Magdeburg l Club-Präsident Peter Fechner übergab dem scheidenden Geschäftsführer ein Buch mit 100 leeren Seiten, dem FCM-Logo auf blauem Einband und den Worten: "Sie wollen doch ein Buch über Ihre Zeit beim FCM schreiben ..."

Tiedge, bekannt als trockener Erzähler der schillerndsten FCM-Anekdoten, bestätigte sein Anliegen, schränkte aber augenzwinkernd sogleich ein: "Das Buch könnte ,Mein Leben in Blau-Weiß` heißen. 50 Prozent des Inhalts müssten aber wohl geschwärzt werden, weil einige noch lebende Personen dabei nicht gut wegkommen würden." Die Rede dürfte dann wohl von ehemaligen Trainern und Spielern, windigen Beratern und Managern sowie den vielen Begebenheiten des Alltags als langjähriger FCM-Geschäftsstellenleiter sein.

Und als Antwort auf die Frage, wie der Jurist aus Wanzleben einst zum FCM gekommen ist, hat Tiedge eine Geschichte parat: "Durch Heinz Krügel." Als Tiedge, der einst bei der damaligen BSG Motor Mitte (heute MSV 90 Preussen) nach dem Studium in Jena 1976 nach Magdeburg zurückkam, war der zuvor strafversetzte FCM-Erfolgstrainer Objektleiter in der Magdeburger Bodestraße. "Weil der FCM einen A-Jugend-Trainer suchte, gab es für mich kein Überlegen", erinnert sich Tiedge. Aus der Bekanntschaft mit Krügel entstand eine feste Männerfreundschaft, die darin gipfelte, dass Tiedge 1981 in einem mutigen Schreiben an den Fußball-Verband der DDR um Rehabilitierung Krügels bat. Das hätte böse enden können, doch allein die Tatsache, dass der damalige Vorgesetzte einräumte, Tiedge könne keine Antwort auf sein Schreiben erwarten, weil es dieses Schreiben gar nicht gibt, lässt erahnen, welche geheimen Kräfte ihre Hände mit im Spiel hatten ...

Der inzwischen rehabilitierte Krügel war es dann auch, der ab Januar 1991 Tiedge zuerst als Nachwuchsleiter und ab Jahresmitte als Geschäftsführer zum FCM holte. Und immer, wenn es irgendwo "brannte", war Tiedge zur Stelle: So etwa als "Not-Präsident" im Jahr der FCM-Insolvenz 2002/03, als Vizepräsident unter Chef Eckhard Meyer von 1995 bis 98, als Vorsitzender des Ehrenrates oder eben als Geschäftsführer.

Doch auch als Ruheständler bleibt Tiedge dem FCM erhalten, denn, so bemerkte Fechner: "Durch seine Erfahrungen ist er fast unersetzbar." Und so berät Tiedge den Verein vorerst für zwei Jahre auch künftig in Fragen des Sportrechtes und der Sicherheit.

Doch Tiedge denkt voll Wehmut an die vergangene Zeit zurück, hat er doch in all den Jahren nur einen Aufstieg seines Vereins miterlebt, den im Jahre 2002 in die Regionalliga. Dafür hat der nach außen stoische Ruhe Ausstrahlende für die bevorstehende Regionalligasaison einen Tipp: "Wenn wir diesmal alle Auswärtsspiele bei Berliner Vereinen gewinnen, werden wir Staffelsieger." Mit Aufsteiger BFC Dynamo werden diesmal in der Hauptstadt immerhin 15 Punkte vergeben. In der zurückliegenden Spielzeit holte der FCM in Berlin mit dem 2:2 bei Viktoria lediglich einen von zwölf möglichen Zählern.

Bernd Tiedges (Teil-) Verabschiedung fand in bescheidenem Rahmen in der FCM-Geschäftsstelle statt. Fechner berief zugleich offiziell den bisherigen Pressesprecher Matthias Kahl ins neue Amt und sagte: "Damit setzen wir die Verschlankung unseres Hauptamtes fort, denn eine Neu-Einstellung wird es nicht geben." Tiedge überreichte an Kahl einen blau-weißen Staffelstab mit der Bemerkung: "Es war eine herrliche Zeit. Alles Gute. Ich hoffe, wir sind in dieser Saison so aufgestellt, dass wir bald höherklassig spielen."