Mit einer engagierten Abwehrarbeit legten die Verbandsliga-Handballer des HSV 2000 Zerbst am Sonnabend den Grundstein für den wichtigen Sieg gegen den Tabellenvierten aus Weißenfels. Der 32:25 (13:12)-Erfolg wurde nach dem Schlusspfiff von den HSV-Anhängern unter den 170 Zuschauern mit stehenden Ovationen gefeiert.

Zerbst. Mit einer Schweigeminute zu Beginn der Partie gedachten Zuschauer und Spieler des kürzlich verstorbenen langjährigen Mitglieds des HSV und früheren Stammtorwarts der Zerbster Handballer, Manfred Bringezu. Noch sichtlich von der bewegenden Trauerfeier am frühen Nachmittag gezeichnet, versuchte Trainer Bodo Benecke seine Spieler, die alle mit Trauerflor aufliefen, auf die spielstarken Weißenfelser einzustellen.

Die Gäste wussten bisher über die Saison spielerisch zu überzeugen, können aus dem Rückraum für enormen Druck sorgen. Darauf wollte Benecke reagieren und stellte die HSV-Abwehr entsprechend ein. "Wir müssen in der Abwehr arbeiten, den Ball führenden Spieler sofort attackieren", forderte Benecke. Seine Spieler legten sich entsprechend ins Zeug, rackerten und "hielten in der Deckung gegen" (Uwe Tiepelmann). Dazu irritierte der Zerbster Coach die Weißenfelser mit dem ständigen Wechsel auf der Torhüter-Position. Alle drei Keeper wurden eingewechselt. Bei den Gäste-Siebenmetern zeigte das enorme Wirkung. Sechs Bälle vom Punkt konnten sie nicht unterbringen. Zudem war zwischen der 35. und 45. Minute der 32-jährige Hardy Haberland mit sieben gehaltenen freien Bällen ein riesen Rückhalt beim Sieger.

Von der ersten Spielminute an führten die Zerbster, bogen bereits in der 13. Minute (7:3) auf die Siegerstraße ein. Trotz Manndeckung über die gesamte Spielzeit entwischte HSV-Goalgetter Sebastian Daudert seinem Bewacher ein ums andere Mal und hämmerte die Bälle dem später überforderten Gästekeeper in den Kasten. Dazu kam der enorm schnelle Tobias Els, der nach seinen Prüfungen wieder zum Einsatz kam. Wie ein Sprinter lief der HSV-Außen allen Weißenfelsern davon und erzielte in der 17. Minute ein vielumjubeltes Kontertor.

Danach sündigten die HSVer. Latte und Pfosten sowie ein unkonzentrierter Abschluss bei Gegenstößen ließen die Gäste besser ins Spiel finden, ja Oberluft wittern. Bis zur Halbzeit nutzten sie konsequent die sich eingeschlichenen technischen Fehler beim Gastgeber. Jetzt zeigten die Schmoeckle (9 Tore), Zeigermann, Radam was sie drauf haben. Die Zerbster führten zur Pause nur noch 13:12.

Gleich nach der Pause eine Handball-Delikatesse für die Tribüne. In Unterzahl erkämpfte sich der gute Tiepelmann den Ball, setzte sich gegen zwei Gegenspieler auf Rechtsaußen durch und passte den Ball genau auf die KreisspielerPosition. Der heranfliegende Daudert nahm den Ball und drehte ihn am verdutzten Weißenfelser Keeper ins Tor. Ein tolles Kempator (33./15:12).

Das war eine zusätzliche Ini- tialzündung im Zerbster Spiel. Haberland wurde in den folgenden Minuten unüberwindbar. "Das musste kommen. Was haben wir im Training das Stellungsspiel geübt", meinte Benecke nach dem Spiel. Davor gab sich der HSV mit der wohl besten Abwehrarbeit der Saison keine Blöße, obwohl die Gäste ihre individuelle Klasse immer wieder unter Beweis stellten (Schmoeckle, Weniger, Radam).

Ein weiterer Grund für den HSV-Sieg: Das Spiel von Mathias Krümmling. In der Deckung kompakt stehend, im Angriff sehr variabel. Er bot eines seiner besten Spiele im HSV-Dress. Der 22-Jährige ließ sich zurück fallen, wenn Daudert an den Kreis ging, war dann selbst sehr torgefährlich aus dem Rückraum. Die Weißenfelser gaben sich nicht auf, kamen immer wieder heran (44./22:18).

Der engagiert spielende David Maerten legte dann den Schalter mit vier Toren in Folge gänzlich auf Sieg um. Zumal die Gästespieler samt Trainer Alexander Gapsch mit den Unparteiischen aus Oebisfelde von Minute zu Minute mehr haderten. "Das war die schlechteste Schiedsrichterleistung, die ich in dieser Saison erlebt habe", war noch lange nach dem Spiel der sehr gesprächsbereite Weißenfelser Coach sauer. Die Zerbster sahen das anders, bescheinigten den Unparteiischen eine "gute und ausgewogene" Leistung.

In den letzten zehn Spielminuten kam aus allen HSV-Reihen im Angriff viel Druck (Lewin, Els, Tiepelmann). Die bissigere Abwehrarbeit sowie ein deutliches Plus auf der Torhüterposition legten dann endgültig den Grundstein für ein am Ende mit stehenden Ovationen gefeierten HSV-Sieg.

Somit kann der HSV kommenden Sonntag (15.30 Uhr, Anhalt-Arena) mit breiterer Brust gegen Kühnau auflaufen. Denn nach dem Spiel am Sonnabend wurde schon viel über den kommenden "Kracher" gegen die Kwoczalla-Truppe gesprochen.

HSV: Haberland, Engler, Geilich - Lewin (6), Tiepelmann (3), Maerten (5), Daudert (7/2), Krümmling (5), Markmann, Krüger, Hohmann, Els (6). Trainer: Benecke. Betreuer: Siebert. Zuschauer: 176.