Sotschi/Magdeburg l Das Olympische Dorf in Rosa Khutor ist wie gemacht für Tatjana Hüfner. Die 30-Jährige gehört nicht zu den Athletinnen, die zum Leistungssport auch Luxus benötigen. Der Blick aus ihrem Zimmer direkt in den blauen Himmel über den Kaukasus gibt der passionierten Bergsteigerin mehr als ein goldener Wasserhahn im Bad, obwohl die Rodlerin als Olympiasiegerin von Vancouver 2010 Gold an sich ganz gerne mag. "Das Dorf ist wirklich schön gelegen", sagt die Blankenburgerin. In ihrem der insgesamt drei Dörfer wohnen zirka 2000 Athleten.

"Einen Fernseher brauche ich nicht", erklärt sie am Mittwochmorgen, 6.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, nachdem sie einen Videogang durch das Zimmer unternommen hatte. Die Wände sind weiß, zwei Spinde, ein kleiner Tisch, zwei Stühle und zwei Betten gehören zum Inventar auf zirka 15 Quadratmetern. Die einzig unverzichtbaren Dinge für sie sind der CD-Player und natürlich ihr Schlitten. Sie hat beide Betten zusammengeschoben für den "Schlittenbauplatz". "Das haben wir so gelernt: Schlitten gehört immer am Mann", erklärt sie lächelnd.

Ihr Mittwoch war ein "Haushaltstag": Sie hat die Sonne genossen bei zehn Grad Celsius. Sie hat etwas für ihre Athletik getan. Sie hat an ihrem Schlitten getüftelt. Am Donnerstag geht es wieder zum Training ins Sanki Sliding Center. Bahnstudium: 17 Kurven müssen die Rodlerinnen auf dem 1325 Meter langen Weg zur Medaille nehmen.

Die Bobfahrer kämpfen derweil auf 1365 Metern und in 19 Kurven um die schnellste Zeit. Nur die Anfahrt vom Dorf zur Bahn ist für alle Schlittensportler die gleiche. Sie wird begleitet von Sicherheitskontrollen. Vor der Abfahrt wird der Mannschaftsbus durchforstet und versiegelt, die Tür öffnet sich erst wieder in der nächsten Sicherheitszone und nach Ankunft im Center, berichtet Marko Hübenbecker, der Anschieber vom Mitteldeutschen Sportclub.

Ansonsten "bekommen wir im Dorf von den Sicherheitsmaßnahmen nicht viel mit", sagt der 27-Jährige, bestätigt Hüfner. "Ich fühle mich hier sicher", betont sie. "Trotz der Meldungen über die Terroranschläge in den vergangenen Wochen mache ich mir keine Sorgen, ich denke, die Organisatoren haben die Sicherheit im Griff", sagt auch Hübenbecker. Mehr als 70 000 Einsatzkräfte der Polizei und der russischen Armee sind in Sotschi im Einsatz. Zudem überwachen zirka 1000 Anti-Terror-Spezialisten den Ablauf der Winterspiele.

Seine Eindrücke vom Dorf schildert Hübenbecker so: "Es sind riesige Häuser, die einfach in den Kaukasus gebaut wurden." Auf seinen 15 Quadratmetern wohnt Hübenbecker noch allein. "Wenn alle anderen Anschieber am 14. Februar nachgekommen sind, wechsle ich ins Zimmer von Maximilian Arndt", seinem Piloten. Aber am Donnerstagabend geht es für die Bobathleten zunächst nach Istanbul (Türkei), "um noch einmal abzuschalten".

 

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