Halberstadt/Magdeburg l Germania Halberstadt hat sich in der Vergangenheit häufig über mangelndes Zuschauer-Interesse bei Heimspielen beklagt. Das dürfte am Sonntag (13.30 Uhr) anders aussehen, wenn zum Fußball-Regionalliga-Derby der 1. FC Magdeburg anreist.


Aus der Landeshauptstadt werden weit mehr als 2000 Anhänger erwartet. Bereits am Donnerstag waren knapp 1000 Tickets abgesetzt und damit der Vorverkauf im "FCMtotal"-Fanladen abgeschlossen. Allein 400 Anhänger wollen zudem mit dem Zug anreisen. Wegen der großen Nachfrage öffnen die vier Tageskassen im Halberstädter Friedensstadion deswegen auch schon um 12 Uhr.

Aus sportlicher Sicht nimmt der FCM, mittlerweile seit zwölf Pflichtspielen ungeschlagen, die Favoritenrolle ein. Doch Germania will dagegenhalten. Die gestrige Trainingseinheit nutzte VfB-Trainer Willi Kronhardt, um sein Team per Videoanalyse auf den Club einzustimmen. Insgesamt zeigte er sich zufrieden mit der Vorbereitung und der Stimmung in der Mannschaft: "Die Jungs wissen, um was es geht. Je näher das Derby rückt, desto mehr sträuben sich ihnen die Haare. Ich muss sie nicht motivieren, sie brennen auf dieses Heimspiel."

Pünktlich zum Sachsen-Anhalt-Duell kehren drei wichtige Spieler in die Stammelf zurück. Kapitän Niels-Peter Mörck, Antreiber Philip Schubert und Außenverteidiger Tino Schulze haben ihre Strafen abgesessen und sollten der Mannschaft mehr Stabilität geben. Kronhardt unterstrich die Bedeutung der drei Akteure: "Es ist gut, dass sie wieder dabei sind: Das gibt uns mehr Sicherheit, gleichzeitig können wir mehr Druck ausüben und haben Fußballer dabei, die lautstarke Anweisungen geben."

Routinier Schubert, der wenige Tage vor dem Duell mit seiner Vertragsunterschrift ein wichtiges Zeichen gesetzt hat, appellierte an die eigene Anhängerschar: "Ich bitte unsere Fans, zahlreich ins Stadion zu kommen. Wir brauchen eure Unterstützung."

Allerdings muss Kronhardt auch auf einen seiner verlässlichsten Akteure verzichten. Jan Nagel bleibt nach seiner fünften Gelben Karte nur die Zwangspause. Ein großes Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Ricky Djan-Okai. Er hütete zuletzt das Bett aufgrund einer fiebrigen Angina. Auch Sven Seitz ist gesundheitlich angeschlagen, Amir-Ali Mostowi dagegen wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. Er hat durchaus Chancen auf die Startelf.

Die Partie gegen den FCM ist für die Germania zugleich der Auftakt eines intensiven Heimprogramms, denn in den verbleibenden sechs Begegnungen vor eigener Kulisse stellen sich mit Magdeburg, dem Berliner AK, Jena und Neustrelitz gleich vier Topteams vor. Willi Kronhardt ist dieses "Hammerprogramm" bewusst. "Holen wir da Punkte, könnten wir zum Zünglein an der Waage werden, ärgern wir einige Teams und stellen die Tabelle auf den Kopf. Wir sind aber nicht so blauäugig und vergessen den Rest der Liga."

Auf Seiten des FCM kann Trainer Andreas Petersen aus dem Vollen schöpfen und macht, anders als in vielen vor-angegangenen Partien, aus der Anfangself kein Geheimnis: "Ich habe nicht vor, die Startformation vom 2:1 gegen den Berliner AK am vergangenen Sonnabend zu verändern." Gleichzeitig warnte der 53-Jährige davor, dies als Freibrief zu verstehen. "Es hatten so einige Spieler noch Luft nach oben." Das galt im Übrigen auch für Neuzugang Christoph Siefkes, der nach seinem Debüt selbstkritisch festgestellt hatte: "Einige Aktionen waren unglücklich. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es beim nächsten Mal besser wird."

Auch, was die Marschroute für das Derby anbetrifft, gab sich Petersen offen: "Wir werden unserer Linie treu bleiben und brutal auf drei Punkte gehen. Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun, sondern ist vielmehr dem Tabellenstand geschuldet. Wenn wir Neu- strelitz noch gefährlich werden wollen, helfen keine Unentschieden, sondern nur Siege. Das wird viele Gegner freuen, die darauf hoffen, uns auskontern zu können, aber ich denke, wir werden darauf die passende Antwort finden." Und worauf kommt es am Sonntag besonders an? Petersen: "Auf die mentale Stärke, auf Ordnung und Disziplin. Wenn wir das beherzigen, gewinnen wir auch."

Und der FCM hat mit Christian Beck einen weiteren Trumpf im Ärmel. Der 25-jährige Stürmer führt mit 13 Treffern die Regionalliga-Torjägerliste an, erzielte zuletzt auch gegen den BAK das erlösende 1:0 und ist gerade gegen seinen Ex-Verein motiviert bis in die Haarspitzen.