Schönebeck l Der Schönebecker SV ist am Scheideweg angekommen. Und es war ein viel zu langer Marsch dorthin. Angefangen hatte es mit der mangelnden Kommunikation zwischen Abteilungsleitung und Trainern der Mannschaften. Es folgten Unstimmigkeiten, Kündigungen und Entlassungen, die im Rücktritt der Abteilungsleitung gipfelten. Dies alles zog sich über mehrere Wochen hin.

In dieser Zeit hatte die erste Mannschaft immer wieder die Rückkehr von Trainer Marko Fiedler gefordert, der in Einvernehmen mit SSV-Präsident Frank Rüchardt die Kündigung vorgezogen hatte. Dieser Forderung kam der Verein nicht nach. Stattdessen wurde am Donnerstagabend mit Michael Steffen ein neuer Trainer vorgestellt. Das Problem: Der neue Übungsleiter stand praktisch vor einer leeren Kabine, denn die Landesliga-Elf war aus Protest nicht zum Training erschienen, zwei Tage später auch nicht zum Pflichtspiel. Auch nicht die Zweite, die damit nur indirekt etwas zu tun hat. Das grenzt an Meuterei. "Wir wollten den neuen Trainer vorstellen und waren gesprächsbereit", erklärte Dorian Reichelt aus der ehemaligen Leitung, der im Hintergrund "das Notwendigste aufrecht erhält". Mit den beiden war auch Rüchardt im Sportforum an der Barbarastraße. "Wir standen mit einigen Spielern in Kontakt. Es führte kein Weg daran vorbei. Wir mussten die Spiele absagen", bedauerte Reichelt. Diese werden nun ein Fall für das Sportgericht.

Bis zuletzt hatte die erste Mannschaft noch immer gehofft, dass Fiedler zurückkehren könnte. Doch der hatte nach seinem vorgezogenen Rücktritt nun auch am Montag beim von Frank Rüchardt einberufenen Klärungsgespräch praktisch seine zweite Absage kassiert. Letztlich hat er auch dem Team die Hoffnungen genommen. "Ich habe es der Mannschaft am Sonnabend nochmal verdeutlicht. Für mich ist das Thema SSV endgültig durch", betonte er gestern Nachmittag. "Mir wurde gesagt, dass es bei der Entscheidung bleibt. Ich akzeptiere das. Ich hatte eine schöne Zeit mit Spielern, Fans, Betreuern und Sponsoren." Dass es nun zu Spielabsagen kam, bedauert Fiedler. "Keiner hat ein Interesse daran. Wenn der Spielbetrieb eingestellt wird, wäre das eine Katastrophe für den Schönebecker Fußball. Das liegt mir absolut fern."

Nun wäre also die Leitung gefragt, die es allerdings nicht mehr gibt. Im Hintergrund wirbelt beispielsweise noch immer Dorian Reichelt. "Wir wollen die Abteilung nicht sich selbst überlassen", erklärte er gestern. Erste Erfolge, wenn man denn so will, hatte er bereits zu verzeichnen. Sowohl der Nachwuchs als auch die Frauen nahmen ihre Punktspiele wahr. Reichelt hofft nun, dass dies in der kommenden Woche auch wieder für die beiden Männermannschaften gelingt. "Wir sind sehr bemüht, Gespräche zu führen und hoffen, dass wir den Trainings- und Spielbetrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen können. Die Mannschaften haben auch eine Verpflichtung dem Verein gegenüber", betonte er.

Reichelt hat nun den großen Wunsch, dass sich beide Männer-Mannschaften in den Dienst des Vereins stellen, es dem Nachwuchs sowie den Frauen gleichtun und ihren Pflichten nachkommen. Dann soll es bald ein Gespräch mit Präsident Frank Rüchardt geben, der Anfang Oktober aus seinem Urlaub zurückkehrt. Dann soll sich entscheiden, welchen Weg die Fußballabteilung einschlagen wird.

 

Bilder