Eine Trillerpfeife braucht Jana Wieden noch nicht. Die Trainerin der G-Jugend-Fußballer des ESV Lok Güsten weiß sich auch so mit einer lautstarken Stimme durchzusetzen. Das muss sie auch, denn ihre sechs Schützlinge Immanuel Lude, John Radtke, Florian Keye, Moritz Wieden, Marvin Menzel und Leon Hoffmann halten die 35-Jährige ordentlich auf Trab. Da ist es gut, dass sie von Mercedes Rüger unterstützt wird. "Sie hat das Geschick, auf zwei Fingern durchzu-tröten", schmunzelt Wieden.

Güsten. In der Güstener Turnhalle herrscht dienstags kurz vor halb fünf noch die Ruhe vor dem Sturm. Wieden ist bereits fleißig gewesen und hat einen Parcours aus Bänken sowie gelb- und orangefarbenen Begrenzungshütchen aufgebaut. So langsam finden sich dann auch ihre sechs Nachwuchskicker, alle im Alter von fünf Jahren, in der Halle ein.

Bevor sie ihren Schützlingen allerdings die Übung erklärt, steht zunächst die Frage nach der Anzahl der Erwärmungsrunden an. "Fünf", schreit Leon ihr entgegen. Doch das ist ihr zu viel, so dass zwei Runden zum Anfang reichen müssen. Dabei legt Leon ein gehöriges Tempo vor, die anderen können ihm kaum folgen. So ist es dann auch bei den anschließenden Koordinationsübungen, dem Hopserlauf und Seitwärtssprüngen. Es folgt eine kurze Trinkpause, in der auch Wieden kurz durchatmen kann.

Eigentlich suchte sie vor einigen Monaten nur nach einer Mannschaft, in der sie ihren Sohn Moritz unterbringen konnte. Die gelernte Krankenschwester fragte auch ihre Freundin Mercedes, deren Mann ihren elfjährigen Sohn Sascha in der Jugend in Güsten betreute, ob sie nicht einen Verein kennt, "wohin er gehen kann". Daraufhin kam beiden die Idee, die Jüngsten beim ESV Lok Güsten zu trainieren. "Wir haben in den Kindergärten und Schulen angefragt und auch die Leute direkt angesprochen, um Kinder für den Sport zu gewinnen." Da beide überhaupt, so wie Wieden sagt, "noch nie Fußball gespielt haben", ließen sie sich zu Trainern ausbilden. Ihr Wissen geben sie nun weiter: "Wir versuchen den Kindern spielerisch das Ballgefühl zu vermitteln. Sie müssen lernen, den Mut zu haben auf das Tor zu schießen. Sie laufen noch viel nebenher."

Den Moment der Ruhe kann Wieden nur kurz genießen, denn "der quirlige, süße Haufen" will beschäftigt werden. Geduldig erklärt sie dann die Übung, bei der die Kinder mit einem Ball die Begrenzungshütchen umlaufen, ihn dann mit dem Fuß an die umgekippten Bänke passen und dann ihre Torschussqualitäten unter Beweis stellen müssen. Florian streift sich als Erster die Torwarthandschuhe über und pariert die ersten Versuche. Doch dem kraftvollen Schuss von Leon kann er nichts entgegensetzen und der Ball zappelt im Netz. Der ehrgeizige Florian ärgert sich, aber nur kurz, denn Moritz steuert schon zielgerichtet auf das Gehäuse zu, verpasst es aber nur knapp. Geduld ist dann auch beim richtigen Annehmen des Balls mit dem Fuß und der Ausführung des Einwurfs gefragt. So fragt Wieden, was bei einem Einwurf wichtig ist. "Die Hände sind oben", sprudelt es aus einem der Kinder heraus. Florian ergänzt: "Die Füße müssen auf dem Boden stehenbleiben." Das ist jedenfalls die Theorie, doch auch in der Praxis sah das schon sehr ansehnlich aus.

Doch viel lieber würden es die Trainerinnen sehen, wenn die Kinder ihr erlerntes Wissen in einem Spiel umsetzen. "Sechs Kinder sind zu wenig, um am Spielbetrieb teilzunehmen", weiß Wieden. Daher würden sich die beiden Coaches über weiteren Nachwuchs natürlich sehr freuen. So wird gegenwärtig immer dienstags von 16.30 bis 18 Uhr in der Turnhalle in Güsten trainiert.

 

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