St.Jeand\'Angely/Leps l Schon die Woche vor dem vierten WM-Rennen war ziemlich turbulent. So musste die Lepserin am Dienstag noch bei einer Pressekonferenz bei ihrem Heimatverein, dem MSC Teutschenthal, Rede und Antwort stehen und sogar ihr Können auf dem Motorrad präsen- tieren.

Am Mittwoch ging die Reise dann auf nach Frankreich. "Dort hat soweit alles gepasst", sagte die 22-Jährige. Bei Sonnenschein stimmte zumindest das Wetter. "Die Strecke war sehr schwer. Es mussten steile Anstiege und Abfahrten gemeistert werden", erzählte sie. "Außerdem wurde die Strecke vor dem Rennen gegrubbert und mit Wasser geflutet, so dass sehr tiefe Rillen entstanden waren. Da ist es äußerst schwer zu fahren."

Doch diese Hindernisse waren für die junge Motocross-Pilotin kein Problem. Nur bei den Starts haperte es. "Ich hatte viel Pech bei den Starts", war sie ziemlich enttäuscht. Im ersten Lauf war der Start von der Rampe noch gut. Doch auf der anschließenden Geraden verlor sie Zeit. So war sie auf Rang 13 nach der ersten Runde, kämpfte sich jedoch noch bis auf Platz acht vor. "Ich hatte gute Zweikämpfe und war dann noch zufrieden", fasste sie Rennen Nummer eins zusammen.

"Dass ich es kann, weiß ich."

Anne Borchers zu ihrem Ziel, beste Deutsche in Teutschenthal zu werden.

Im zweiten Lauf ging es dann heftig zur Sache. Sie musste aufgrund eines Bremsmanövers fast von hinten, von Platz 20, nach vorn fahren. "Vor mir hatte eine Fahrerin so hart gebremst, dass ich keine Wahl hatte, sonst hätte es noch einen Crash gegeben."

Doch sie fightete, kam nach Runde eins als Achtzehnte in den Zielbereich. Im zweiten Abschnitt gab sie alles und konnte noch sensationelle acht Ränge gutmachen.

So landete sie noch auf einem versöhnlichen zehnten Platz. Trotzdem war sie etwas enttäuscht: "Mit ein bisschen mehr Glück wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen."

Doch jetzt richtet die Suzuki-Pilotin, die für das Team H K Motorsport Quedlinburg fährt, ihren Blick auf das nächste Rennen, das am 22. Juni auf ihrer Heimstrecke in Teutschenthal stattfinden wird. Darauf bereitet sie sich intensiv vor. Bereits gestern machte sie sich auf die Reise nach Österreich, wo sie am Samstag beim ADAC-Youngster-Cup mitfahren wird. "Das Rennen möchte ich als Training nutzen." Vielleicht kann sie sogar ein Wörtchen um den Cup mitreden.In Teutschen- thal will sie dann nochmals Vollgas geben: "Es gibt noch einige Sachen, die zu verbessern sind", gibt die einzige Starterin aus Sachsen-Anhalt kritisch zu. Trotzdem setzt sie sich sehr hohe Ziele: "Auf meiner Heimstrecke möchte ich mindestens beste Deutsche werden."

Und das wird schwer. Immerhin müsste sie dazu die auf Gesamtplatz fünf stehende vierfache Weltmeisterin Stephanie Laier - sie fuhr in Frankreich auf die Ränge drei und vier - hinter sich lassen.

"Dass ich es kann, weiß ich", sagte Anne selbstbewusst. "Es wird darauf ankommen, wie die Strecke präpariert ist. Leider habe ich, auch wenn es meine Heimstrecke ist, keinen Einfluss darauf."

Ein weiteres entscheidendes Kriterium wird die Tagesform sein. Dies gilt jedoch für alle 29 Fahrerinnen des "FIM Women Motocross World Championsship-GP", den zur Zeit die starke Fanzösin Livia Lancelot mit ihrer Kawasaki vor Me- ghan Kat Rutledge (Australien, Kawasaki) und der Italienerin Kiara Fontanesi (Yamaha) anführt.

Anne Borchers liegt auf Rang zehn und könnte sich, wenn es in Teutschenthal gut läuft, noch um einige Ränge vor- schieben.

Dafür wird sie erneut kämpfen und alles, was ihr möglich ist, geben.