Sie ist seit Jahren eine der erfolgreichsten Badminton-Spielerinnen im Land Sachsen-Anhalt, hat sich nach langer Verletzungspause wieder an die Spitze zurückgekämpft. Sie ist eine Sportlerin, die nie aufgibt, sich immer wieder selbst motivieren kann: Petra Fricke vom TV "Gut Heil" Zerbst.

Prödel. Durch einen Zufall kam Petra Fricke zum heutigen Badmintonsport, damals noch Federball genannt. "Meine Eltern wollten zur Geburtstagsfeier und ich sollte mich beschäftigen. Da stand damals eine Anzeige in der Zeitung und ich wurde zum Federball in die Turnhalle ¿Roter Garten\' auf der Breite geschickt", erinnert sie sich lächelnd. Das war der Beginn einer interessanten sportlichen Laufbahn. Fricke war damals zehn Jahre alt und der Sport hat sie bis heute nicht mehr losgelassen.

Bis zu ihrem 18. Lebensjahr spielte sie äußerst erfolgreich bei Motor Zerbst. Ihr Übungsleiter war Dieter Helbig. Die Prödelerin erreichte etliche Bezirksmeister-Titel im Einzel und Mix mit Ralf Tschackert. Bei den DDR-Meisterschaften kam sie im Einzel und im Doppel mit Birgit Klabes auf den fünften Platz. In der DDR-Rangliste gelang ihr bei den Schülern Platz sieben. "Mit 18 Jahren habe ich meinen Übungsleiter gemacht und Kinder trainiert. Unter anderem habe ich auch Holger Hövelmann das Badmintonspielen beigebracht", erzählte sie.

Mit Beginn des Studiums der Slawistik/Germanistik in Güs-trow pausierte für die 48-Jährige das Spiel mit dem Federball. "Dabei wollte ich gar kein Lehrer werden, sondern Phsychologe", erinnert sich die Sportlerin. Das war zu DDR-Zeiten nicht möglich und so vermittelte ihr Übungsleiter Helbig den Studienplatz.

Als studierte Lehrerin kehrte sie 1985 nach Zerbst zurück, wurde in der "Max-Sens-Oberschule" eingesetzt. Nach der Babypause kam sie an die Güterglücker Schule und trat 1994 in den TV "Gut Heil" Zerbst ein, um wieder Badminton zu spielen. Ab 1997 leitete sie die AG Badminton in Güterglück, die großen Anklang fand. Regelmäßige Schulturniere und Vergleichskämpfe wurden in Zerbst ausgetragen. Als es im Jahr 2003 zur Schulschließung in Güterglück kam, wurde die Lehrerin an der Sekundarschule Loburg eingesetzt. Dort stand Badminton als Wahlpflichtkurs im Lehrplan. Mit ihren Kindern war sie sehr erfolgreich. Das beste Ergebnis war der zweite Platz beim Regionalfinale 2005.

Da es beim Turnverein in Zerbst keine Pflichtspiel-Mannschaft gab, sie aber die sportliche Herausforderung suchte, wechselte Fricke von 2004 bis 2007 zum SV Union Heyrothsberge und spielte dort in der Landesliga. Die starke Mannschaft spielte immer um Tabellenplatz eins bis drei, schrammte jedoch immer knapp am Aufstieg vorbei.

"Diese Zeit war für mich äußerst wichtig", erinnert sich die zweifache Mutter. "Es war eine große Herausforderung. Die Taktik und Schlagtechnik haben mich sehr gefordert." In dieser Zeit war die Sportlerin durch die Punktspiele voll ausgelastet, konnte an diversen Turnieren und Meisterschaften nur wenig teilnehmen.

Im Jahr 2007 folgte nach schmerzhaften Rückenbeschwerden das sportliche Aus. Zwei Jahre musste die sympathische Sportlerin ihren Schläger "an den Nagel hängen". "Ich dachte, das wars für immer", erzählt sie.

Auch beruflich wagte sie einen Neuanfang. Sie entschied sich für eine Qualifikation zur Verwaltungsfachwirtin, musste für eineinhalb Jahre in Blankenburg studieren. Sie wohnte die Woche über in einer Wohngemeinschaft. "Das war eine harte Zeit. Ich musste kämpfen. Es war kein Vergleich mit dem Studium. Diese Zeit hat mich geprägt für das ganze Leben", erinnert sie sich.

Doch das hat sie alles nicht aus der Bahn geworfen. Im Gegenteil. Sie hat das neue Studium mit Bravour bewältigt, arbeitet jetzt als Landeskoordi- natorin für das Projekt "Jung bewegt", ein Projekt zur Engagementförderung für Kinder und Jugendliche. Die Arbeit beginnt für sie schon in den Kitas. Hier fließen ihre Erfahrungen als Lehrerin ein, vermittelt sie ihr Wissen selbst an Lehrer und Erzieher, die sie zur Umsetzung des Projektes aus- und fortbildet.

Und das Badmintonspiel? Seit 2009 ist Petra Fricke auch wieder Mitglied des Zerbster TV. "Mir ging es besser und ich wollte einfach wieder etwas tun", erzählte sie. "Ich war erschrocken, als nach der langen Pause nichts mehr ging. Aber nach zwei- bis dreimal Traning lief es schon besser."

Nach einer kurzen Anlaufphase nahm Fricke bereits an Turnieren teil. "Mit meinem alten und langjährigen treuen Sportfreund Wolfgang Belger habe ich wieder Mix gespielt, zum Beispiel beim Mix-Oldie-Turnier in Zwenkau", erinnert sich die Verwaltungsfachwirtin. "Ich musste mir erst wieder einen Stand erarbeiten. Es gab so viele neue Badmintonspieler, vor allem sehr junge. Aber ich hab schnell wieder reingefunden und merke, wie ich unter den jungen Leuten immer mehr geachtet werde."

Seit ihrer Rückkehr in den Sport hat die Badmintonspielerin an etlichen Ranglisten-Turnieren, Pokalspielen und Meisterschaften teilgenommen und dies mit bemerkenswertem Erfolg. Höhepunkt sind die Landesmeisterschaften (LM). Darauf trainiert sie das ganze Jahr hin. In diesem Jahr wurde sie auf Anhieb Landesmeisterin im Einzel (O45) und im Mix mit Andreas Ebert (O40, Mansfelder Land). Im Doppel holte sie mit Ute Kühn (Magdeburg) Silber. Dabei stand ihr Ebert zum ersten Mal zur Seite. "Es war ein tolles Endspiel. Wir gewannen gegen den Dritten der Norddeutschen Meisterschaf- ten (NDM) und der Deutschen Meisterschaften (DM)." Mit Ebert will sie nun weiterspielen, da sie in Zerbst keinen Partner mehr hat.

Überhaupt hat die Prödelerin, die seit September Sportwart ihres Vereins ist, ehrgeizige Ziele. Sie möchte sich im Februar bei den LM für die NDM qualifizieren. Bei den NDM visiert sie im Einzel und Doppel die Plätze drei an, um dann im Juni bei den DM starten zu können.

Im nächsten Jahr will sie mit dem TV "Gut Heil" eine Punktspielmannschaft ins Rennen schicken. In der Landesklasse sollen vier Männer und zwei Frauen starten. Von den Zerbs-tern werden außer ihr noch Fabian Grüneberg, Andreas Wesenberg, Andreas Schmohl und Lea-Lane Albrecht im Team sein. Drei Magdeburger Spieler sollen noch involviert werden.

"Wir müssen das Training umstellen. Immerhin hatten wir seit zehn Jahren keine Punktspielmannschaft mehr auf Landesebene, nur in der Flämingliga. Das wird eine spannende Herausforderung", so Fricke augenzwinkernd.

Und dann sind in zwei Jahren die Europameisterschaften. Da möchte sie, dann in der Altersklasse O50 startend, Einzel und Doppel spielen.

Für all diese Ziele tut die Sportlerin sehr viel. Einmal pro Woche wird Badminton ge- spielt. Drei- bis viermal pro Woche stehen Lauf- und Fahrrad- training an. Ihr sportliches Vorbild ist die "Altmeisterin des Badmintonsports", Susi Spiegel. "Mich beeindruckt, wie Susi Spiegel, die bald 80 Jahre alt wird, sich fordert, mit dem Sport lebt", so Fricke, die selbst den Anspruch an sich hegt: "Man muss sich immer wieder fordern." Ihre Devise für Sport und Leben lautet frei nach Bertolt Brecht: "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren."

In ihrer übrigen Freizeit arbeitet sie gern im Garten, engagiert sich bei den Landfrauen in Prödel und will in Zukunft wieder mehr politisch aktiv werden. Und dann ist da noch ihre Familie. Beide Töchter sind sportlich aktiv. Stephanie reitet beim RV Gehrden und Katrin spielt Volleyball in Lübs. Sie möchte auch bald wieder Badminton spielen, musste es aufgrund von Schichtarbeit vernachlässigen.

Auf die abschließende Frage, was der Sport ihr mitgegeben hat, meinte Fricke: "Der Sport hat für mein Leben viel getan. Ich habe gerlernt zu kämpfen, nicht aufzugeben. Man braucht einfach ein Ziel im Leben, ob privat oder im Sport. Ich denke, das hat auch meine Kinder geprägt."

Petra Fricke ist ohne Zweifel eine Sportlerin, die für manch junge Athleten als Vorbild gelten sollte.