Magdeburg l Das Sommerfest des SC Magdeburg, beworben vom Verein als Fest der Kategorie XXL, muss am heutigen Sonnabend auf seinen Bundesliga-Torschützen der Kategorie XXL verzichten. Die beiden Übergrößen gehen bereits seit Dienstag dieser Woche getrennte Wege, wobei es für Robert Weber eine beschwerliche Trennung wurde. Der Weg, den er gleich nach dem Vergleich seines Teams bei Lok Schönebeck (44:22) angetreten hatte, erwies sich als ungeahnter Hindernisparcours.

"Ich habe 14 Stunden gebraucht, weil ich in zwei Komplettsperrungen gefahren bin", berichtet Weber über die Autofahrt in seine Heimatstadt Hard am Bodensee. Auf dem Highway war sozusagen die Hölle los. Viel Zeit zur Ruhe ist ihm auch nicht gegönnt: Denn Weber startet heute mit der österreichischen Nationalmannschaft in die Vorbereitung auf die WM-Qualifikationsspiele am 7. Juni in Wien und am 14. Juni in Bergen gegen Norwegen. "Wir waren glücklich über das Los, die Norweger allerdings auch", erklärt Weber zum Duell auf Augenhöhe.

Aus dem Blickwinkel der Ironie könnte man nun festhalten, dass der beschwerliche Weg zurück in die Heimat eigentlich der perfekte Abschluss einer beschwerlichen Saison gewesen ist, die die SCM-Handballer auf Platz sieben beendet haben. Aber das würde der Leistung Webers gar nicht gerecht werden, die sich nicht nur in der Zahl seiner erzielten 242 Tore widerspiegelt (zweitbester Schütze der Liga), sondern vor allem in der Wahl zum "Besten Spieler der Saison" beim SCM. Die Magdeburger hatten einmal mehr Gefallen gefunden am flinken Rechtsaußen. Bereits zum dritten Mal in seinem fünften SCM-Jahr hat sich der 28-Jährige diese Krone der Sympathie und Anerkennung aufgesetzt. "Ich bin sehr froh, dass meine Leistung vom Publikum so gewürdigt wurde", betont Weber.

Mit seiner Leistung hat er zugleich und mal wieder die Vermutung torpediert, dass es eine ziemlich undankbare Aufgabe sein muss, der Konkurrent von Robert Weber in einem Team zu sein. Tim Hornke dürfte jetzt zustimmend nicken. "Das kommt auf die Sichtweise an", sagt wiederum Weber. "Als sehr junger Spieler, so war es bei mir früher, kann man viel lernen und muss eine der wenigen Chancen ergreifen, um vorbeizuziehen. Aber ich muss zugeben: Viele Chancen lasse ich nicht zu." Der Nachfolger von Hornke, der den SCM in Richtung Liga-Konkurrent Lemgo verlässt, wird sich deshalb auf Lehrjahre einstellen müssen. Der Nachfolger heißt André Czech, er kommt aus der eigenen A-Jugend - und Czech ist mit 18 Jahren ein sehr, sehr junger Spieler.

Weber und Czech werden also zum Trainingsauftakt am 10. Juli die neue Ära des Trainers Geir Sveinsson einläuten. "Ich bin wirklich ein Island-Trainer-Fan, ich mag die Art der Menschen, und meine Kollegen in der Nationalmannschaft schwärmen alle von ihm", berichtet Weber schon voller Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit Sveinsson. So viel Enthusiasmus ist eine gute Voraussetzung für das große Ziel in der neuen Saison, obwohl "es immer schwer ist, schon vor der Saison über Ziele zu reden", sagt Weber zunächst, um zu ergänzen: "Der sechste Platz sollte es aber schon sein."

Aber so weit voraus möchte Weber noch gar nicht denken. Erst einmal will er sich mit Österreich und seinem isländischen Nationaltrainer Patrekur Johannesson für die WM 2015 in Katar qualifizieren. Danach müssen vier Tage am Gardasee zur Entspannung in XXL für ihn, seine Lisa und Söhnchen Lio reichen. Dann will er sein Fernstudium "Sportmarketing" abschließen, am 7. Juli schreibt er die letzte Prüfung.

Und erst dann geht die Vereinskarriere in die nächste von noch vielen geplanten Runden. "Bis 38 will ich noch Handball spielen", erklärt Weber nämlich. Dafür ist er in Magdeburg auf einem guten Weg: Weber hat seinen Vertrag für drei weitere Sommerfeste verlängert.