Magdeburg l Das übliche Ballyhoo für die Medien im Magdeburger Maritim-Hotel hatte alles, was das (Journalisten-)Herzen höher schlagen lässt. "Das wird der Kampf des Jahres oder sogar noch ein bisschen mehr", frohlockte SES-Promoter Ulf Steinforth, der den Kampf für eine Rekord-Börse von 2,28 Millionen Euro ersteigerte und somit für ein "Heimspiel" seines Champions am 1. März in der Getec-Arena gesorgt hatte.

Der Kampf vor einem Jahr an gleicher Stelle sei schon etwas ganz Großes und Unvergessliches gewesen, so Steinforth. "Aber diesmal erwartet die Boxfans etwas noch Größeres, etwas, was es so in Deutschland noch nie gegeben hat: ein deutsch-deutsches Box-Duell der Superlative", so der SES-Promoter, der auf Nachfrage erklärte, dass die Refinanzierung "zu 100 Prozent in Sack und Tüten" und der Kampf "fast ausverkauft" sei.

Um die in Scharen herbeigeeilten Medienvertreter sowie die Lager von SES und Sauerland auf "Teil III" einzustimmen, lief zu Beginn der Pressekonferenz ein Filmchen - ein kleiner Zusammenschnitt des ersten Kampfes am 28. August 2012, den Abraham klar nach Punkten gewinnen konnte. Eine kleine Ewigkeit, zumindest in den Augen des wie paralysiert zuschauenden Verlierers "King Arthur", dürfte die Sequenz des Kampfes am 23. März 2013 gedauert haben, bei dem Stieglitz sich seinen WM-Gürtel in beeindruckender Manier zurückgeholt hatte.

Abraham, der in der 3. Runde aufgegeben hatte, erklärte auf die Frage nach seinen Gefühlen angesichts der "Vorführung" seines Untergangs: "Siege sind schön, aber Erfolg ist vergänglich. Niederlagen machen traurig und vergehen nicht so schnell. Auch wenn das keine große Niederlage war, weil ich wegen einer Augenverletzung aufgeben musste, wenn ich die Bilder sehe, dann tut das immer noch weh", so der ansonsten ungewöhnlich wortkarge 33-Jährige. "Aber egal, das werde ich im dritten Duell alles richtigstellen, denn der Gürtel gehört mir. Der Platz in der Vitrine daheim ist schon reserviert."

Das sieht der Champion anders. Immerhin feiert er in seinem Wohnzimmer ein historisches Jubiläum, denn mit dann 50 Kämpfen hat Stieglitz so viele wie kein anderer aktiver deutscher Boxer auf dem Buckel. "Ich habe von bisher 49 Kämpfen nur drei verloren und besitze den Titel seit 2009", stellt der 32-Jährige klar, wem der Gürtel gehört. "Ich freue mich sehr, ein Stück Boxgeschichte schreiben zu können. In diesem Duell steht es 1:1, und ich werde alles dafür tun, dass ich den Ring erneut als Weltmeister verlasse", so Stieglitz, dem erstmals eine Börse im siebenstelligen Bereich winkt: "Das ist die größte Börse meiner Karriere. Aber dafür habe ich auch lange und hart gearbeitet."