnen genau, was er erwartet und schreitet sofort ein, wenn er Fehler sieht. "Das ist sehr wichtig, besonders in diesem Alter", weiß der Trainer aus 15 Jahren Erfahrung. Neben der ersten D-Jugend, "die ich erst im Februar 2014 übernommen habe", trainiert er auch die zweite Frauenmannschaft. Der Spagat zwischen Erwachsenen- und Jugendbereich gelingt ihm allerdings gut.

Die Erfahrung lehrt Rähm auch, dass "man nicht mit einem reibungslosen Durchmarsch rechnen sollte. Ich habe vor Saisonbeginn nicht damit gerechnet, dass es derart gut für uns laufen wird. Obwohl ich weiß, dass die Mädchen das Potenzial haben, muss ich doch das ein oder andere Mal auf die Euphoriebremse treten."

Für die Rückrunde, von der der HC Salzland 06 bereits drei Partien absolviert hat, "rechne ich mit härterer Gegenwehr von den anderen Mannschaften. Vor allem die TSG Calbe und der HT Halberstadt können uns gefährlich werden. Das sind interessante Spiele." Gegen die Saalestädter setzte sich der HCS bereits mit 16:14 durch, in der Begegnung beim HT Halberstadt stand am Ende ein 24:14 zu Buche.