Eine ausgesprochen gute Stimmung hat es am Dienstag in den Stadion-Räumlichkeiten am Stendaler Hölzchen gegeben. Zum dritten Mal fanden sich ehemalige Kicker von Aufbau beziehungsweise 1. FC Magdeburg und Lok Stendal zusammen. Auch, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Stendal l Es ist regelrecht kurios, dass es diese planmäßigen Treffen von ehemaligen DDR-Oberligaspielern, vor allem der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, erst seit dem Jahr 2012 gibt.

Zuvor sahen sich die ehemaligen Konkurrenten durchaus schon mal, etwa beim 70. Geburtstag von Reiner Wiedemann, der nacheinander in beiden Mannschaften aktiv war. Regelmäßigkeit aber kehrte erst vor zwei Jahren ein.

Die inzwischen etwas in die Jahre gekommenen, ehemaligen Kontrahenten wollten sich einfach mal wiedersehen. Nicht zuletzt, weil sie sehr oft (ingesamt 39 Pflichtspiele zwischen beiden Vereinen) sportlich aneinander geraten waren.

"Wir sind persönlich mit den Stendalern immer sehr gut klargekommen", stellt Hans-Georg Moldenhauer, Stammtorhüter der Magdeburger und bekanntlich auch etliche Jahre DFB-Vizepräsident sowie NOFV-Chef, klar . "An die Spiele am Stendaler Hölzchen kann ich mich noch gut erinnern. Einmal, als 12 000 im Stadion waren, standen die ersten Zuschauer etwa eineinhalb Meter hinter der Außenlinie, ohne jegliche Absperrung. Als Torwart hatte ich praktisch fast Körperkontakt zu ihnen. Es war aber so, dass ich problemlos zum Beispiel den Ball holen konnte, wenn der an meinem Kasten vorbeiging. Es gab zwar verbale Provokationen, die sind sporttypisch, Schlimmeres aber niemals", erinnert sich "Molly", wie er von den "Ehemaligen" beider Mannschaften genannt wird.

Gastgeber des diesjährigen Treffens der früheren Oberligakicker war der damals pfeilschnelle Lok-Linksaußen Peter Güssau. Unter anderem konnte er auch Stendals OB Klaus Schmotz als Gast begrüßen.

Lok-Edelfan Dirk Schulz war bestens vorbereitet, um die Anwesenden tief in die Fußball-Historie des Stendaler Hölzchens und speziell der Duelle Lok gegen FCM eintauchen zu lassen. Der Lok-Chefstatistiker Matthias Riemann (Berlin) hatte ihn mit Daten und Zahlen "gefüttert" (siehe auch nebenstehende Übersicht).

Peter Güssau ging beim Blick in die Derbygeschichte auf zwei besondere Spiele ein. Am 30. Mai 1962 besiegte Aufbau Magdeburg im "Ernst-Grube-Stadion" vor 35 000 Zuschauern Lok Stendal mit 3:2. Das "Sport-Echo" schrieb damals: "Eines der besten Oberliga-Spiele der Saison. Souverän begannen die Stendaler. Wie am Schnürchen lief der Ball in ihren Reihen. Großartig der Aktionsradius der beiden Läufer (Hans) Küchler und (Kurt) Liebrecht."

Die Altmärker nahmen am 6. Oktober vor 12 000 Zuschauern Revanche für die 2:3-Niederlage und gewannen am Hölzchen mit 1:0. Das Goldene Tor in dieser Partie erzielte Gerd Backhaus per Kopf nach dem zehnten Lok-Eckball. Alle anderen Chancen der überlegenen Lok-Elf hatte Magdeburgs großartiger Torhüter Hans-Georg Moldenhauer zunichte gemacht. Die Statistik vom Derby in Magdeburg:

Aufbau Magdeburg: Blochwitz - Kubisch, Busch, Retschlag, Behne, Röpke, Stöcker, Eckardt, Wiedemann, Hirschmann, Abraham.

Lok Stendal: Bergner - Prebusch. Weißkopf, Felke, Küchler, Liebrecht, Strohmeyer, Lindner, Backhaus, Hartel, Güssau.

Zuschauer: 35 000, Torfolge: 0:1 Küchler (20.), 1:1 Eckardt (30.), 2:1 Hirschmann (32.), 2:2 Backhaus (43.), 3:2 Stöcker (58.).