Staßfurt (sam). Nicole Kramer wird die heutige Partie wohl besonders genießen. Es wird nämlich für die auf Position Linksaußen agierende Akteurin der letzte Auftritt im Trikot des Mitteldeutschen Handball-Oberligisten HC Salzland 06 sein. Die 35-Jährige hat ihr Karriereende angekündigt. Daher möchte sie diese Saison am liebsten mit einem Erfolg beenden. Die Partie zwischen dem HCS 06 und dem SV Aufbau Altenburg wird heute um 17 Uhr in der Paul-Merkewitz-Halle in Staßfurt angepfiffen.

An den Saisonauftakt ebenfalls in der Merkewitz-Halle wird sich Kramer wohl nur ungern erinnern. Die Mannschaft empfing Mitte September die Bundesliga-Reserve des BSV Zwickau und musste sich nach 60 Minuten knapp mit 30:31 geschlagen geben. Kramer hatte in der letzten Aktion den Ausgleich auf der Hand und vergab am Ende die Chance auf einen Punktgewinn. Sie war danach untröstlich. Die Tränen sind mittlerweile getrocknet, der Klassenerhalt in trockenen Tüchern, so dass heute nach einem Erfolg erneut Tränen fließen könnten - Tränen der Freude.

Allerdings scheint für die Salzländerinnen über der Staßfurter Halle ein Fluch zu liegen. Die Partien, die der HCS 06 in dieser Halle austrug, verliefen zumeist nicht erfolgreich. "Erfolgreicher waren wir in Aschersleben", wusste HCS-Trainer André Hein. Dennoch mag er die Halle in der Bodestadt und wird mit seinem Team heute alles versuchen, um "die Saison positiv abzuschließen" sowie den Fluch zu besiegen.

Hein sieht seine Mannschaft trotz der besseren Tabellenposition nicht als Favorit. "Für mich ist Altenburg der Favorit", betonte er. Das kommt nicht von ungefähr, denn der Kader von Trainer Michael Zita ist neuerdings mit internationalen Namen gespickt. Der bekannteste dürfte wohl Ingrida Radzeviciute sein. Die 36-Jährige Rückraumspielerin lief von 1994 bis 2008 für den Bundesligisten HC Leipzig auf, gewann vier Meisterschaften und fünf Pokalsiege. Die gebürtige Litauerin erlang vor 13 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft und nahm 1999 an der Weltmeisterschaft teil. Außerdem gehörte sie vor vier Jahren zum erweiterten Kader für die Weltmeisterschaft in Frankreich. Ihre Karriere hatte sie vor knapp drei Jahren beendet und startete im Februar 2010 ihr Comeback. Zita, der Radzeviciute noch aus gemeinsamen Zeiten beim HCL kennt, fragte bei ihr an, ob sie dem Team aufgrund der personell angespannten Situation helfen könnte. Es erfolgte die Zusage, so dass sie dem Team bereits in den vergangenen zwei Partien zur Seite stand. Das wird sie auch heute, um dem Team im Abstiegskampf den Rücken zu stärken.

Am Donnerstag machte bereits die frohe Botschaft die Runde, dass die Altenburgerinnen wohl viertklassig bleiben. "Möglich macht dies der Verzicht einer Mannschaft aus Sachsen-Anhalt auf den MHV-Liga-Aufstieg", war auf der Homepage des Vereins zu lesen. Klaus Rupprich, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Spieltechnik, bestätigte, dass die gegenwärtig auf den beiden vorderen Plätzen liegenden Teams der Sachsen-Anhalt-Liga - BSG Aktivist Gräfenhainichen und SpG Bandits Magdeburg/Barleben II - "auf ihr Aufstiegsrecht verzichten".

Die Thüringerinnen haben noch ein anderes Ziel, nämlich Platz neun, sind dafür aber auf Schützenhilfe des HBV Jena, der bei der TSG Calbe antritt, angewiesen. Ihnen stehen dafür Patricia Ritter (Beruf), Sophie Jannaschk (verletzt) und Daniela Wurst (Kreuzbandriss) nicht zur Verfügung. André Hein muss verletzungsbedingt auf Anne Pätzold, die sich am vergangenen Wochenende eine Blessur am rechten Knöchel zuzog, sowie auf Keeperin Carolina Tarczeweska verzichten.